Ordensbücher gestohlen

„Schuldig“: Mönch legt Beichte vor dem Richter ab

Niederösterreich
22.06.2026 17:00

Ein polnischer Ordensbruder stahl in Niederösterreich wertvolle Bücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie ein Priestergewand: Nun fasste der 40-Jährige wegen schweren Diebstahls und Veruntreuung am Landesgericht St. Pölten eine Bewährungsstrafe aus.

Es sind Szenen wie aus einem bekannten Filmklassiker: In diesem Fall waren es aber Diebstähle und keine Morde, die für Aufsehen sorgten. Und einen 40-Jährigen nun vors Landesgericht St. Pölten brachten.

Insgesamt 16 wertvolle Bücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert aus der historischen Bibliothek des Stifts Herzogenburg – darunter ein Seneca – sowie einen Vespermantel (aus seiner Zeit als Pastoralassistent in Lunz am See) soll der Mönch im Mostviertel gestohlen haben. Der Sammler habe schon immer eine Passion für Kirchengüter gehabt.

Die Bibliothek des Stifts Herzogenburg umfasst rund 100.000 Bände – von barocken Werken bis hin ...
Die Bibliothek des Stifts Herzogenburg umfasst rund 100.000 Bände – von barocken Werken bis hin zu Handschriften(Bild: Evelyn Hronek)

Angeklagter möchte Neuanfang
Bereits in seiner Heimat Polen wurde er in jungen Jahren aus einem Orden entlassen. Für einen Neuanfang wechselte er nicht nur den Nachnamen, sondern auch das Land. Im Jahr 2015 trat er dem Orden der Augustiner-Chorherren im Stift Herzogenburg bei, war dort in der Bibliothek tätig. Bis zum Februar des Vorjahres, als der Diebstahl aufflog und der Probst Anzeige erstattete.

Seitdem läuft auch ein kirchenrechtlicher Streit samt „Exklaustration“ – dem dauerhaften Ausschluss des Mitbruders – des 40-Jährigen.

Bild aus „Der Name der Rose“ mit Sean Connery
Bild aus „Der Name der Rose“ mit Sean Connery(Bild: APA-Images / Mary Evans / Ronald Grant Archive)

Urteil bereits rechtskräftig
Doch vor Gericht möchte der Angeklagte keine „Schmutzwäsche“ waschen: „Ja, ich habe die Bücher nach meinem Rausschmiss aus dem Stift in meine Wohnung nach Wien mitgenommen“, zeigt er sich zu den Vorwürfen geständig. „Das ist aus der Emotion heraus passiert“, so der Angeklagte. Er wollte die Bücher als „Druckmittel“ im lodernden Streit nutzen.

„Lassen wir die Kirche im Dorf: Die Bücher sind wieder da“, erklärt Herr Rat und verurteilt den 40-Jährigen zu zehn Monaten auf Bewährung – rechtskräftig.

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