Nachdem ein steirischer Polizist einer Frau einen Strafzettel fürs Zuschnellfahren ausgestellt hatte, schrieb er ihr anzügliche WhatsApp- Nachrichten und ließ sogar das Organmandat verschwinden. Vor Gericht will der Suspendierte zuerst nicht wahrhaben, einen Amtsmissbrauch begangen zu haben ...
Polizisten sind direkte Vertreter des Staats. Ihre Aufgabe ist es, Gesetze durchzusetzen, die öffentliche Sicherheit zu schützen und die demokratische Ordnung zu wahren. Ein steirischer Beamter hat diese Grundsätze am 1. April dieses Jahres völlig über Bord geworfen: Damals hielt er zunächst noch ordnungsgemäß eine Frau an, die in der 30er-Zone in Graz zu schnell gefahren war und verhängte 20 Euro Verwaltungsstrafe. Die Belegdurchschrift legte er wie vorgesehen in einer Mappe der Polizei-Dienststelle zur weiteren Bearbeitung ab. Soweit so gut und richtig – noch!
Denn was dann geschah, erklärt sein Verteidiger vor dem Schöffensenat mit Vorsitz durch Richterin Michaela Lapanjé so: „Er hatte einen furchtbar schlechten Tag. Ich weiß nicht, was ihn da gestochen hat. Das steht in komplettem Widerspruch mit seinem sonstigen Verhalten, nicht umsonst wurde er schon mehrfach belobigt.“ Auch der Angeklagte gibt zu: „Ja, ich habe einen extremen Fehler gemacht. Aber ich habe nie angenommen, dass das ein Amtsmissbrauch ist“, versucht er seine Tat zu kalmieren.
Sie haben der Frau sexuelle Dinge geschrieben, ihr sogar ein ,Dick-Pic‘ geschickt. Wieso haben Sie sich die Bestätigung nicht bei Ihrer Freundin geholt?

Richterin Michaela Lapanjé
Bild: Jürgen Fuchs
Am Abend desselben Tages suchte er nämlich im Internet die Handynummer der Frau heraus und schrieb sie per WhatsApp an. „Ich bin damals mit meinem Freund beim Abendessen gesessen. Wir fanden das unglaublich skurril, dass mich der Beamte angeschrieben hat und haben uns vorerst einen Spaß gemacht und zurückgeschrieben“, sagt die Zeugin aus. Das Paar wollte wissen, wie weit er gehen würde und fragte, ob er den Strafzettel löschen kann. Aus diesem vermeintlichen Spaß wurde schließlich schnell Ernst: „Sie haben der Frau sexuelle Dinge geschrieben, ihr sogar ein ,Dick-Pic‘ geschickt!“, erinnert ihn Frau Rat. „Ja, das war dumm, sie hat dann auch nicht mehr reagiert“, erinnert er sich zurück. Erwartet habe er sich von der Situation Ablenkung und Bestätigung. „Wieso haben Sie sich das nicht von Ihrer Freundin geholt?“, fragt die Richterin. – „Die war gerade mit anderen Dingen beschäftigt.“
„Früher wurde ständig urgiert“
Die Lenkerin hatte es mittlerweile mit der Angst zu tun bekommen. „Immerhin hatte er alle meine Daten. Am nächsten Morgen habe ich Anzeige erstattet. Bei der Polizei hat man gesagt, ich soll ihn blockieren, was ich auch getan habe.“ Trotz allem wechselte der Exekutivbeamte einfach den Kanal und schrieb ihr erneut zahlreiche Nachrichten – und ließ obendrein den Strafzettel verschwinden! „Früher wurde ständig urgiert. Da hat man auch noch abgewogen, ob man nicht doch nur abmahnt“, will er sich rausreden. Doch: „Und auch damals war das schon ein lupenreiner Amtsmissbrauch, das wissen Sie als Polizist ganz genau!“, weist ihn die Richterin zurecht.
Alle Ausreden nutzen nichts, er wird zu sechs Monaten bedingter Haft und 4800 Euro Geldstrafe verurteilt – nicht rechtskräftig! Den Strafzettel hat die Angestellte natürlich bezahlt.
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