LH über „Krone“-Aktion

„Das Tiroler Ehrenamt lebt von Herzensmenschen“

Tirol
13.09.2026 18:00
Porträt von Tiroler Krone
Von Tiroler Krone

Die „Tiroler Krone“, SPAR und das Land Tirol suchen Persönlichkeiten, die mit Herz und Tatkraft unser Miteinander stärken. Landeshauptmann Anton Mattle über die „Herzensmenschen“-Aktion der „Krone“, sein ehrenamtliches Engagement und bessere Rahmenbedingungen.

„Krone“: Herr Landeshauptmann, warum unterstützen Sie die „Herzensmenschen“-Aktion der „Krone“?
LH Anton Mattle: Weil es wichtig ist, das Ehrenamt sichtbar zu machen. Ehrenamtliche fragen nicht, was sie dafür bekommen. Sie helfen, weil ihnen andere Menschen und die Gemeinschaft wichtig sind. Genau das macht die „Krone“ mit ihrer Aktion: Sie sagt den Menschen einmal ganz bewusst Danke und erzählt ihre Geschichten.

Wie groß ist die Bereitschaft der Tirolerinnen und Tiroler tatsächlich, sich zu engagieren?
Enorm groß. Mehr als jeder zweite Tiroler und jede zweite Tirolerin engagiert sich ehrenamtlich.

Auch Musikkapellen leisten einen wesentlichen Beitrag für die Allgemeinheit.
Auch Musikkapellen leisten einen wesentlichen Beitrag für die Allgemeinheit.(Bild: Land Tirol)

Was bedeutet Ehrenamt für Sie persönlich?
Vor allem Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Freizeit. Ehrenamt ist der soziale Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Das, was wir in Tirol haben, ist absolut keine Selbstverständlichkeit. Kaum irgendwo auf der Welt ist der freiwillige Einsatz für die Allgemeinheit so stark wie in Tirol. Ob Feuerwehr, Bergrettung, Rettung, Sportverein, Musikkapelle oder soziales Engagement: Ohne die vielen Freiwilligen würde vieles in unserem Land in dieser Form nicht funktionieren.

Sie wissen, wovon Sie sprechen. Sind Sie selbst ein „Vereinsmensch“?
Ja, absolut. Ich bin durch meinen Vater früh der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten, weil er damals Kommandant war. Durch meine Begeisterung fürs Bergsteigen bin ich zur Bergrettung gekommen und war lange Zeit in der Landesleitung aktiv. Auch bei der Musikkapelle Galtür und der Bürgermeisterkapelle Landeck war ich lange Zeit Mitglied.

Anton Mattle ist seit Jahrzehnten Mitglied bei der Tiroler Bergrettung. Und das blieb er auch ...
Anton Mattle ist seit Jahrzehnten Mitglied bei der Tiroler Bergrettung. Und das blieb er auch als Landeshauptmann.(Bild: Land Tirol)

Was bleibt aus dieser Zeit?
Vor allem viele Freundschaften und ein gutes Gespür für die Menschen. In einem Verein lernt man, dass jeder seinen Beitrag leisten muss. Man kann sich aufeinander verlassen und weiß, dass man füreinander da ist. Und ich glaube, dass genau diese Haltung Tirol auszeichnet: Nicht lange reden, sondern anpacken, wenn jemand Hilfe braucht.

Trotzdem klagen immer mehr Vereine über Bürokratie und Nachwuchsprobleme. Ist das Ehrenamt in Gefahr?
Wir müssen aufpassen, dass wir den Menschen das Ehrenamt nicht unnötig schwer machen. Natürlich braucht es Regeln. Aber wenn ein ehrenamtlicher Funktionär seine Freizeit investiert und dann einen großen Teil davon mit Formularen, rechtlichen Fragen und bürokratischen Anforderungen verbringen muss, läuft etwas falsch. Deshalb haben wir das „Jahr des Ehrenamts“ ausgerufen. Es soll aber nicht bei einer Kampagne bleiben. Wir wollen dauerhaft bessere Rahmenbedingungen schaffen.

