Servus-Tennis-Experte

Alex Antonitsch: „Ich bin noch die alte Schule“

Unterhaltung
19.07.2026 05:00

Am Montag, 20. Juli, startet das ATP-Tennisturnier in Kitzbühel. Live dabei ist man im Free-TV ab Tag eins mit ServusTV. Neben Sportchef Christian Nehiba und seiner Kommentatorenriege fungiert Kitzbühel-Turnierdirektor Alexander Antonitsch wieder als Experte. Im großen „Krone“-Talk verrät er vorab, worauf er sich freut, was er in den letzten Jahren gelernt hat und warum er bewusst auf Emotionen setzt.

Man kann es durchaus eine mehr als gelungene Sport-Erfolgsstory nennen, die Kombination aus Kitzbühel und dem Villacher Ex-Tennisprofi Alexander Antonitsch. Seit 2011 ist er dort Turnierdirektor und hat aus dem 250er-Sandplatzturnier der ATP (kleinste Kategorie) ein Juwel geformt, das von den Spielern in seiner Gesamtheit geschätzt wird und von immer besseren Spielern besucht wird. Mit French Open-Finalist Flavio Cobolli, dem Enfant-Terrible Alexander Bublik und den französischen Cousins Valentin Vacherot und Arthur Rinderknech haben sich absolute Top-Spieler und Turniersieger angesagt – dazu gibt es noch die einheimischen Hoffnungen Sebastian Ofner und Joel Schwärzler, die per Wildcard so weit wie möglich im Turniergeschehen kommen wollen.

Doppelrolle bringt Stress mit sich
Antonitsch selbst ist seit geraumer Zeit in einer Doppelrolle tätig – nämlich auch als kundiger und beliebter TV-Experte von ServusTV, wo das Turnier heuer wieder umfangreich übertragen wird. „Da dreht sich das Radiogesicht nach außen“, lacht er im „Krone“-Gespräch, „das ist natürlich manchmal stressig, aber auch wichtig. Manchmal muss ich dann vom Kommentatorensessel aufspringen und abhauen, weil es irgendwelche Dinge abzuklären gilt. Andererseits ist diese Rolle aber auch spannend, weil ich vieles von oben sehe und dann eingreifen kann. Wo sieht man einen Sponsor vielleicht nicht so gut? Warum ist diese Plane dreckig? Können wir dieses oder jenes anders anordnen? Das ist ganz praktisch, wenn ich dann die Insights von der ServusTV-Tätigkeit mit meinem Job als Turnierdirektor vermischen kann.“

Antonitsch im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.
Antonitsch im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Rund 450 Menschen stark ist das Team von Antonitsch, der sehr froh darüber ist, in allen Bereichen Fachkräfte zu haben. „Für den Aufbau so eines Turniers sind gottseidank andere verantwortlich. Mit meinen zwei linken Händen würden wir da nicht weit kommen.“ Dass Tennis via ServusTV stark im FreeTV verankert ist, während man für Profi-Fußball fast überall extra zahlen muss, ist zuseherfreundlich, findet auch Antonitsch: „ServusTV hat sich in den letzten Jahren zu dem Tennissender entwickelt und ist mit den Erfolgen von Dominic Thiem mitgewachsen. Wir haben jetzt auch ohne Dominic noch grandiose Quoten und alle Beteiligten sind mit sehr viel Herzblut und Expertise dabei. Es ist auch für die österreichischen Turniere in Wien und jetzt in Kitzbühel extrem wichtig, dass man sie niederschwellig verfolgen kann.“ Sport ohne Bezahlschranke zu senden hat nicht zuletzt auch direkte Auswirkungen auf die Jugend und das Interesse an der Tätigkeit.

Das Package muss passen
Die Magie des ATP-Turniers von Kitzbühel liegt mitunter auch an der Qualität des gesamten Drumherums. „Die Top-Spieler reservieren sich mit Familien in die schönsten Hotels ein. Manchmal haben wir sogar Angst, dass wir zu wenige Unterkünfte für alle Spieler und ihren Anhang haben, weil die Entourage heute ständig professioneller und größer wird.“ Service ist dabei das oberste Gebot. „Wir bemühen uns, den Spielern alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Wir organisieren Mountainbike- und Golf-Touren, bieten ein Top-Catering und auch sonst alles an. Und Kitzbühel erstrahlt an sich schon als ein Ort, den man durch hohe Qualität kennt.“ Die absoluten Top-Spieler kriegt man natürlich nicht. „Wir hatten Jannik Sinner und Carlos Alcaraz hier, als sie ganz jung waren. Teilweise auch mit längeren Verträgen, aber die Top-Spieler haben natürlich Klauseln, dass sie im Falle von gewissen Erfolgen dann natürlich in anderen Turnieren einsteigen.“

