Gleich zwei Überfälle

„Wollte mein Geld aus dem Wettbüro zurückholen“

Gericht
23.06.2026 14:55

Ein spielsüchtiger Familienvater überfiel sein Stammlokal in Wien gleich zweimal mit einem riesigen Fleischermesser. Dabei fesselte er zwei Mitarbeiter brutal. Der 40-Jährige beteuert vor Gericht: „Wenn ich nicht in diese blöde Glücksspielabhängigkeit gerutscht wäre, hätte ich das nie gemacht.“ Ein Opfer könnte sogar Dauerfolgen haben ...

Der 40-Jährige verdient sein Geld als Gartengestalter, wohnt mit Frau und Tochter in einer kleinen, aber feinen Wohnung im 16. Bezirk. Mit dem Gesetz kam er noch nie in Konflikt. Ein gutbürgerliches Leben also. Bis auf seinen Laster: Der Wiener ist schwer spielsüchtig.

„Meine Frau wusste nichts davon“
„Die letzten zehn Monate waren ein Horror. Ich hab’ so viel Geld verloren“, erklärt er im Wiener Landesgericht. „Eigentlich hatten wir ein harmonisches Leben. Dann haben sich die Rechnungen gesammelt. Meine Frau wusste nicht, dass ich so viel Geld verloren habe.“ Weder Strom noch Miete konnte der Familienvater mehr bezahlen.

17.000 Euro Wettschulden
Denn sobald das Gehalt des Gartengestalters auf seinem Konto war, verspielte er es in Wettbüros wieder. So häufte er 17.000 Euro Wettschulden an. Die ihn schließlich zu brutalen Überfällen brachten.

„Ich wollte das Geld aus dem Wettlokal zurückholen“, meint der 40-Jährige. Maskiert und mit einem riesigen Messer stürmte er am 1. März die Admiral-Filiale in der Ottakringerstraße. Auf den Überwachungsaufnahmen ist zu sehen, wie er die Reinigungskraft, die alleine im Wettlokal war, brutal zu Boden warf, ihr die Klinge an den Hals hielt.

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Sie verschnüren das Opfer da wie ein Paket. Das ist schon eine gewisse Brutalität.

Richter im Wiener Landl

Als er den Schlüssel für den Tresor fand, fesselte er die verängstigte Frau mit Klebeband. „Sie verschnüren das Opfer da wie ein Paket. Das ist schon eine gewisse Brutalität“, hält der Richter fest. Mit 12.600 Euro flüchtete der Räuber. Und verspielte das Geld in den folgenden zwei Monaten wieder.

Raubbeute sofort wieder verspielt
Am 1. Mai stürmte er genau dieselbe Filiale noch einmal – mit demselben Messer, wieder fesselte er einen Mitarbeiter, wieder erbeutete er 12.600 Euro. Dieses Mal klickten kurz danach die Handschellen. „Ich bin wirklich nicht so ein Mensch. Wenn ich nicht in diese blöde Glücksspielabhängigkeit gerutscht wäre, hätte ich das nie gemacht“, so der 40-Jährige.

Weil das zweite Opfer möglicherweise an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden könnte, muss ein Gutachten eingeholt werden. Das würde nämlich den Strafrahmen von einem bis zu 15 Jahren Haft auf zehn bis zwanzig Jahre hinter Gittern erhöhen. Der Raubprozess wird deswegen vertagt.

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