„Wir wurden wegen einer Regel bestraft, die inakzeptabel ist. Dass sie unnötigerweise eingegriffen haben, ist äußerst schmerzhaft. Diese Regel hat nichts mit Fußball zu tun. Das hat unser Spiel heute ruiniert“, wütete Schweiz-Trainer Murat Yakin über das Schiedsrichter-Team beim 1:3 gegen Argentinien.
Argentinien hat auch sein drittes K.o.-Spiel bei der Fußball-WM mit viel Mühe, aber schlussendlich erfolgreich absolviert. Lionel Messi und Co. durften in Kansas City nach einem 3:1-Viertelfinalerfolg gegen eine dezimierte Schweiz nach 120 Minuten aufatmen. „Wir mussten viel leiden“, sagte Coach Lionel Scaloni. „Das ganze Spiel war sehr schwierig“, meinte Torschütze Julian Alvarez. Bei den Eidgenossen herrschte indes Frust über das Aus nach kuriosem Gelb-Rot für Breel Embolo.
Die Erleichterung war dem Weltmeister nach getaner Arbeit anzusehen. Argentiniens Stars tanzten Arm in Arm vor ihren Fans. Dass Kapitän Messi nach neun WM-Spielen erstmals ohne eigenen Treffer blieb, spielte keine Rolle. Schließlich hatten die Schweizer die Südamerikaner voll gefordert. Dafür trafen andere: Alexis Mac Allister sowie in der Verlängerung Alvarez mit einem Traumtor und Lautaro Martinez nach einem Konter. „Wir haben bis zum Schluss alles gegeben. Es war schwierig, obwohl wir einen Mann mehr auf dem Platz hatten“, erklärte Alvarez. „Aber wir wussten: Wenn wir weiter zusammenhalten, wird das Tor schon fallen.“
Nächster argentinischer Kraftakt
„Die Wahrheit ist, dass wir heute zu kämpfen hatten. Sie haben uns vor große Schwierigkeiten gestellt“, sagte Coach Scaloni. „Wir müssen realistisch sein und uns in einigen Punkten verbessern, aber ein Sieg ist immer besser“, fügte er hinzu. Nach einer souveränen Vorrunde hat sein Team in den bisherigen drei K.o.-Spielen gezeigt, dass es verwundbar ist. Gegen Kap Verde und die Schweizer benötigten die „Gauchos“ Überstunden, gegen Ägypten nach einem 0:2-Rückstand einen Kraftakt in der Schlussviertelstunde.

„Wir würden die Spiele lieber früher gewinnen, aber wir wissen, dass das nicht einfach ist“, sagte Alvarez. „Es stehen noch zwei Spiele aus, und wir werden alles daran setzen, diese zu gewinnen.“ Nun wartet am Mittwoch in Atlanta England, auf das man bei Weltmeisterschaften bisher fünf Mal getroffen ist. Die Duelle mit dem Rivalen haben einige unvergessliche Momente wie „die Hand Gottes“ von Diego Maradona beschert. Im sechsten WM-Duell geht es erstmals um den Finaleinzug.
Schweizer Ärger über Platzverweis
Bei den Eidgenossen herrschte indes Ärger und Enttäuschung. Bis zum Platzverweis hatte man auf Augenhöhe agiert, war in der zweiten Hälfte sogar überlegen. Folgerichtig schaffte die Elf von Trainer Murat Yakin den Ausgleich durch Dan Ndoye. Nur fünf Minuten später kam es zur spielentscheidenden Szene: Embolo sah nach einer Schwalbe und einem VAR-Einsatz die Gelb-Rote Karte. Zunächst war Argentiniens Leandro Paredes für ein vermeintliches Foul verwarnt worden. Das nahm der portugiesische Schiedsrichter Joao Pinheiro nach Ansicht der Bilder zurück und stellte den Schweizer Stürmer vom Platz.
Embolo vergoss bittere Tränen. „Er ist am Boden zerstört. Es tut uns weh, es tut ihm weh“, sagte Yakin. Besonders bitter: Zugriff auf die Situation hatte der Video Assistant Referee nur, weil Pinheiro Gelb gezückt hatte. Normalerweise wird das nicht geprüft, mit einer Ausnahme: der „mistaken identity“, also dem Fall, dass der falsche Spieler Gelb sieht. Das traf in dieser Situation zu. Ein Foulpfiff ohne Verwarnung wäre für Embolo ohne VAR-Konsequenzen geblieben.
„Diese Regel hat nichts mit Fußball zu tun“
„Wir wurden wegen einer Regel bestraft, die inakzeptabel ist. Dass sie unnötigerweise eingegriffen haben, ist äußerst schmerzhaft. Diese Regel hat nichts mit Fußball zu tun. Das hat unser Spiel heute ruiniert“, erklärte Yakin, der auch von einem Fehler des Schiedsrichters sprach. Viele Fouls der Argentinier seien unbestraft geblieben, „dann gibt er für eine Aktion Gelb, für die er niemals Gelb geben muss“, sagte der Schweizer Coach. Auch für Kapitän Granit Xhaka war das entscheidend. „Wir hatten mehr Energie, auch mehr Selbstvertrauen. Die rote Karte hat alles verändert.“ Yakin lobte seine Mannschaft ob der gezeigten Leistung, aber: „Der Fußball hat heute verloren.“
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