Wer eine Lehre anfängt, muss auch irgendwo wohnen. Tirols WK-Fachkräftekoordinator und „Krone“-Kolumnist David Narr spricht über ein neues Projekt und geförderte Mietwohnungen.
Innsbruck ist eine Studentenstadt. Tausende junge Menschen kommen hierher, um zu studieren. Aber Ausbildung in Innsbruck bedeutet nicht nur Universität oder Fachhochschule. Ausbildung bedeutet auch Fachberufslehre. Genau deshalb ist das neue Wohnprojekt in der Reichenau mehr als ein Beitrag zum leistbaren Wohnen. Es ist auch ein starkes Zeichen für die Lehre. Ab Jänner 2027 entstehen dort 42 geförderte Mietwohnungen mit insgesamt 96 WG-Zimmern. Der Mietpreis soll im Schnitt bei rund 360 Euro pro Zimmer liegen. Das ist für Innsbruck ein absolut faires Angebot.
Wichtig ist aber vor allem: Dieses Projekt richtet sich nicht nur an Studierende, sondern auch an Lehrlinge – 14 Wohnungen sind für sie reserviert. Damit wird konkret mitgedacht, dass auch junge Menschen in der dualen Ausbildung leistbaren Wohnraum brauchen.
Wenn Wohnen zu teuer wird, kann es zur Hürde werden.
David Narr
Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Wenn über junges Wohnen gesprochen wird, denken viele automatisch an Studierende. Doch auch Lehrlinge stehen am Beginn ihres Berufsweges und brauchen einen Platz zum Leben. Wenn Wohnen zu teuer wird, kann es zur Hürde werden. Dann entscheiden nicht mehr Eignung, Neigung und Fähigkeiten über den Ausbildungsweg, sondern auch die Frage, ob man sich den Wohnort leisten kann. Wer will, dass junge Menschen eine Fachberufslehre beginnen, muss solche Rahmenbedingungen mitdenken.
Immer mehr junge Erwachsene entscheiden sich nach der Matura, einem Studienabbruch oder ersten Berufsjahren bewusst für eine Fachberufslehre. Viele wollen ihren eigenen Weg finden und eine Ausbildung wählen, die besser zu ihren individuellen Interessen passt. Gerade diese Gruppe ist oft mobil und braucht leistbaren Wohnraum, wenn der passende Ausbildungsbetrieb in Innsbruck liegt.
Für viele Jugendliche ist die Fachberufslehre genau die richtige Entscheidung. Sie lernen durch Tun oder übernehmen Verantwortung.
David Narr
Das Projekt sendet daher ein starkes Signal: Studierende und Lehrlinge wohnen Tür an Tür. Das ist ein schönes Bild – und mehr als Symbolik. Es zeigt, dass unterschiedliche Bildungswege nebeneinander Platz haben. Universität und Fachhochschule sind wichtig. Die Fachberufslehre ist es ebenso. Sie ist kein Bildungsweg zweiter Klasse, sondern ein moderner, praxisnaher Weg mit großen Chancen. Für viele Jugendliche ist die Fachberufslehre genau die richtige Entscheidung. Sie lernen durch Tun, übernehmen Verantwortung, verdienen eigenes Geld und werden Schritt für Schritt zu gefragten Fachkräften. Unsere Betriebe brauchen sie dringend. Wer im Wettbewerb um Talente bestehen will, muss daher auch über Wohnen, Mobilität und Lebensqualität reden.
Die gute Nachricht zum Schluss: Mit diesem Wohnprojekt ist ein wichtiger Anfang gemacht. Lehrlinge werden beim jungen Wohnen endlich mitgedacht. Jetzt braucht es denselben Mut auch in anderen Bereichen: bei weiteren Wohnprojekten, Schulen, Förderungen und öffentlicher Finanzierung. Es reicht nicht, die Fachberufslehre nur in Sonntagsreden zu loben. Sie muss auch in der Praxis auf Augenhöhe behandelt werden.
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