Mit Kevin Spacey

“Call of Duty: Advanced Warfare” im Test

Spiele
07.11.2014 09:15
Mit "Call of Duty: Advanced Warfare" läutet Activision den Spieleherbst ein – und zwar ganz serientypisch mit reichlich Explosionen, ausgedehnten Schießereien und spektakulärer Inszenierung. Gewürzt wird der altbekannte "Call of Duty"-Cocktail heuer mit besonders fortschrittlichem Kriegsgerät wie Exoskeletten, Zielsuch-Granaten und Jetpacks. Wie sich der bislang futuristischste Ableger der Erfolgsserie spielt, klärt unser Test.

"Call of Duty" kommt weiter im Jahrestakt. Nach dem Vorjahresableger "Ghosts" dürfen Fans heuer in "Advanced Warfare" rechtzeitig zur kalten Jahreszeit die Schießprügel auspacken. Neben klassischer "Call of Duty"-Action bietet der neueste Serienableger auch eine Neuheit: Für die Solo-Kampagne wurde eigens Hollywoodstar Kevin Spacey angeheuert, einen skrupellosen Waffenhändler zu spielen.

Neuer Korea-Krieg im Jahr 2054
Aber der Reihe nach: In "Call of Duty: Advanced Warfare" schlüpft der Spieler in die Rolle des Soldaten Jack Mitchell, der gleich zu Beginn der Einzelspielerkampagne per Landekapsel mitten in einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel poltert. Im Seoul des Jahres 2054 liefern sich nordkoreanische Verbände Gefechte mit dem Süden und seinen Verbündeten – und die Stalinisten sind alles andere als rückständig ausgerüstet.

Riesige Roboter stelzen durch die Straßen der ostasiatischen Metropole, am Himmel ziehen tödliche Drohnenschwärme ihre Bahnen, und mittendrin versucht Mitchell mit seinem Einsatzteam, einen nordkoreanischen Senkrechtstarter zu sprengen. Die Aktion glückt, fordert allerdings ihren Tribut: Mitchells Marine-Kollege und bester Freund stirbt, der Protagonist selbst verliert einen Arm. Das Game scheint vorbei, ehe es begonnen hat, wäre da nicht der Vater des verstorbenen Marines: Jonathan Irons.

Coole Waffenhändler-Story mit Kevin Spacey
Und hier wird es interessant: Der von Kevin Spacey via Motion-Capturing grandios eingespielte Waffenhändler Irons schließt Mitchell nach dem Tod seines Sohnes schnell ins Herz und bietet ihm einen Posten bei der Atlas Corporation an. Die baut nicht nur die fortschrittlichsten Waffen der Welt, sondern unterhält nebenbei auch gleich eine schlagkräftige Privatarmee, der sich Mitchell anschließt.

Während er bei den Marines mit nur einem Arm keine Daseinsberechtigung hat, versorgt ihn Irons' Unternehmen kurzerhand mit einer Hightech-Prothese und macht ihn zu einem hochmodernen Söldner. Dass Mitchell in dieser Funktion einer dunklen Verschwörung auf die Spur kommt, und sich im Verlauf der teils etwas wirren, aber – auch dank Spacey – stets stilsicher erzählten Handlung einmal quer um den Erdball ballert, bevor es zum großen Showdown kommt, versteht sich von selbst.

Klassisches Gameplay im futuristischen Gewand
Auch wenn das recht futuristisch klingt, haben die Entwickler von Sledgehammer Games das klassische "Call of Duty"-Rezept grundsolide in das neue Setting übertragen. Für unseren Geschmack fühlten wir uns in "Advanced Warfare" vielleicht sogar ein bisschen zu heimisch: Immer noch jagt einen das Spiel – untermalt mit reichlich Bombast – durch meist schlauchförmige Levels, die Gegner sind serientypisch nicht schlau, aber dafür umso zahlreicher. Hin und wieder wird ein Geschützt bedient oder ein Fahrzeug genutzt, aber auch das kennt man schon aus früheren Serienteilen.

Die Folge: Das Gameplay unterscheidet sich kaum von bisherigen Serienteilen. Der Spieler kämpft sich von Deckung zu Deckung und ballert Gegner um Gegner nieder, um wieder ein paar Meter vorpreschen zu können. Die vorhandenen Waffen sehen zukunftsweisend aus, so richtiges Sci-Fi-Feeling lassen sie aber nur selten aufkommen. Der Grund: Meist handelt es sich um ganz "normale" Schusswaffen, innovativere Dinge wie ein Lenkgranaten-Werfer oder ein Schockwellengewehr findet man nur gelegentlich.

Hightech-Gadgets erleichtern Soldatenleben
Dafür gibt's jede Menge anderer Hightech-Gadgets, die der Spieler nutzen darf. Im Spiel ist er mit einem Exoskelett ausgestattet. Das verleiht Soldaten wie Mitchell nicht nur übermenschliche Stärke, sondern bietet auch weitere praktische Extras: Sie lassen den Spieler per Jetpack höher springen oder ein Stück schweben, machen ihn vorübergehend unsichtbar oder verschießen Enterhaken.