Dass aus dem kleinen Kitzbühel-Turnier eine solche Perle erwachsen würde, war lange Zeit nicht vorhersehbar. „Wir haben am Anfang meiner Tätigkeit viel Geld für große Planen ausgegeben, damit wir damit die leeren Zuschauerränge abdecken können“, so der Kärntner, „wir haben aber von Anfang an gesagt, dass wir langfristig und nachhaltig arbeiten wollen. Stück für Stück ist das Turnier gewachsen, es kamen immer mehr Leute. Die Finaltage sind mittlerweile vorher ausverkauft und der Zulauf im Allgemeinen richtig cool.“ Bereits in dieser Woche geht erstmals seit 1993 ein WTA-Turnier, also ein Frauenturnier, in Kitzbühel über die Bühne. „Dort hatten wir bis inklusive Freitag freien Eintritt und es ist allgemein eine tolle Aufwertung für die Tennisstätte.“ Als wichtigste Entscheidung für den Erfolg des Turniers schätzt Antonitsch ein, von Anfang an auf die jungen Talente gesetzt zu haben. „Dominic Thiem war schon 2011 da und hat uns dieses Vertrauen mehrfach zurückgezahlt.“ Dann hat man auch auf eine wichtige Umstellung im Zuschauerbereich gesetzt. „Vor unserer Zeit hat es oft 2000 VIP-Gäste pro Tag gegeben. Das ist schön, aber bei einer Kapazität von 6000 Leuten zu viel. Also haben wir das runtergeschraubt und dem Publikum mehr Platz eingeräumt. Wir haben den ,Ladies Day‘ beibehalten und tun irrsinnig viel für die Kids. Es geht um das Gesamtpaket um die Spiele herum.“

„Es heißt immer, Sport sei die wichtigste Nebensache der Welt. Dann behandeln wir ihn auch so.“
„Es heißt immer, Sport sei die wichtigste Nebensache der Welt. Dann behandeln wir ihn auch so.“(Bild: Mario Urbantschitsch)

Wechsel des Belags möglich
Spannend wird auch die Zukunft des Turniers, denn für 2028 verspricht die ATP umfassende Änderungen im Spielkalender. „Es gibt Gedanken, dass Kitzbühel dann auf Hartplatz gespielt wird, damit sich die Spieler schon so früh wie möglich auf die Hartplatz-Saison und die US Open im Spätsommer und Herbst warmmachen können. Da wird viel evaluiert und mit allen Beteiligten diskutiert. Das sollte sich eigentlich alles noch heuer entscheiden, weil die Turniere ja auch Vorbereitungszeit für Änderungen und Adaptierungen brauchen.“ Dass das Turnier von einem 250er zu einem 500er wird, also in die nächste Kategorie aufsteigt, glaubt Antonitsch nicht. „Das ist für die Zukunft sicher nicht komplett ausgeschlossen, aber ich halte es derzeit nicht für absehbar.“

So bleibt Antonitsch zumindest heuer noch genug Zeit, um auch im Fernsehen mit Expertisen zu strahlen, weil das Organisatorische gut läuft. „Man tut sich leichter, wenn man mit den Moderatoren und Kommentatoren befreundet ist. Da läuft dann auch der Schmäh ganz anders. Wenn man sich versteht, nimmt man das locker und das spüren auch die Zuschauer. Man reizt sich, man häkelt sich und so wird alles lebendiger.“ Antonitsch ist allgemein ein großer Fan von Emotionen im Sport. „Was haben wir davon, wenn die verloren gehen? Es heißt immer, Sport sei die wichtigste Nebensache der Welt. Dann behandeln wir ihn auch so. Wen interessiert es, wenn jedes Interview und jede Meldung vorgefertigt sind? Ich bin sicher noch die alte Schule und halte nichts davon, immer komplett neutral zu sein. Es darf nie unter die Gürtellinie gehen und du darfst keinen in die Pfanne hauen, aber als Sportfan im Allgemeinen muss ich mitfiebern und mitleben.“

Fehler sind unvermeidbar
Mit Kritik kann der Kärntner umgehen, behauptet er. „Man kann mich auf verschiedenen Plattformen der sozialen Medien erreichen und mir alle Fragen stellen oder auf meine Art im Fernsehen eingehen. Wir fordern die Leute teilweise dazu auf, Wünsche, Anregungen und Kritik zu äußern. Ich bin zum Beispiel prädestiniert dafür, Namen falsch auszusprechen. Da gibt es immer noch Nachholbedarf.“ Als Turnierchef muss der 60-Jährige aber vor allem darauf achten, Interna nicht unbedacht in die Öffentlichkeit zu tragen. „Da kann schon vorkommen, dass ich was ausspreche, was ich eigentlich mit jemand anderem direkt vorab ausreden müsste. Aber auch daraus lernt man. Mir geht es darum, das Sportevent weiterzubringen, die Übertragung emotionaler zu machen. Und wichtig ist es auch, die Waage zu halten. Man soll die richtigen Tennisfreaks nicht langweilen, Gelegenheitszuschauer müssen uns aber auch folgen können.“ Und der Wunsch für das heurige Turnierfinale? „Bublik gegen einen Österreicher. Das wäre ein Traum.“

So sendet ServusTV aus Kitzbühel
ServusTV überträgt von den Generali Open in Kitzbühel von 20. bis 23. Juli täglich ab 11 Uhr, die Halbfinal-Spiele am 24. Juli ab 11.50 Uhr und das Finale am 25. Juli ab 12.30 Uhr.

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