Marokko hat Spanien in Ceuta offenbar eine Lektion erteilen wollen. Im Zentrum der mutmaßlichen Racheaktion steht ein Whistleblower, der beim europäischen Nachbarn abtauchen durfte – nachdem er umstrittene Machenschaften des marokkanischen Königshauses offenlegte ...
Das Marokko den Ansturm auf Ceuta unterstütze, ist nicht neu. Die Videos von Grenzposten, die Tore offengehalten haben, gingen um die Welt. Die Beweggründe des Landes sind jedoch nicht abschließend geklärt.
Das spanische Medium „El Confidencial“, Mitglied eines internationalen Rechercheverbundes, will nun herausgefunden haben, was zu der humanitären Katastrophe mit zahlreichen Toten geführt hat.
Marokkos Vergeltung für „Safir“
Im Mittelpunkt soll ein einziger Mann stehen: der Whistleblower mit dem Decknamen „Safir“. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich ein ehemaliger Mitarbeiter des marokkanischen Inlandsgeheimdienstes DGST, der in Spanien Zuflucht gefunden haben soll. Marokko geht historisch mit großer Härte gegen Dissidenten und Whistleblower vor
„Safir“ erhielt jedoch Zugang zu internationalen Medien und enthüllte schockierende Details zu Rabats Überwachungsapparat. Der Ex-Agent lieferte interne Dokumente und Beweise dafür, wie Marokko die israelische Spionagesoftware Pegasus exzessiv nutzte.
Pegasus ist besonders perfide
Rabat beschattete damit systematisch Kritiker, Journalisten, aber auch ausländische Spitzenpolitiker – darunter den spanischen Premier Pedro Sánchez. Die Spionagesoftware gilt als eine der mächtigsten Überwachungswaffen der Welt.
Pegasus kann Experten zufolge Mobiltelefone unbemerkt infiltrieren. Es funktioniert nach dem Zero-Klick-Prinzip. Soll heißen: Für den Zugriff braucht die Software nicht einmal eine Aktion des Opfers. Selbst verschlüsselte Inhalte werden vollständig ausgelesen, sobald ein Gerät infiziert ist.
Nur zwei Wochen nach den brisanten Enthüllungen überschwemmten Zehntausende Migranten die nordafrikanische Exklave Spaniens, wo sonst eigentlich niemand durchkommt. Falschinformationen im Netz missinterpretierte Gerichturteile, Schleppernetzwerke und russische Fake Accounts verstärkten den Ansturm zusätzlich. Die Katastrophe war perfekt.
Rabat wurde von Ausmaß überrascht
Laut dem Bericht von „El Confidencial“ sollte die Vergeltungsaktion der marokkanischen Geheimdienste in einem begrenzten Rahmen erfolgen. Doch die Situation geriet schnell außer Kontrolle. Dem Vernehmen nach war selbst König Mohammed VI. erzürnt. Was folgte, waren rasche Schritte Rabats, die Krise wieder einzudämmen und zu beenden.
Seither präsentiert sich Marokko demonstrativ als verlässlicher Partner Spaniens. Denn Ceuta hat mittlerweile ein Eigenleben angenommen. In sozialen Medien wird bereits ein neuer Ansturm herbeigeredet. Am Samstag soll es so weit sein. Vor Ort sind sowohl spanische wie marokkanische Streitkräfte in Alarmbereitschaft.
In großen Gruppen auf Plattformen wie Facebook, TikTok und Instagram sind Slogans wie „Brüder, 15.08.2026“ und „Unsere letzte Chance“ zu lesen. Wieder wird der Glaube erweckt, der Weg nach Europa sei über Ceuta offen. Die Aufrufe sind sowohl in Arabisch als auch in Französisch verfasst, um ein breiteres Publikum anzusprechen.
Das marokkanische Innenministerium bezeichnete die Aufrufe als gefährlich und forderte die Bevölkerung dazu auf, „verdächtigen und irreführenden Aufrufen“ nicht zu folgen. Dieses Mal ist wohl davon auszugehen, dass neuer Ansturm gewaltsam zurückgeschlagen wird – und zwar von Anfang an.
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