Jo Fischler ist für seine Alpenkrimis und Thriller bekannt. Mit der Tiroler „Krone“ spricht er im Interview über sein neuestes Werk, seine Heimat, Humor und Kriminalität.
„Krone“: Was hat Sie dazu inspiriert, einen Krimi in einer fiktiven Stadt im Miniatur-Wunderland Hamburg anzusiedeln?
Jo Fischler: Ich war wie fast jeder, der einmal dort steht, von diesen Welten verzaubert – aber als Krimiautor denke ich mir auch gleich: Da unten wuselt eine ganze Kleinstadt. Was, wenn mein Kommissar mittendrin ermittelt und keine Ahnung hat, dass er selbst winzig ist und Millionen Besucher von oben zusehen? Ab da war die Idee für die Reihe geboren.
Können Sie uns mehr über die Figur des Kommissars Jojo Wunder erzählen?
Johannes „Jojo“ Wunder ist 36 und als Kriminalkommissar für die spannenden Fälle zuständig. Sein Spitzname „Jojo“ ist programmatisch: Wie ein Jojo kommt er immer wieder zurück, bis der Fall gelöst ist. Er hat eine eigene Wohnung im Stadthaus seiner Familie – im Erdgeschoss des Hauses ist die Wunderküche, ein Restaurant, das seine Mutti Lieselotte betreibt. Die große Liebe hat Jojo noch nicht gefunden, aber er ist heimlich in die Blumenhändlerin Liora verliebt.
Ihr Buch „Klein aber Tot“ verbindet Humor mit Kriminalität. Wie wichtig war Ihnen der humorvolle Aspekt beim Schreiben?
Der Humor ist mir sehr wichtig in dieser Reihe. Das ganze Miniatur-Wunderland ist voll von augenzwinkernden Momenten und Inszenierungen. Das wollte ich auch im Krimi, der natürlich auch ernst und sehr spannend ist, spürbar machen.
Heimat ist für mich ein Gefühl von Zugehörigkeit – ein Ort, an dem man sich auskennt und aufgehoben ist. Wobei Heimat auch dort sein kann, wo das Herz ist.
Jo Fischler
Gibt es bestimmte Elemente Ihrer Tiroler Heimat, die im Buch sichtbar sind?
Knuffingen liegt im Miniatur-Wunderland „zwischen Harz und Alpen“, darf also auch einen alpinen Einschlag haben. Wobei mir wichtig war, eine Atmosphäre zu schaffen, die man sich im ganzen deutschsprachigen Raum vorstellen kann.
Durch Ihre zahlreichen Veröffentlichungen (auch unter Ihrem Alias-Namen Jan Beck) sind Sie viel unterwegs. Was bedeutet Heimat für Sie?
Heimat ist für mich ein Gefühl von Zugehörigkeit – ein Ort, an dem man sich auskennt und aufgehoben ist. Wobei Heimat auch dort sein kann, wo das Herz ist – wo die Menschen sind, die einem wichtig sind.
Eine Miniaturwelt ist überschaubar, im doppelten und besten Sinn. Eine geschlossene Welt, klar begrenzt, mit einem festen Ensemble.
Jo Fischler
Planen Sie, die Reihe um die Knuffingen-Krimis in naher Zukunft fortzusetzen?
Ja, bei Knuffingen muss noch lange nicht Schluss sein – ich könnte mir gut vorstellen, Jojo Wunder auch in andere Welten des Miniatur-Wunderlands zu schicken, etwa nach Skandinavien, nach Venedig oder nach Südamerika.
Was fasziniert Sie persönlich an Miniaturwelten?
Man steht als Riese davor und wird zurückgeworfen in ein kindliches Staunen. Eine Miniaturwelt ist überschaubar, im doppelten und besten Sinn. Eine geschlossene Welt, klar begrenzt, mit einem festen Ensemble – die perfekte Bühne für einen klassischen Krimi.
Wie haben Sie die Recherchen für Ihre neue Krimi-Reihe durchgeführt?
Ich war mehrmals in Hamburg, um mir Knuffingen genau anzusehen. Zum Glück war auch das Miniatur-Wunderland-Team sehr auskunftsfreudig. Da es kein reales Knuffingen in unserer Welt gibt, war ergänzend meine Fantasie gefragt, und davon habe ich ja reichlich.
Ich möchte Geschichten schreiben, die Freude machen – mir beim Schreiben und den Lesern beim Lesen.
Jo Fischler
Welches humorvolle Element in Ihrem Buch gefällt Ihnen persönlich am besten, und warum?
Das ist schwer. Ich finde den nie gesehenen Polizeichef interessant, samt seiner rätselhaften Sekretärin Gina Schumann. Das ist ein Running Gag und zugleich ein bisschen unheimlich. Und dann natürlich Buddha, der behäbige Bernhardiner, dessen Spürnase gefragt ist.
Wie sehen Sie die Zukunft des Kriminalromans, besonders im Hinblick auf Settings und Erzähltechniken?
Das Setting ist wichtig, egal ob innovativ oder klassisch. Ob man ein Buch lesen will, ist oft mit dem Ort der Handlung verbunden. Ich möchte Geschichten schreiben, die Freude machen – mir beim Schreiben und den Lesern beim Lesen.
Recka Hammann, Tiroler Kronenzeitung
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.