Online-Betrug nimmt zu

„Militärarzt“ brachte Steirerin um 237.000 Euro

Steiermark
09.09.2026 12:10
Porträt von Steirerkrone
Von Steirerkrone

Betrugsmaschen im Internet haben Hochkonjunktur, auch immer mehr Steirer fallen auf perfide Online-Kriminelle herein. Die Polizei zeigt vier aktuelle, haarsträubende Fälle aus der Steiermark auf und mahnt zur Vorsicht.

Ein angeblich in den USA lebender Pilot entlockte einer Steirerin (50) über Monate hinweg rund 77.000 Euro. Dieser Fall sorgte erst vor wenigen Tagen für Aufsehen. Der Betrüger hatte die Frau auf Facebook kontaktiert und geschickt nach und nach Vertrauen aufgebaut, um dann aus verschiedenen vorgetäuschten Gründen Geld zu fordern – ein klassischer Fall von sogenanntem „Love Scam“. 

Solche professionell aufgezogenen Online-Betrügereien nehmen seit einigen Jahren stark zu – und es geht oft um gewaltige Summen. In der Steiermark geht es alleine in vier aktuellen Fällen um fast eine halbe Million Euro, wie die Landespolizeidirektion mitteilt. Das sind die haarsträubenden Geschichten dahinter: 

Vermeintlich lukrative Investments
Ende Juli wurde eine 27-jährige Oststeirerin auf Instagram auf eine Werbung für Investments aufmerksam. Sie nahm Kontakt auf, dieser wurde auf Whatsapp sowie Telegram geführt. Die Frau überwies in den folgenden Wochen mehr als 6000 Euro auf verschiedene Konten – im Glauben, das Geld gut angelegt zu haben. Einmal wurde ihr sogar wirklich ein „Bonus“ über rund 200 Euro ausbezahlt. Irgendwann konnte die Frau aber nicht mehr auf das vermeintliche investierte Geld zugreifen und wandte sich an die Polizei. 

Bargeld an „Militärarzt“ verschickt
Eine 65-jährige Grazerin lernte auf Facebook einen angeblichen Militärarzt kennen, der vorgab, im Jemen zu arbeiten. Gegenüber der Steirerin gab er an, er wolle nach Österreich zurück und bräuchte dafür finanzielle Unterstützung. Außerdem sei sein Sohn krank und er bräuchte Geld für die Behandlung. Die Frau verschickte in mehreren Postsendungen insgesamt 237.000 (!) Euro an Bargeld an verschiedene Adressen in Wien und Italien. Erst als angeblich im Namen der UNO weiteres Geld für die Ausreise des „Arztes“ gefordert wurde, wurde die Frau misstrauisch und erstattete Anzeige. 

Online-Betrug explodiert

Laut Landespolizeidirektion Steiermark haben sich die Anzeigen im Bereich Internetbetrug hierzulande seit 2016 vervierfacht. Im Jahr 2025 kam es in der Steiermark zu rund 4300 entsprechenden Anzeigen – die Dunkelziffer an solchen Fällen dürfte hoch sein. 

Angeblicher Finanzberater zockte Steirerin ab
Über eine Werbung auf YouTube wurde eine 74-jährige Grazerin auf einen angeblichen Finanzexperten aus Deutschland aufmerksam. Nach der Kontaktaufnahme brachte ein vermeintlicher Investmentbanker die Frau dazu, insgesamt zehn Überweisungen auf Konten in unterschiedlichen Ländern zu tätigen. Dabei kamen auch Krypto-Wallets zum Einsatz. Auch hier kam es zu einer einmaligen Bonuszahlung, sogar in der Höhe von 1000 Euro – angesichts dessen, was die Frau im Endeffekt verloren hat, aber ein schwacher Trost: Nachdem der Kontakt zum „Finanzexperten“ plötzlich abgebrochen war, waren 173.000 Euro futsch. 

Warnung der Exekutive
Die Polizei mahnt bei vermeintlichen Geldanlagen und Online-Bekanntschaften zu großer Vorsicht. Man solle sich nicht unter Druck setzen lassen und gegenüber emotionalen, persönlichen Geschichten kritisch sein. Auch bei hohen Gewinnversprechen bei Investments sollten die Alarmglocken schrillen. Auch kleinere Auszahlungen seien kein Beweis für die Seriosität einer Geldanlage. Bei Zweifeln sollten Betroffene am besten immer mit Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen sprechen.

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