Barfußschuhe liegen im Trend – doch sind sie beim Wandern wirklich besser als klassische Wanderschuhe? Experten sehen Vorteile für Gleichgewicht, Fußmuskulatur und Bodengefühl. Gleichzeitig gilt: Der Umstieg will gelernt sein und ist nicht für jede Tour oder jeden Wanderer sofort die beste Wahl.
Immer mehr Österreicher zieht es hinaus in die Natur. Laut aktuellen Umfragen sind bereits 34 Prozent regelmäßig draußen aktiv – nicht nur wegen der Bewegung, sondern auch für Entspannung und mentales Wohlbefinden. Doch während viele nach einem möglichst natürlichen Naturerlebnis suchen, greifen sie ausgerechnet zu schweren, stark gedämpften Wanderschuhen.
Für Ben Le Vesconte, ein britischer Coach für Fußgesundheit und Lauftechnik, der eng mit Hersteller Vivobarefoot zusammenarbeitet, ist das ein Widerspruch. Seiner Ansicht nach schränken dicke Sohlen und starre Konstruktionen die natürliche Bewegung des Fußes ein. Außerdem gehe dadurch viel vom Gefühl für den Untergrund verloren – ein Nachteil auf steinigen oder wurzeligen Wegen.
Der Hintergrund: Unsere Füße verfügen über rund 200.000 Nervenenden, die ständig Informationen an das Gehirn senden. Sie helfen dabei, das Gleichgewicht zu halten und auf Unebenheiten zu reagieren. Wird dieses Feedback durch dicke Sohlen gedämpft, könne das die Stabilität beeinflussen.
Mehr Gefühl für den Untergrund
Genau hier setzen Barfußschuhe an. Sie besitzen eine dünne, flexible Sohle und eine breite Zehenbox. Dadurch sollen sich die Füße natürlicher bewegen können und den Untergrund besser wahrnehmen. Laut Le Vesconte kann das besonders auf anspruchsvollen Wanderwegen die Koordination verbessern und den Fuß aktiver arbeiten lassen.
Ein weiterer Vorteil: Das geringe Gewicht. Während manche klassische Wanderschuhe bis zu zwei Kilogramm pro Paar wiegen, bringen leichte Barfußmodelle oft nur wenige Hundert Gramm auf die Waage. Das spart Kraft – vor allem auf langen Touren.
Studien deuten zudem darauf hin, dass regelmäßiges Tragen von Barfußschuhen die Fußmuskulatur stärken und bei älteren Menschen Gleichgewicht sowie körperliche Funktion verbessern kann.

Aber: Barfußschuhe sind kein Wundermittel
So vielversprechend die Vorteile klingen – Barfußschuhe sind nicht für jeden sofort die richtige Wahl. Wer jahrelang stark gedämpfte Schuhe getragen hat, sollte den Wechsel langsam angehen. Muskeln, Sehnen und Bänder müssen sich erst wieder an die größere Bewegungsfreiheit gewöhnen.
Experten empfehlen deshalb, Barfußschuhe zunächst im Alltag oder bei kurzen Spaziergängen zu tragen und die Belastung schrittweise zu steigern. Wer zu schnell auf lange Bergtouren umsteigt, riskiert Überlastungen oder Beschwerden an Füßen und Waden.
Auch bei sehr anspruchsvollen alpinen Touren, schwerem Gepäck oder bestehenden Fußfehlstellungen können klassische Wanderschuhe mit mehr Stabilität und Schutz weiterhin Vorteile bieten. Welche Schuhart die richtige ist, hängt daher immer von Gelände, Erfahrung und den individuellen Voraussetzungen ab.
Barfußschuhe können das Körpergefühl verbessern, die Fußmuskulatur stärken und auf vielen Wanderwegen für ein direkteres Naturerlebnis sorgen. Sie ersetzen klassische Wanderschuhe jedoch nicht in jeder Situation. Wer umsteigen möchte, sollte seinem Körper Zeit geben.
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