Rechnungsabschluss

2,8 Mrd. Euro Defizit: Um so viel steigen Schulden

Wien
18.05.2026 16:00

Der Rechnungsabschluss ist so traditionell wie Weihnachten – aber mit Hiobsbotschaften statt Geschenken. Nun wissen wir, wie es um die Finanzen Wiens tatsächlich bestellt ist.

Für das Budget ist der Mai schon lange kein Wonnemonat mehr. Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ), Markus Ornig von den Neos und Finanzdirektor Christoph Maschek präsentierten am Montag den Kassensturz für 2025. Es ist wie die Rechnung für das ganze Jahr – und die besagt:

  • Vor vielen Zahlen ist ein fettes Minus. Wien hatte eine Neuverschuldung von 2,43 Milliarden Euro bei einem Defizit von 2,84 Milliarden Euro. Das entspricht genau den letzteren Prognosen, nicht aber den Horror-Zahlen von Jänner 2025. Damals hieß es: Es droht ein Defizit von 3,8 Milliarden Euro. Novak: „Daraufhin gab die klare Aufforderung des Bürgermeisters und der gesamten Staatsregierung, 500 Millionen Euro von diesem Defizit her runterzukommen.“ Das ist gelungen.
  • Zwei weitere Zahlen haben es in sich: Mit 21,36 Milliarden Euro ist es das größte Budgetvolumen, das die Stadt je zu beackern hatte. Und: Der Gesamtschuldenstand beträgt mit 2025 14,37 Milliarden Euro.
  • Wofür gab Wien das Geld nun aus? 51 Prozent des Gesamtbudgets flossen in die soziale Infrastruktur mit Gesundheit, eben Soziales und Bildung als größte Brocken. Für den Klimaschutz machte die Stadt 800 Millionen Euro locker. 2,72 Milliarden Euro wurden für Bildung ausgegeben, dazu kamen weitere 1,2 Milliarden Euro für 2700 Kinderbetreuungseinrichtungen.
(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)
  • Im österreichweiten Vergleich liegt Wien mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 7392 Euro im Mittelfeld. In der Steiermark ist sie mit 8615 Euro am höchsten, in Tirol mit 3291 Euro am niedrigsten.

„Wir sehen den Bedarf und das Bedürfnis nach einer inhaltlichen Debatte der Parteien, auch mit Expertinnen und Experten“, sagt Novak und kündigt einen „Unterausschuss für Haushaltsfragen hier in meinem Ressort“ an.

Den wird es auch brauchen, denn die Zukunft sieht auch nicht besonders rosig aus, wie die Finanzstadträtin verrät. Denn wenn die Ertragsanteile des Bundes nach diversen steuerlichen Maßnahmen abermals nachlassen, reißt das ein gewaltiges Loch in das weitere Wien-Budget, das bekanntlich auf Gegenfinanzierung beruht. Dann fehlen schlimmstenfalls weitere 75 Millionen Euro, die „wir jedenfalls noch einsparen müssen“, so Novak.

Die Lepoldstadt hat mit dem Praterstern nicht nur einen der größten Bahnhöfe der Stadt, sondern ...
Die Lepoldstadt hat mit dem Praterstern nicht nur einen der größten Bahnhöfe der Stadt, sondern auch das größte Minus im Bezirksbudget.(Bild: Klemens Groh)

Apropos einsparen. Wie ist es der Stadt nun gelungen, das Defizit von der Horror-Prognose zu reduzieren? „50 Prozent durch Minderauszahlungen und rund 50 Prozent durch Mehreinzahlungen“, so Finanzdirektor Maschek. „Im Bereich der Mehreinzahlungen haben sich unsere Landes- und Gemeindeabgaben besser entwickelt.“ Heißt: Hier haben die Wiener einfach mehr geblecht.

Liesing schreibt schwarze, Leopoldstadt rote Zahlen
So groß wie die Unterschiede in den Bundesländern sind auch jene in den Bezirken. Während der Flächenbezirk Liesing ein Plus von fast 14 Millionen Euro ausweisen kann, hat die Leopoldstadt ein Minus von 17 Millionen Euro, gefolgt von Rudolfsheim-Fünfhaus mit 15 Millionen Euro.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Ebenfalls rote Zahlen schreibt Neubau mit mehr als 10 Millionen Euro, ebenso wie der 9. Bezirk. Ganz anders sieht die Finanzsituation in Floridsdorf aus: Hier ergibt sich ein Plussaldo von 11,5 Millionen Euro. In der Landstraße sind es ebenfalls fast 10 Millionen Euro.

Die Bezirke erhalten das Budget aus Mitteln der Stadt. Dieses richtet sich nach Bevölkerungszahl, öffentlichen Verkehrsflächen, der Anzahl der Schüler, Marktflächen und mehr. Die Stadt weist in ihrem Rechnungsabschluss darauf hin, dass ein direkter Vergleich zwischen den Bezirken schwer möglich ist, da die jeweiligen Ausgaben aufgrund Stadtentwicklungsgebieten, Schulbauten und Grünflächen unterschiedlich sei.

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