Gipfelglück und Dramen

70 Jahre bei Bergrettung: Was Pionier erlebte

Tirol
10.05.2026 13:00

Horst Aufischer aus Innsbruck ist seit 70 Jahren dabei, wenn es um die Hilfe auf Tirols Gipfeln geht. Beim „Krone“-Besuch erzählt er über Rettungen zu Fuß, den Beginn der Helikopter-Ära und Denkwürdiges.

Bescheidenheit scheint ein Markenzeichen des 87-Jährigen zu sein. „Bitte kein großes Trara über mich, es gibt auch andere Bergretter und heutzutage ganz viele tolle Leute.“ Mit diesen Worten empfängt er die „Tiroler Krone“ in seiner Wohnung im Innsbrucker Saggen. Urkunden, zuletzt für die 70-jährige Mitgliedschaft, zieren die Wände.

Ehrung bei der Bergrettung Schwaz, wohin er vor 30 Jahren wechselte.
Ehrung bei der Bergrettung Schwaz, wohin er vor 30 Jahren wechselte.(Bild: ZOOM Tirol)

„Österreich ist frei!“, rief Leopold Figl vom Belvedere-Balkon in Wien. Das war im Mai 1955 und nur Wochen zuvor hatte sich der 17-jährige Horst den seit 1950 existierenden Bergrettern angeschlossen. Damals kletterte er viel und dachte als Motto: „Mir würde im Notfall ja auch geholfen.“ Letztlich brauchte er die Bergretter trotz 2090 gezählten Gipfeln („in ganz Europa, aber auch Afrika und Südamerika“) nie.

Der 87-Jährige erlebte auch die Anfänge der Flugrettung mit.
Der 87-Jährige erlebte auch die Anfänge der Flugrettung mit.(Bild: Christof Birbaumer)

Anmärsche zu Fuß und 28 Jahre lang bei Flugrettung
Aufischer erinnert sich an rund 200 (!) Bergungen in seiner aktiven Zeit, an unzählige Aufstiege zur Nordkette. Notrufe kamen häufig um Stunden verzögert, etwa via Funk von Hüttenwirten. Da war die Flugrettung ein Quantensprung, er war von 1960 bis 1988 dabei, in den Bell-Helis mit dem Piloten allein. Und er erlebte, als man mit einer Piper-Propellermaschine auf glatten Gletscherflächen landete.

Die Gebirgstrage gehörte einst zum Standard. Oft waren lange Fußmärsche nötig, bis man zu einem ...
Die Gebirgstrage gehörte einst zum Standard. Oft waren lange Fußmärsche nötig, bis man zu einem Verletzten vorgedrungen war.(Bild: Archiv W. Spitzenstätter)

Notruf wegen Kleinigkeiten gab es schon immer
„Aus einer Spalte des Stubaier Gletschers habe ich einen Mann mit 28 Grad Körpertemperatur geholt“, erinnert sich der rüstige 87-Jährige. Und Fälle zum Kopfschütteln gab es schon damals: „Im Lechtal rief uns ein Alpinist, der sich nur den Daumen verdreht hatte. Er wollte dann zum Auto geflogen werden.“ Der Bergrettungs-Pionier entgegnete: „Nein, du kommst brav mit in die Klinik.“

Horst kletterte auch privat oft, radelt und wandert noch heute.
Horst kletterte auch privat oft, radelt und wandert noch heute.(Bild: Christof Birbaumer)

Er musste akzeptieren, dass Fälle ohne Happy End blieben: „Einmal war es eine junge Frau. Ich legte ihren zwei Begleitern nahe, nicht in den Bergesack zu schauen. Sie sollten sie in Erinnerung behalten, wie sie war. Tage später kam ein Dankschreiben.“

Ehrungen in Serie schon vor vielen Jahrzehnten
Innerhalb der Tiroler Bergrettung stieg Aufischer zum Organisationsreferenten in der Landesleitung auf, erhielt schon 1983 die höchste Auszeichnung (grünes Kreuz) und 1986 die Lebensrettungsmedaille. Ehrenmitglied ist er seit 1989. „Geheiratet habe ich die dortige Sekretärin“, lacht er. Seine Leidenschaft für die Berge lebt auch bei den wöchentlichen Treffen mit seinen Kameraden von den „Gipfelstürmern“.

Die rote Jacke begleitete den Innsbrucker in der aktiven Zeit.
Die rote Jacke begleitete den Innsbrucker in der aktiven Zeit.(Bild: Christof Birbaumer)

Fit hielt er sich der gelernte Elektriker im Brotberuf bei der Post – bei der Wartung der TV-Sendestationen auf Tirols Bergen. Trotz Allradauto und Skidoo blieben längere Fußmärsche oft nicht aus. Nur ein einziges Mal benötigte er selbst Heli-Hilfe – ein Sturz von der Leiter bei seiner Hütte am Weerberg.

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