Rollenspiel im Test

“Risen 3”: Viele Freiheiten, aber auch Fehler

Spiele
30.08.2014 09:00
Was Gamer in Piranha Bytes jüngstem Rollenspiel-Spross "Risen 3: Titan Lords" erwartet, haben wir in unserem Vorbericht bereits verraten. Unklar war bislang allerdings noch, ob es dem Spiel gelingt, den Gamer vor den Bildschirm bzw. Monitor zu fesseln. Nach vielen Stunden wissen wir: Ja, tut es. Der ganz große Wurf ist "Risen 3" aber trotzdem nicht.

Das neue "Risen 3: Titan Lords" beginnt, wie das alte aufgehört hat: als Pirat in der "Karibik". Die heißt natürlich anders, Sandstrände, Palmen, blaues Meer und Schätze gibt es trotzdem, und genau wegen der Suche nach Letzteren geht der Spieler zu Beginn des Abenteuers von Bord - nur um kurz darauf allerdings sein vorzeitiges Ende zu finden. Sechs Fuß unter der Erde, genauer gesagt: dem Sand, fristet der Held mehrere Wochen sein Dasein, ehe ihn ein Voodoo-Priester wieder zurück ins Reich der Lebenden befördert. So richtig zu Hause fühlt sich der Held dort allerdings nicht mehr, wurde er doch eines Stücks seiner Seele beraubt.

Verantwortlich dafür zeichnen ominöse Schatten, die fortan allerorten für Ärger sorgen – und schon kann das Abenteuer beginnen. Wie und wo, und das ist das Schöne an "Risen 3", bleibt dabei ganz dem Spieler überlassen. Soll es zu den Piraten nach Antigua oder in den kargen Norden zu dem Dämonenjägern gehen? Nach dem Prolog tut sich für den Spieler eine Fülle an Optionen, sprich: Quests, auf. Das eine führt schnell zum anderen, und ehe man sich versieht, hat man eine ganze Liste an Aufträgen abzuarbeiten – sofern man das denn möchte.

Alternativ kann man die Arbeit auch einfach Arbeit sein lassen und auf gut Glück in die Wildnis ziehen. Die zweifelsohne riesige, wenn auch teils bereits bekannte offene Spielwelt weckt den Forschertrieb und lädt zum Erkunden ein. Auch hier fällt es schwer, sich dem Sog, der vom Spiel ausgeht, zu entziehen. Schließlich wartet hinter jeder Ecke immer noch ein Monster, das besiegt werden will. Stunden können so ins Land ziehen, und am Ende hat man zwar viel gesehen und geleistet, aber effektiv nicht zwingend etwas erreicht.

Gerade anfangs empfiehlt es sich daher, sich ans Hauptquest zu halten. Auch, weil viele der in der Spielwelt lauernden Gefahren für den Helden während der ersten Spielstunden noch eine Nummer zu groß sind. Wer sich zu weit hinaus in die Wildnis wagt, zieht als noch relativ talentfreier Abenteurer schnell den Kürzeren. Es braucht zunächst also Gold, viel Gold, um sich bei entsprechenden Lehrmeistern das nötige Wissen anzueignen.

Auch hier sind die Auswahlmöglichkeiten enorm, sodass man sich als Anfänger bei der Weiterbildung/Berufswahl durchaus schwertut. Soll man nun das eigene Handelsgeschick verbessern, die Fingerfertigkeiten im Umgang mit dem Dietrich oder die Schmiedekunst erlernen? Sicher jedenfalls ist: Wer wirklich wissbegierig ist und alles erlernen möchte, ist mit "Risen 3" über Wochen beschäftigt.

Das alles wäre zweifelsohne sehr schön und spaßig, hätte das Rollenspiel nicht auch seine Schwächen und Macken – angefangen bei der Kameraführung und schlechten Zielerfassung, über die umständliche Benutzerführung im Inventar bis hin zur nicht mehr zeitgemäßen Optik. Kann sich die PC-Version noch halbwegs sehen lassen, versinkt das Geschehen auf der Konsole im unansehnlichen Pixel-Gatsch mit Treppchenbildung, Pop-ups und hölzernen Animationen. Auch die Synchronsprecher mühen sich zwar redlich, so richtig überspringen mag der Funke in vielen Dialogen jedoch nicht.

Fazit: "Risen 3: Titan Lords" gelingt es auf Anhieb, den Spieler mit seiner Geschichte in den Bann zu ziehen. Die Möglichkeiten, auf seinen Charakter und das Spielgeschehen Einfluss zu nehmen, sind schier unzählig. Wer seine Abenteuerlust und seinen Entdeckerdrang ausleben möchte, ist hier also genau richtig, wenngleich sich Fans der Vorgänger über so manche "Restlverwertung" in der offenen Spielwelt ärgern dürften. Auch sonst ist das neue "Risen" alles andere als perfekt – insbesondere die schlechte Kameraführung im Kampf und die, vor allem auf der Konsole, nur durchschnittliche Optik trüben den Spielspaß und den ansonsten guten Gesamteindruck.

Plattform: PC, Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Deep Silver
krone.at-Wertung: 7/10

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