Wie gefährlich Hitze werden kann, hängt nicht nur von der Temperatur ab. Eine Rolle spielen etwa die Gesundheit, das Einkommen, die Wohnsituation, der Beruf und soziale Kontakte. „Es ist nicht immer nur dieser eine Faktor, der zählt, sondern eine Überlappung von Faktoren“, sagte Gabriel Bachner vom Wegener Center der Universität Graz.
Er leitete das Forschungsprojekt „DISCC-AT“, das die Verteilung von Klimarisiken in Österreich untersuchte. Dazu wurden Interviews mit Sozial- und Pflegeorganisationen mit Daten zu Einkommen, Alter, Beruf und Klima kombiniert. Das Ergebnis sind verschiedene Hitzerisikoprofile: armutsbetroffene Menschen in schlecht ausgestatteten Mietwohnungen, Alleinerziehende mit wenig Geld und Zeit, Menschen mit körperlich belastenden Berufen im Freien, chronisch Kranke sowie ältere Menschen mit wenig Geld. Die Profile sollen greifbar machen, warum zwei Menschen am selben Ort sehr unterschiedlich von Hitze betroffen sein können.
Wer etwa wenig verdient, kann sich möglicherweise keine Klimaanlage leisten und auch nicht regelmäßig Eintritt für ein Schwimmbad bezahlen. Ohne ausreichende Anpassung könnte Hitze immer größere Teile der Bevölkerung treffen, warnte Bachner. In besonders ungünstigen Klima- und Bevölkerungsszenarien könnten künftig bis zu zwei Drittel der Menschen in Österreich in eines der untersuchten Hochrisikoprofile fallen.
Hitzekümmerer und Kühlräume
Welche Maßnahmen besonders dringend sind, sollte vor allem auf lokaler Ebene entschieden werden. Bund und Länder müssten dafür geeignete rechtliche und finanzielle Bedingungen schaffen, sagte der Forscher. Dazu gehörten klimataugliche Baunormen, einfachere Genehmigungsverfahren für Beschattung oder Kühlung sowie ausreichend Geld für Gemeinden und Sozialeinrichtungen. Gezielte soziale Lösungen seien außerdem frei zugängliche Kühlräume in öffentlichen Gebäuden und sogenannte Hitzekümmerer. Angehörige oder gefährdete Personen könnten sich freiwillig registrieren und würden während einer Hitzewelle regelmäßig kontaktiert oder besucht.
Es hilft kein kühler Waschlappen im Nacken mehr, wenn eine Hitzewelle drei Wochen dauert.
Gesundheitspsychologin Katja Čeplak
„Es hilft kein kühler Waschlappen im Nacken mehr, wenn eine Hitzewelle drei Wochen dauert“, sagte Projektmitarbeiterin und Gesundheitspsychologin Katja Čeplak. In den untersuchten Pflegeeinrichtungen wurden wiederholt 28 bis 30 Grad Celsius gemessen. Gleichzeitig entstünden zusätzliche Aufgaben wie das Anbieten von Getränken, das häufigere Wechseln von Kleidung und Abkühlen von Räumen. Selbst einfache Maßnahmen wie außen liegende Jalousien und Klimaanlagen würden derzeit oft am Budget scheitern. Laut Bachner zeigen wirtschaftliche Analysen jedoch, dass jeder Euro, der in die Klimawandelanpassung investiert wird, mehr als einen Euro an späteren Schäden vermeiden kann.
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