Kreta-Urlaub geplatzt

Tiroler auf der Flucht: „Flammen holten uns ein!“

Tirol
01.08.2026 19:00

Was als Traumurlaub unter der griechischen Sonne begann, wurde für eine Tiroler Familie zum Albtraum. Erst fiel das Wasser aus, dann der Strom – und plötzlich heulten die Handys auf. Die Kochs flüchteten vor den Flammen, doch die Feuerwalze holte sie auch in der neuen Unterkunft ein.

Als Dietmar Koch gemeinsam mit seiner Ehefrau Patricia und zwei seiner drei Söhne – 13 und 16 Jahre alt – vor gut einer Woche auf Kreta landete, schien alles perfekt zu sein. Die Familie bezog ihre Unterkunft in Triopetra, einem kleinen Ort an der Südküste der Insel. Doch die Idylle hielt nicht lange an.

Bereits am Montag fiel aufgrund der großen Hitze plötzlich die Wasserversorgung aus. „Wir mussten uns mit dem Wasser behelfen, das auf dem Dach gesammelt worden war“, erzählt Koch im Gespräch mit der „Krone“. Am nächsten Tag funktionierte die Versorgung zwar wieder, dafür gab es plötzlich keinen Strom mehr.

Alarm schlug plötzlich an
Am Mittwoch erschien schließlich die erste Warnmeldung des griechischen Zivilschutzes auf den Handys der Familie. Zunächst war nur eine etwa fünf Kilometer entfernte Region betroffen. Die Rauchschwaden waren aber bereits deutlich zu erkennen. „Wir haben vorsichtshalber schon einmal die Koffer gepackt“, berichtet Koch. Eine kluge Entscheidung, denn nur drei Stunden später heulten die Handys erneut auf – diesmal galt die Warnung ihrer eigenen Region. „Da war uns klar: Wir müssen sofort weg!“

Die Flammen fraßen sich durch die Vegetation im Süden Kretas. Mehr als 150 Feuerwehrleute ...
Die Flammen fraßen sich durch die Vegetation im Süden Kretas. Mehr als 150 Feuerwehrleute kämpften gegen den Großbrand, zwei Einsatzkräfte verloren dabei ihr Leben.(Bild: EPA/NIKOS CHALKIADAKIS)

Die Familie verließ Triopetra, fuhr 20 Minuten weiter und fand in der Taverne Agia Fotia Zuflucht – zusammen mit anderen verzweifelten Urlaubern. Dort kümmerte sich die Familie Berakis kostenlos um die Tiroler und stellte ihnen Essen und Zimmer zur Verfügung. „Sie waren unglaublich hilfsbereit. Wir werden das nie vergessen“, sagt Koch.

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Von der Terrasse aus hatte ich das Feuer nachts ständig im Blick. Es sah wirklich bedrohlich aus.

Familienvater Dietmar Koch

Während seine Frau und die beiden Söhne im Zimmer schliefen, verbrachte der Familienvater die Nacht auf der Terrasse. Von dort aus beobachtete er den rötlich leuchtenden Himmel über der Insel. „Ich hatte das Feuer ständig im Blick. Es sah wirklich bedrohlich aus.“

Glühender Himmel, Rauch und lodernde Flammen: Dieses Bild machte Dietmar Koch von der Terrasse ...
Glühender Himmel, Rauch und lodernde Flammen: Dieses Bild machte Dietmar Koch von der Terrasse seiner Unterkunft in Kerames aus.(Bild: Leserreporter Dietmar Koch)

Italiener flohen nur mit dem Nötigsten
In der Unterkunft lernte die Familie ein italienisches Paar kennen, das ebenfalls aus der Umgebung von Triopetra geflüchtet war. Sie wurden bei einem Ausflug vom Zivilalarm völlig überrascht und hatten keine Zeit mehr, zu packen. „Die beiden hatten nur das, was sie am Körper trugen. Alles andere mussten sie zurücklassen“, berichtet Koch.

Eine Rückkehr in die ursprüngliche Unterkunft war unmöglich, weil die Straßen gesperrt worden waren. Gleichzeitig brach nun auch östlich des Zufluchtsortes der Familie Koch ein weiterer Brand aus, der sich noch rascher ausbreitete. Also entschlossen sich die Urlauber, weiter ins Landesinnere in Richtung der Ortschaft Kerames zu flüchten.

Drama um vergessenen Reisepass
Währenddessen stand die Tiroler Familie ständig mit ihrer Haushälterin Kyma in Kontakt. Die Frau hatte sich dazu entschlossen, in Triopetra zu bleiben, um das Anwesen so lange wie möglich zu schützen. Und tatsächlich blieb das Gebäude verschont. Zwar verbrannten die Gärten rund um das Haus, die Flammen erreichten das Gebäude selbst aber nicht.

Tausende Menschen mussten die von den Flammen bedrohten Gebiete auf Kreta verlassen. Hier warten ...
Tausende Menschen mussten die von den Flammen bedrohten Gebiete auf Kreta verlassen. Hier warten Touristen nach ihrer Evakuierung auf den Weitertransport.(Bild: EPA/NIKOS CHALKIADAKIS)

Für zusätzlichen Schrecken sorgte ein Missgeschick. Der älteste Sohn hatte seinen Reisepass in der Unterkunft liegen lassen. Als das italienische Paar schließlich wieder zu seiner Unterkunft zurückkehren durfte, um sein Hab und Gut zu holen, nahm es das Dokument kurzerhand für die Familie Koch mit. Am Freitag trafen sich alle in Rethymno, wo die Italiener den Reisepass an die Tiroler übergaben.

„Wir kommen auf jeden Fall wieder“
Nach Tagen voller Sorge und ständiger Flucht vor den Flammen verbrachten die Kochs die letzten Stunden ihres Kreta-Urlaubs in Rethymno im Norden der Insel, bevor sie Freitagabend wieder die Heimreise nach Tirol antraten.

Trotz der dramatischen Erlebnisse überwiegt heute die Dankbarkeit. „Kyma und die Familie Berakis haben sich großartig um uns gekümmert. Wir werden ihnen das nie vergessen“, sagt Koch. Und obwohl die Flammenwalzen die erholsamen Urlaubstage zerstört haben, steht für Familie Koch eines bereits fest: „Wir kommen auf jeden Fall wieder nach Kreta, da die positiven Eindrücke überwiegen!“

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