Auch wenn es ein wenig verwunderlich klingen mag: Alice Schwarzer ist eine große Verehrerin von Marilyn Monroe, die morgen 100 Jahre alt würde. Ausgerechnet die Ikone des Feminismus bewundert das ikonischste Sex-Symbol Hollywoods. Und das gegen den damaligen Zeitgeist.
Als moderne Frau „für dieses Pin-up-Girl aus Amerika zu schwärmen“, galt als peinlich, schrieb Schwarzer. „Denn, so lautete das Klischee: Marilyn ist ein Hollywood-Produkt. Ein blondes Gift, das den Männern mit wiegenden Hüften und weichem Busen den Kopf verdreht – aber selbst keinen hat.“
Die dümmlich-naive Blondine war sie in Wahrheit nie, die spielte sie nur. Sie war belesen, intelligent und trotz all ihrer Unsicherheiten eine starke Frau, die gegen die männliche Dominanz Hollywoods aufbegehrte. Sie wusste um die Macht ihres Körpers – und in ihrem übertriebenen Hüftschwung, dem roten Kussmund und der gehauchten Stimme steckte eine wunderbar entlarvende Ironie, die viele Zeitgenossen nicht verstanden.
Den Studiobossen trotzte sie, indem sie eine eigene Produktionsfirma gründete – damals revolutionär für eine Frau. Sie sprach über den Missbrauch in ihrer Kindheit, als dies noch ein Tabu war, und gab so vielen Opfern eine Stimme.
Marilyn Monroe war ihrer Zeit voraus – und zerbrach an ihr. Erst Jahre später, als Feministinnen sich auch als solche bezeichneten, erkannten diese eine Ikone in ihr. Denn, so Alice Schwarzer: „Keine verkörpert so wie sie die Tragik und den Triumph, eine Frau zu sein.“
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