Überhöhte Rechnungen

Mieter kämpfen gegen die Stadt für ihre Rechte

Salzburg
23.07.2026 10:00

Ein zubetonierter Garten, ein abgerissener Anbau, der den Bewohnern früher als Keller diente und extrem hohe Rechnungen für Wasser: In einem Wohnhaus im Salzburger Stadtteil Gnigl halten die letzten Mieter die Stellung. Sie wohnen seit mehr als 40 Jahren im Haus. 

Die Eingangstür ist alt und verwittert. In einem Wohnbau im Salzburger Stadtteil Gnigl schlägt Besuchern sofort modriger Geruch entgegen. Eine Türe zur Wohnung im Erdgeschoß ist halb geöffnet. Dahinter: eine Baustelle mit Loch im Boden. Über ein abgenutztes Stiegenhaus geht es zu den letzten im Haus verbliebenen Mietern. Nur mehr zwei Pensionisten-Ehepaare wohnen noch hier in der Grazer Bundesstraße. Bei einem Paar leben sogar noch die zwei Enkerl.

In den letzten Jahren wurden die Mieter für versickertes Wasser zur Kasse gebeten.
In den letzten Jahren wurden die Mieter für versickertes Wasser zur Kasse gebeten.(Bild: Markus Tschepp)

Vier Jahre litten die Bewohner unter einer Dauerbaustelle direkt vor ihren Fenstern. Der Garten wurde zubetoniert. Wo früher Kinder schaukelten, steht jetzt ein Gebäude. „Wir haben gar keine Möglichkeit mehr, unsere Wäsche aufzuhängen“, sagt Melitta Murauer. Ein Anbau des denkmalgeschützten Hauses, der als Keller diente, wurde weggerissen. Alternativ gibt es nun bloß kleine Alucontainer.

Mieter leben seit mehr als 40 Jahren im Haus in Gnigl
„Als wir 1983 eingezogen sind, haben wir viel Geld investiert und alles selbst renoviert“, erzählt Robert Murauer. Noch länger wohnen Irene und Otto Schweizer dort. Drei von fünf Wohnungen sind leer.

Eine eigene Wasserleitung mit Zähler gibt es im denkmalgeschützten Haus erst seit heuer. Vor zwei Jahren explodierten die Wasserkosten: Sie stiegen von 2023 auf 2024 von gut 470 auf knapp 1800 Euro an. „Als wir die Rechnung gesehen haben, glaubten wir, dass ein Schwimmbad eröffnet hat“, sagt Irene Schweitzer.

Erst seit heuer hat das Haus einen eigenen Wasserzähler.
Erst seit heuer hat das Haus einen eigenen Wasserzähler.(Bild: Markus Tschepp)

Laut Gswb – die das Gebäude im Stadteigentum verwaltet – habe ein Rohrbruch bei der Baustelle Wasser versickert lassen. In einer schriftlichen Antwort an die Mieter ist die Rede von Kostenerstattung durch die Versicherung in der folgenden Abrechnung. Doch stattdessen stiegen die Kosten weiter an.

Für 2025 wurden knapp 2200 Euro verrechnet. „Bis zur Rückzahlung kann ich diese wohl ins Erbe schreiben“, sagt Irene Schweitzer verzweifelt. Ihr Mann Otto erzählt: „Ein Arbeiter hat gesagt, dass in kürzester Zeit 60.000 Liter Wasser versickert sind. Es wurde alles dreimal aufgegraben, das Leck aber – soweit ich weiß – nie gefunden.“

Klar ist, dass die Ehepaare nicht mehr übersiedeln wollen. „Das zahlt sich nicht mehr aus. Ich bin 75 und muss mich ja fast schon nach einer Urne umschauen“, zeigt Robert Murauer Galgenhumor. 

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