Landeshauptmann Anton Mattle im Gespräch mit Claus Meinert (li.), Chefredakteur der „Tiroler ...
Landeshauptmann Anton Mattle im Gespräch mit Claus Meinert (li.), Chefredakteur der „Tiroler Krone“ und Markus Gassler (re.), Chef vom Dienst bei der „Tiroler Krone“.(Bild: Johanna Birbaumer)

Was soll besser werden?
Wir haben gemeinsam mit Vertretern der Freiwilligenarbeit, der Verbände und Vereine eine Tiroler Ehrenamts-Charta präsentiert. Sie beruht auf vier Säulen: gute Rahmenbedingungen und Absicherung, Service und Qualifizierung, Anerkennung und Sichtbarkeit sowie die Zukunft des Ehrenamts. Wir wollen etwa eine niederschwellige Rechts- und Grundberatung schaffen und Informationen auf einer Wissensplattform bündeln. Bestehende Beratungs- und Weiterbildungsangebote sollen leichter zugänglich sein.

Ein weiteres Problem: Viele Vereine finden kaum noch junge Funktionäre.
Das ist eine der größten Herausforderungen. Wir dürfen nicht erwarten, dass junge Menschen sich auf dieselbe Art und Weise engagieren wie das vor 30 oder 40 Jahren der Fall war. Lebensmodelle haben sich verändert. Deshalb müssen wir neue Formen ermöglichen: projektbezogen, zeitlich flexibel oder für einen bestimmten Zeitraum. Gleichzeitig müssen wir jungen Menschen zeigen, was ihnen Ehrenamt gibt: Gemeinschaft, Freundschaften, Erfahrungen und das gute Gefühl, etwas für andere zu bewirken.

Bis zum 18. Oktober
So nominieren Sie Herzensmenschen

Ab sofort sucht die „Tiroler Krone“ wieder Frauen und Männer, die Außergewöhnliches für Land und Leute leisten. Und unsere Leser können diese ab sofort online nominieren!

Mehr als 8000 Vereine leisten landesweit im sozialen Bereich und im Freiwilligensektor Einmaliges. Deshalb läuft jetzt auch die Suche nach „Krone-Herzensmenschen“ an. Die Siegerinnen und Sieger der „Herzensmensch“-Aktion erhalten tolle Trophäen und Sachpreise im Gesamtwert von mehr als 5000 Euro. Die Sieger werden von einer Jury gekürt und bei der großen Herzensmensch-Gala am 27. November im Landhaus Innsbruck geehrt.

Die Aktion findet in Kooperation mit dem Land Tirol und SPAR statt. Seitens SPAR werden für die zehn Sieger Einkaufsgutscheine im Wert von jeweils 500 Euro sowie je ein Geschenkkorb zur Verfügung gestellt.

(Bild: Krone)

„Mit ,Krone’-Herzensmensch Tirol 2026 haben wir uns zum Ziel gesetzt, das freiwillige Engagement in Tirol zu ehren. Damit will man all den wunderbaren Menschen danken, die ihre Zeit und Energie einsetzen, um anderen zu helfen“, sagt „Tiroler Krone“-Chefredakteur Claus Meinert.

Kennen auch Sie jemanden, der sich unermüdlich für andere starkmacht oder durch eine besondere Tat das Leben seiner Mitmenschen verändert hat? Dann machen Sie ihn zum Herzensmenschen.

Mit dem Handy den QR-Code einscannen oder unter: https://www.krone.at/4286098 

(Bild: Krone)

Sie sagen: Ehrenamt muss flexibler werden. Bedeutet das Abschied vom klassischen Vereinsleben?
Nein. Unsere Vereine sind eine enorme Stärke Tirols. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, nur eine Form des Engagements gelten zu lassen. Der eine engagiert sich 30 Jahre bei der Feuerwehr, die andere hilft ein halbes Jahr bei einem sozialen Projekt. Beides ist wertvoll und wichtig.

Was kann die Politik überhaupt tun, damit Menschen freiwillig helfen?
Politik kann Engagement nicht verordnen. Aber Politik kann dafür sorgen, dass es gute Bedingungen gibt. Dazu gehören Rechtssicherheit, Versicherungsschutz, Beratung und Weiterbildung. Dazu gehört aber auch Anerkennung. Deshalb prüfen wir einen neuen Ehrenamtsnachweis. Für mich sollten Ehrenamtliche Vorteile etwa bei der Wohnungsvergabe, Stipendien oder Ähnlichem haben.

Wie bedanken Sie sich bei den Ehrenamtlichen?
Persönlich im Rahmen der Herzensmenschen-Gala der „Krone“. Aber auch sonst im Rahmen meiner Besuche auf Festen, bei Veranstaltungen und in den Gemeinden.

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