Im Zuschauerraum sitzen Freunde und Familie des Angeklagten – aber nicht als Unterstützung. Denn genau sie wurden Opfer des falschen Investmentverwalters, der fast 1,9 Millionen Euro statt zu investieren, bei Sportwetten verspielt hat. Dafür setzt es eine empfindliche Strafe.
Der Saal 303 im Wiener Landesgericht ist brechend voll, bis auf den letzten Platz gefüllt. Wie so oft handelt es sich dabei nicht um schaulustige Beobachter – sondern um zig Opfer des 28-Jährigen. „Sie haben teilweise ihre Existenzen verloren“, sagt einer der Privatbeteiligtenvertreter. Auf der Anklagebank sitzt der junge Mann mit starrer Miene und gesenktem Blick.
Über 50 Geschädigte
Seinem Umfeld spielte er nämlich knapp drei Jahre vor, erfolgreicher Vermögensverwalter zu sein. Über 50 Leute übergaben ihm unfassbare knapp 1,9 Millionen Euro. Im guten Glauben es werde bei dem Akademiker nur mehr. „Er hat das Geld aber nicht angelegt, sondern verspielt“, klagt die Staatsanwältin an. Denn so leicht lässt sich der Sachverhalt erklären. Für die Betroffenen natürlich eine Katastrophe ...
Ich hab‘ mir gedacht, die beste Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen, sind Sportwetten.
Der Anfang der Spielsucht des Angeklagten (28)
„Am Anfang war die Absicht schon, das Geld normal anzulegen“, beteuert der Wiener. „Was haben Sie denn da für eine Expertise?“, will der Richter von ihm wissen. „Interesse und Leidenschaft.“ Dafür erntet er einen Konter von Herrn Rat: „Ich interessiere mich auch für den Fußballverein Manchester United und die wollen nicht, dass ich für sie spiele.“ Also murmelte der Angeklagte: „Es war Selbstüberschätzung.“
Freunde und Familie wurden Opfer
Zuerst habe er fast 100.000 Euro von der Mutter seiner damaligen Freundin zum Investieren bekommen und verpokerte sich ordentlich – die Hälfte war schnell weg. „Ich hab‘ mir gedacht, die beste Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen, sind Sportwetten.“ Daraus wurde aber eine verheerende Spielsucht. „Mir tut besonders der Vertrauensmissbrauch meines Umfelds leid“, der 28-Jährige stoppt und sagt mit erstickter Stimme: „Das sind alles Freunde und Familie gewesen. Das kann ich nicht mehr gut machen.“
Klage gegen Sportwettenkonzern
Und diese Freunde und Familie sind jene, die die Reihen im Verhandlungssaal füllen, nach einander dem Richter sagen, wie viel Geld sie an ihren ehemaligen Vertrauten verloren haben. Es sind Summen zwischen 6.000 und 135.000 Euro, die ihm insgesamt 52 Opfer anvertraut haben. Am 25. Februar erstattete der falsche Vermögensverwalter letztlich Selbstanzeige, nachdem ihm das Wasser schon bis zum Hals gestanden war.
Sein Verteidiger gibt den Geschädigten zumindest einen kleinen Lichtblick: „Der Sportwettenkonzern ist bereit, etwas zu zahlen.“ Man strebe einen Zivilprozess an, in dem man einen Teil der verlorenen Summe zumindest zurückholen wollen. Wie erfolgsträchtig das sein wird, bleibt abzuwarten. Der 28-Jährige sagt zumindest zu Prozessende: „Ich werde mein Bestes geben, um den Schaden wieder gutzumachen.“ Was bei 1,9 Millionen Euro eine Zeit dauern kann ...
Besonders, weil ihn der Schöffensenat zu einer Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Der vorsitzende Richter findet klare Worte: „Wir haben über 50 Opfer. Über 50 Angriffe. Über 50 Mal, dass Sie das gemacht haben.“ Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwältin nehmen das Urteil an – es ist rechtskräftig.
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