Voest-Megaprojekt

Strom statt Kohle und Koks: Die Zukunft des Stahls

Oberösterreich
26.04.2026 10:00

Um eine Milliarde Euro errichtet die voestalpine in Linz einen Elektrolichtbogenofen, der ab kommendem Jahr umweltfreundlichen Stahl herstellen soll. 1000 Mitarbeiter sind aktuell auf der Baustelle unterwegs. Die „Krone“ besuchte das Mega-Industrieprojekt.

Die rauchenden Schlote der voestalpine symbolisieren den Industriestandort Oberösterreich wie kaum ein anderes Kennzeichen. Doch bald ändert sich das Bild: Der Linzer Stahlkonzern tauscht Kohle und Koks gegen einen mit Grünstrom betriebenen Elektrolichtbogenofen, der umweltfreundlich Stahl herstellt.

Eine „Operation am offenen Herzen“ sei das, hört man am Werksgelände. Denn der Betrieb läuft uneingeschränkt weiter – trotz der Baustelle. Und die ist wahrlich ein Riesenprojekt: Mehr als 550 Baufirmen sind beteiligt, aktuell werken rund 1000 Arbeiter. Allein das Projektteam der Voest für den neuen Elektrolichtbogenofen – kurz EAF – umfasst 250 Leute. „Das Investitionsvolumen beträgt eine Milliarde Euro, davon werden 30 Millionen durch Förderinstrumente finanziert“, sagt Voest-Vorstand Hubert Zajicek.

Die Vergangenheit: Der Hochofen 5 in Linz, hier im Bild, wird gegen Ende 2027 stillgelegt.
Die Vergangenheit: Der Hochofen 5 in Linz, hier im Bild, wird gegen Ende 2027 stillgelegt.(Bild: Markus Wenzel)

30 Prozent weniger Emissionen
Der EAF soll 2027 in Betrieb gehen und einen der drei Hochöfen in Linz ablösen, der nach mehreren Monaten gemeinsamer Laufzeit dann stillgelegt wird. Der EAF wird mit Strom betrieben. Aus den Hauptrohstoffen Schrott und HBI (Eisenschwamm) entsteht Rohstahl. Der große Vorteil der neuen Produktionsweise im Vergleich zum alten Linz-Donawitz-Verfahren: Die Voest spart durch je einen neuen EAF in Linz und im steirischen Donawitz bis 2029 rund 30 Prozent ihrer CO2-Emissionen ein – das sind fünf Prozent des gesamten österreichischen Ausstoßes. Doch das Unterfangen birgt Herausforderungen.

Thomas Moser (li.) und Bernhard Kaiser sind Programmleiter.
Thomas Moser (li.) und Bernhard Kaiser sind Programmleiter.(Bild: Markus Wenzel)

Ein 1,7 Kilometer langer Tunnel nur für Strom
Da wäre zum einen die Kunst, mit dem neuen Verfahren Stahl in derselben Qualität herzustellen. Zum anderen wird der Energiebedarf gigantisch: Der EAF benötigt rund ein Prozent des gesamten österreichischen Strombedarfs, oder anders ausgedrückt: Der EAF verbraucht den Strom von 87 Windrädern. Die Voest hat dafür vier Monate lang einen 1,7 Kilometer langen und 25 Meter tiefen Tunnel gebohrt, durch den der Strom vom 220-kV-Versorgungsring auf das Werksgelände transportiert wird.

Durch einen 1,7 Kilometer langen Tunnel wird der Strom zum Elektrolichtbogenofen geleitet.
Durch einen 1,7 Kilometer langen Tunnel wird der Strom zum Elektrolichtbogenofen geleitet.(Bild: Markus Wenzel)

Und dann wäre schließlich noch die Herausforderung, das alles wirtschaftlich zu betreiben. Der Stahlriese ArcelorMittal hatte im Vorjahr Pläne für EAFs in Deutschland wegen hoher Stromkosten zunächst verworfen. „Wir haben unsere Transformationspläne vorsorglich modular aufgebaut und wählen damit bewusst eine andere Strategie als unsere deutschen Mitbewerber“, sagt Voest-Vorstand Zajicek dazu. Die Rechnung ist kompliziert: Auf der einen Seite stehen Investitionskosten und Energiebedarf, auf der anderen spart die Voest durch die umweltfreundlichere Produktion CO2-Zertifikate, und Kunden sind bereit, für „grünen“ Stahl mehr zu zahlen. Und schlussendlich ist das Reduzieren von Emissionen wohl auch politisch alternativlos.

In dieser Halle wird der EAF unterbracht.
In dieser Halle wird der EAF unterbracht.(Bild: Markus Wenzel)

Die Baustelle sorgt bereits für einen zweiten EAF vor
Rund 1,6 Millionen Tonnen Rohstahl soll der neue EAF jährlich produzieren – etwa so viel wie jener Hochofen, den er ablöst. In der Halle, die nun für den ersten EAF gebaut wird, hat auch ein zweiter Platz. Denn ab 2030 will die voestalpine einen weiteren Hochofen in Linz ablösen. Die rauchenden Schlote werden also weniger – es ist eine industrielle Zeitenwende.

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