Die von den Experten erstellte Risikoanalyse zur Rationalisierung von elf der 32 Notarztstützpunkte in Niederösterreich stößt den Experten des Gesundheitsplans sauer auf. Und auf massive Kritik und der Herausarbeitung von Schwächen des Gesundheitsplans folgt massive Kritik und das Aufzeigen von Versäumnissen an der Risikoanalyse. . .
Leser der „Krone“ wussten es bereits: Eine neue Risikoanalyse bescheinigt dem NÖ Gesundheitsplan 2040+ bei der Streichung von elf der 32 Notarztstützpunkte ein äußerst schlechtes Zeugnis. Wesentliche Kritik: Dann werde ein Notarzt oft viel zu lange brauchen, bis er beim Patienten eintrifft. Und den – wenn auch besser ausgebildeten – neuen Notfallsanitätern bürde man viel zu viel auf.
„Kein noch so guter Sanitäter kann einen Notarzt ersetzen. Das Argument: Wir haben keine Notärzte, deshalb sperren wir zu, kann doch wohl nicht wirklich ernst gemeint sein!“, brachte es Kardiologe und Intensivmediziner Dr. Martin Gattermeier bei der Präsentation der Analyse in Waidhofen an der Ybbs auf den Punkt. Man habe keine vernünftigen neuen Strategien gefunden, um das bisher gut bewährte System zu ersetzen.
Es wird immer Fälle geben, wo nur ein Notarzt helfen kann. Da hapert’s dann ordentlich! Die Zahl der Einsätze pro Arzt wird sich dann auch verdoppeln.

Dr. Klaus Katzensteiner, 30 Jahre lang Notarzt, 40 Jahre Rotes Kreuz
Bild: Franz Crepaz
Dr. Alfred Lichtenschopf, ehemalige medizinische Leiter des Rehazentrums Weyer, hofft noch immer, dass die Schließungspläne ein misslungener „Aprilscherz“ des Landes sind und dass diese nicht im April 2027 umgesetzt werden. „Der Einsatz besser ausgebildeter Notfallsanitäter ist gut. Sie sollen aber eine Verantwortung tragen, die nicht zulässig ist“, kritisiert er. Auch Dr. Klaus Katzensteiner, einstiger ärztlicher Leiter des Unfallkrankenhauses Linz, ist Mitautor der Risikoanalyse. Es gäbe viele Fälle, wo nur ein Notarzt und kein Sanitäter helfen könne, meint er.
Notruf-NÖ-Chef zerpflückt Risikoanalyse
Notarzt Christian Fohringer, der am Gesundheitsplan maßgeblich mitgearbeitet hat, lässt kein gutes Haar an der Analyse: „Die Existenz eines möglichen Schadensereignisses ist noch keine Risikoanalyse!“ Die relevante Frage, die das 16-seitige Papier nicht beantworte, laute: „Bei wie vielen Patienten ist tatsächlich eine ausschließlich ärztlich mögliche Intervention bereits am Einsatzort erforderlich, wie zeitkritisch ist diese und wie wird diese Patientengruppe im neuen Versorgungssystem zuverlässig erreicht?“
Das ist keine fundierte Risikoanalyse. Der Gesundheitsplan schafft die Notarzt-Versorgung ja nicht ab. Wo ein Notarzt nötig ist, wird er weiterhin eingesetzt.

Dr. Christian Fohringer, Notarzt und Chef von Notruf Niederösterreich.
Bild: Imre Antal
Die Analyse nenne zahlreiche theoretisch denkbare Ereignisse, eine Risikobewertung müsse aber zumindest auch Eintrittswahrscheinlichkeit, Schadensausmaß oder Wirksamkeit der vorgesehenen Gegenmaßnahmen berücksichtigen, so der Notruf-NÖ-Chef. Beim Notarztstützpunkt Waidhofen/Ybbs hätten 2024 von 747 Alarmierungen 46 % mit Storno/Einsatzende geendet. Und davon habe es nur zehn Intubationen (1,3 %) gegeben.
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