Von heute bis 8. August findet der 111. Esperanto-Weltkongress in Graz statt. 1100 Menschen aus 62 Ländern sind zu Gast und erkunden währenddessen auch die Steiermark. Der Tourismus jubelt über die Belebung in den heißen Sommermonaten.
Wenn Sie in den kommenden Tagen durch Graz gehen und eine Sprache vernehmen, die wie eine Mischung aus Latein und Italienisch klingt, könnten Sie es mit einem von 1100 Esperanto-Sprechern zu tun haben, die aktuell in der Landeshauptstadt zu Gast sind. Aus 62 Nationen kommen die Sprecher der Plansprache in die Steiermark, um sich zu vernetzen. „Da haben wir unvermittelt eine Weltbühne gefunden, mit der wir nicht gerechnet haben“, sagt der Geschäftsführer von Graz-Tourismus, Dieter Hardt-Stremayr. „Die Internationalität ist sagenhaft.“ Deswegen ließ man zwei Broschüren auf Esperanto drucken, was für großes Interesse sorgte.
Das Programm ist vielfältig: Von Schnupperkursen über Empfänge bis hin zum Gottesdienst und Vortrag von Autor Clemens Setz. Sein Buch „Die Bienen und das Unsichtbare“ (2020) beschäftigt sich mit der Poesie von Plansprachen.
Was ist Esperanto überhaupt? Ende des 19. Jahrhunderts erfand Ludwik Lejzer Zamenhof die Sprache auf dem Reißbrett in einer multikulturellen Stadt im heutigen Polen. Jeder sollte sich leicht verständigen können. „Esperanto kam aus der Arbeiterklasse und wurde für einfache Menschen gemacht“, erklärt Fernando Maia Jr., Präsident des Weltverbandes, der aus Rio de Janeiro angereist ist. Zu den bekanntesten Esperantisten in Österreich zählen die SPÖ-Bundespräsidenten Franz Jonas und Heinz Fischer – zweiter übernimmt auch den Ehrenschutz für den Kongress.
Schneller zu lernen als Englisch
Der Grundgedanke bleibt bis heute. Je nach Begabung ist Esperanto in zwei bis sechs Monaten ohne teuren Kurs oder Sprachreise erlernbar, während man für Englisch Jahre braucht. „Esperanto ist weniger elitär als Englisch, weil man mit allen auf der gleichen Ebene spricht. Nicht-Muttersprachler haben keinen Nachteil“, erklärt Seán Ó Riain. Die Gemeinschaft, die weltweit zwischen 500.000 und zwei Millionen Sprecher umfasst, hält zusammen – das hat der irische Diplomat gerade erfahren. Ó Riain lebt mit seiner Familie in der Nähe von Bordeaux und musste wegen der Waldbrände aus seinem Haus flüchten. „Esperanto-Freunde haben uns untergebracht“, sagt er.
Erstmals seit Jahrzehnten findet im Herbst an der Volkshochschule in Graz wieder ein Esperanto-Kurs statt. Beginn ist am 25. September. Der Verband hofft auf reges Interesse.
Fünf Zacken für die Kontinente und Grün als Farbe der Hoffnung: Esperanto ist eine Friedenssprache. „Espero bedeutet Hoffnung“, sagt Ewald Schick aus Seiersberg, der den Kongress erfolgreich nach Graz geholt hat. Besonders stolz ist man, dass die österreichische Unesco die Esperanto-Kultur nun als immaterielles Kulturerbe anerkennt.
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