Zwölf Jahre Haft

Schüsse auf Handwerker: „Sollen sich schleichen“

Gericht
18.05.2026 15:42

Weil ein Wiener Hausbesitzer weder mit den Umbauarbeiten durch rumänische Handwerker, noch mit dem Preis einverstanden war, griff er zur Waffe. Vor den Geschworenen sitzt der 53-Jährige jetzt wegen zweifachen versuchten Mordes und meint: „Das waren Warnschüsse. Ich wollte, dass sie sich endlich schleichen.“ Die Laienrichter sehen das nicht so ...

Mit einem großen Stapel an handgeschriebenen Zetteln marschiert der Angeklagte, flankiert von zwei Justizwachebeamten, in den Wiener Verhandlungssaal. Die Abfrage seiner Generalien beantwortet er mit fester Stimme. Und noch bevor der Richter fragt, sagt der 53-Jährige entschlossen: „Ich bekenne mich nicht schuldig.“

Reperaturarbeiten aufgeschwatzt
Die Dinge nahmen ab 19. November letzten Jahres seinen Lauf, als rumänische Arbeiter bei dem Angeklagten an die Haustür klopften und ihm anboten, Reparaturen an dem Einfamilienhaus in Wien-Floridsdorf vorzunehmen. „Diese Arbeiten waren aus der Sicht des Angeklagten etwas aufgedrängt“, meint sein Verteidiger. Und trotzdem einigte man sich auf einen Preis, die Handwerker legten los.

Emotionale Schilderung vor Gericht
Bis fünf Tage später die Stimmung kippte: „Es war nie besprochen, dass das Dach repariert wird. Ich hab' das nicht angeordnet“, schildert der 53-Jährige mit wilder Gestik im Wiener Landl. Weil man sich dann auch nicht über den Preis einig wurde, entbrannte ein Streit. „Der wurde fuchsteufelswild, fast rabiat“, meint der Angeklagte. Und spricht zu den Geschworenen gedreht von einem dramatischen Handgemenge. 

Schüsse hallten am 24. November 2025 durch die Siedlung im 21. Bezirk.
Schüsse hallten am 24. November 2025 durch die Siedlung im 21. Bezirk.(Bild: Stefan Steinkogler)

Doch als der gelernte Schütze schließlich zur Waffe griff, war dieses schon aufgelöst. „Er geht seelenruhig in den Keller, öffnet eine Kiste und entnimmt eine Faustfeuerwaffe“, sagt der Staatsanwalt. Lautstark repetiert er die Pistole – die Arbeiter laufen weg. Und der 53-Jährige, der in den Neunzigern als Berufssoldat auf mehreren UNO-Friedensmissionen war und regelmäßig schießen geht, drückt ab.

Zitat Icon

Ich wollte, dass die sich endlich schleichen.

53-jähriger Hausbesitzer

„Ich hab‘ zwei Warnschüsse abgegeben“, verantwortet der Floridsdorfer in seinem Prozess wegen zweifachen versuchten Mordes. Denn ein Querschläger der ersten Patrone traf einen der Arbeiter ins Knie. Das zweite Projektil blieb in der C-Säule eines wegfahrenden Autos stecken – auf Kopfhöhe. „Mir muss man vom absoluten Glück sprechen, dass diese Säule da war“, so der Ankläger.

„Warnschüsse“ mit 1,4 Promille
Der 53-Jährige findet klare Worte: „Ich wollte, dass die sich endlich schleichen. Die Situation war so unübersichtlich. Ich spiele sicher nicht mit den Arbeitern auf meinem Grundstück Verstecken. Nicht, dass sie ins Haus gehen und meine pflegebedürftige Mutter ausrauben.“ Warum er die Warnschüsse nicht in die Luft abgab? „Das ist gefährlich, weil ich nicht weiß, wo das Projektil einschlagen wird.“

Was der Angeklagte im Prozess kleinredet: Als er zur Waffe griff, hatte der Wiener 1,4 Promille. Über den Preis für die Arbeiten habe man eben in „feuchtfröhlicher Gesellschaft“ verhandelt. In dem Einfamilienhaus in Floridsdorf wurde außerdem ein Übungshandgranatenzünder gefunden – ein Verstoß gegen das Waffengesetz. „Das hab‘ ich in den 90ern mal von einem Freund geschenkt bekommen.“ Die Pistole und mehr besaß er übrigens legal.

Lange Haftstrafe
Die Geschworenen kamen zu dem Schluss: Warnschüsse hin oder her – der 53-Jährige hat es zumindest billigend in Kauf genommen, dass er einen der fliehenden Handwerker tötet. Also setzt es zwölf Jahre Gefängnis wegen versuchten Mordes – nicht rechtskräftig.

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