Weitere Hightech-Ausrüstung, die der Spieler in der Kampagne nutzen darf, umfasst beispielsweise bewaffnete Mini-Drohnen und eine Vielzahl von Granaten, die Gegner markieren, Drohnen vom Himmel holen, Gegner ablenken, oder vollautomatisch auf diese zufliegen und direkt vor deren Nase explodieren. Ebenfalls cool: Schalldämpfer-Generatoren, die im Umkreis einiger Meter jegliches Geräusch unterdrücken, und ein Röntgen-Gadget zum Scan gefährlicher Räume.

So cool die ganze Ausrüstung klingt, sie lässt sich leider nicht immer so nutzen, wie es sich der Spieler womöglich wünschen würde. Viele Gadgets können nur an vordefinierten Stellen verwendet werden, was die spielerische Freiheit ein wenig einschränkt. Daran ändert auch das einfache Skill-System in "Advanced Warfare" nichts, mit dem der Spieler mit der Zeit beispielsweise seine Panzerung verstärken, seine Trefferpunkte verbessern, den ausgeteilten Schaden oder die Zahl der mitgeführten Granaten erhöhen kann.

Hübsche Optik, bombastische Inszenierung
Dass "Advanced Warfare" den Spieler trotzt altbekanntem Gameplay und Unmengen von Gegnern, die nicht mehr als Kanonenfutter sind, auf Dauer bei der Stange hält, verdankt es nicht nur der mit vielen gut gemachten Zwischensequenzen erzählten Handlung rund um Waffenhändler Jonathan Irons, sondern auch der sehr hübschen Optik und der spektakulären Inszenierung.

In der getesteten PS4-Version erfreut das Game das Auge mit detaillierten und liebevoll designten Levels, hübschen Licht- und Explosionseffekten und scharfen Texturen. Die Charaktermodelle sind ebenfalls gut getroffen, wenngleich die Gesichter in den Zwischensequenzen noch eine ganze Spur lebensechter aussehen als im eigentlichen Spiel.

Auch die Ausrüstung – etwa die futuristischen Waffen – sind allesamt gut gemacht und optisch sehr ansehnlich umgesetzt. Es mag noch schönere Shooter geben, die beispielsweise bessere Gesichtsanimationen oder noch spektakulärere Explosionen bieten, insgesamt weiß die Inszenierung von "Advanced Warfare" aber zu überzeugen.

Gelungene Soundkulisse, gute Dialoge
Selbiges gilt für den Sound. Dass Explosions- und Schießgeräusche gut getroffen sind, erwartet man sich von einem "Call of Duty" ja ohnehin, aber in "Advanced Warfare" überraschen darüber hinaus auch die Dialoge positiv.

Zweifellos trägt hier die ausgezeichnete Leistung von Schauspieler Spacey bei, der im Game auch gleich von der originalen deutschen Synchronstimme vertont wird. Aber auch die unaufdringlich-stimmige musikalische Untermalung ist der Atmosphäre in "Call of Duty: Advanced Warfare" zuträglich.

Frischer Multiplayer-Spaß dank Exoskelett
Noch ein Wort zum Mehrspielermodus: Der bietet 13 Karten und altbekannte Modi wie (Team-)Deathmatch, Capture the Flag oder Domination. Ein paar unkonventionellere Modi – etwa Hardpoint, Kill Confirmed und Uplink – sind ebenfalls an Bord, wobei insbesondere letzterer unterhaltsam ist. Dabei handelt es sich um eine Art Fußball-Schießerei, bei der ein Ball ins Tor bugsiert werden muss. Fies: Wer den Ball trägt, kann nicht schießen, sondern den Ball nur weiterspielen. Er selbst wird freilich aus allen Rohren beschossen.

Im Multiplayer-Modus machen sich die neuen Gadgets – das Exo-Skelett und die Spezialgranaten – positiv bemerkbar. Durch Doppelsprünge und schnelle Ausweichmanöver gewinnen die Partien in "Advanced Warfare" an Tempo, die sich dynamisch verändernden Levels tun ihr Übriges, um den Spieler bei der Stange zu halten. Insgesamt bietet der Mehrspielermodus nach Abschluss der Einzelspielerkampagne noch mal Spielspaß für etliche Stunden.

Fazit: "Call of Duty: Advanced Warfare" erfindet das Shooter-Rad nicht neu, bringt aber etwas frischen Wind ins "Call of Duty"-Universum. Die Handlung ist – insbesondere dank der Performance von Kevin Spacey – gut erzählt, glänzt aber nicht mit wirklich unerwarteten Wendungen. Spielerisch wurden alte Tugenden – die spektakuläre Inszenierung, die unkomplizierte Schießbuden-Mechanik – beibehalten, mitächen wie die nicht sonderlich gewiefte Gegner-KI und die schon fast etwas übertriebenen Gegnermassen beibehalten wurden. Alles in allem ist das neue "Call of Duty" aber ein gut gemachter und bombastisch inszenierter Shooter, der spielerisch keine Risiken eingeht, aber auch keine wirklichen Fehler macht.

Plattform: PC, PS3, PS4 (getestet), Xbox 360, Xbox One
Publisher: Activision
krone.at-Wertung: 8/10

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
07.11.2014 09:15
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung