Von 1998 bis 2006 begeisterte die Mystery-Dramaserie „Charmed – Zauberhafte Hexen“ die Massen. 20 Jahre nach dem Ende der Kultserie erinnert sich Brian Krause, einst Engel Leo Wyatt, im „Krone“-Talk an die Zeit mit Shannen Doherty und Co. und ergründet, warum der Kultklassiker noch immer so beliebt ist.
„Krone“: Brian, du warst letzten November im Zuge der Comic Con in Wien – konntest du auch die Stadt besichtigen?
Brian Krause: Ich war eine ganze Woche lang mit meinem Sohn in der Stadt. Wir waren nicht nur in der Innenstadt und haben uns den Stephansdom angesehen, er ist auch Musiker und hat im Café Concerto ein Konzert gegeben. Da gab es eine Open-Mic-Nacht und er hat sich gleich auf der Bühne bewiesen.
Mit der Rolle des Leo Wyatt in der beliebten Serie „Charmed - Zauberhafte Hexen“ hast du von 1998 bis 2006 Fernsehgeschichte mitgeschrieben und ein treues Fanpublikum gewonnen, das dich bei Conventions nur zu gerne besucht. Wie verspürst du diese anhaltende Beliebtheit?
Es ist ein Segen. Als Schauspieler hast du keine Ahnung, ob und wie du die Menschen überzeugst und bist auf Feedback angewiesen. Man fährt von Projekt zu Projekt, aber Conventions sind eine gute Möglichkeit, um mit den Menschen zu interagieren und dieses spezielle Gefühl zu erleben. Ich spielte einen Charakter, den die Leute in guter Erinnerung haben – was soll man sich als Schauspieler mehr wünschen? Das ist die Kirsche auf dem Eis. Ich hatte sehr viel Glück im Leben.
Bist du manchmal mit ganz besonderen, vielleicht sogar bewegenden Geschichten der Menschen konfrontiert?
Absolut, denn „Charmed“ war immer eine Familienserie. Mütter, Väter, Großeltern, Enkel – alle versammelten sich vor dem Fernseher und ich habe oft gehört, dass Menschen die Serie zur Erleichterung in schwierigen Phasen ihres Lebens gesehen haben. Das liegt sicher an den Rollen der drei Hexen, die sich in der Serie ihr eigenes Leben gemacht haben und sich von nichts beirren ließen. Sie waren anders und mussten für sich und ihre Eigenständigkeit kämpfen. Damit können sich viele Menschen identifizieren. Mein Charakter war ein Engel und wenn du gute Dinge tust, werden dir auch gute Dinge widerfahren. Ich liebe diese Botschaft und als ich die Serie drehte, war mein Sohn noch sehr jung. Ihm das früh mitgeben und zeigen zu können, war großartig.
Die Botschaft von Leo Wyatt war schon vor mehr als zwei Jahrzehnten wichtig und ist es heute wohl umso mehr. Braucht es Charaktere wie Leo, damit die Menschen sich aus der grausamen Realität herausziehen und in eine schöne Fantasiewelt hineinfallen können?
Ich weiß nicht, ob so eine Art von Charakter heute noch existiert? Schau dir die heutigen Filme an – mehr Gewalt, mehr Sex, mehr Drogen, eine derbere Sprache. Auch im Filmgeschäft scheint vieles zu verrohen. Etwas Angenehmes mit einem gewissen Moralverständnis ist selten geworden. In Zeiten von TikTok will jeder seine 15 Minuten Ruhm erreichen, aber es ist schön zu sehen, dass „Charmed“ so ein Dauerbrenner wurde und die Leute noch immer gerne hinklicken. Man sehnt sich heute nach solchen Serien im Fernsehen, weil es diese Art von Serien nicht mehr gibt. Das ist traurig, aber das Publikum dafür ist noch immer da.
Man hat das Gefühl, ihr wart damals während der Dreharbeiten ein wundervolles Team, das sehr gut miteinander auskam und harmonierte. War die Chemie wirklich so gut, wie es wirkt?
Wichtig war, dass die Hauptdarstellerinnen schon vor Drehbeginn eine gute Chemie miteinander hatten. Wenn du neun Monate lang für 12 bis 14 Stunden ans Set gehst, ist es wichtig, dass man sich in der Crew gut versteht und es keine Animositäten gibt. Es gab immer auch anderslautende Gerüchte, aber ich habe das nie erlebt. Ich ging zum Set, machte meinen Job so gut es ging, wollte nicht gefeuert werden und habe mich in keine Angelegenheiten eingemischt. Wenn man acht Jahre eng mit Menschen zusammenarbeitet, ist das wie Familie. Es gibt gute und es gibt schlechte Tage. An manchen Tagen wollte keiner mit dem anderen reden, aber den Großteil der Zeit hatten wir es wirklich toll.
Habt ihr auch nach dem Ende der Serie Kontakt gehalten?
Nein. Bis die Conventions gestartet haben, wo vor allem Shannen Doherty und Holly Marie Combs intensiv involviert waren, habe ich die Menschen über viele Jahre lang nicht gesehen. Nun reisen wir um die Welt und halten die Erinnerung am Leben. Holly, Drew Fuller, der Chris Halliwell spielte und ich haben jetzt auch den Podcast „The Wiccaning“ über die Serie und unsere Erlebnisse damals und das hat uns völlig unerwartet wieder sehr nahegebracht.
Der Podcast ist eine Mischung aus „Charmed“-Nostalgie und der Sicht von heute auf die Zeit von damals?
Wir schauen uns Episode für Episode noch einmal an und reden darüber. Analysieren Details, erinnern uns an Geschichten und setzen das manchmal auch in Relation mit unserem echten Leben. Jede Folge hatte eine bestimmte Botschaft und wir rekapitulieren, ob diese Message in unserem Leben Einzug hielt. Natürlich fallen wir während des Gesprächs oft aus dem Raster und geht es inhaltlich irgendwo ganz woanders hin.
Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man für die Menschen eher der Charakter Leo Wyatt und nicht der Mensch Brian Krause ist?
Ehrlich gesagt will niemand auf der Welt sein Leben lang auf eine bestimmte Rolle festgenagelt werden, weil das den Beruf des Schauspielers ad absurdum führen würde. Ich habe Jahre später von Casting-Agenten immer wieder gehört, dass nun Leo auftauchen würde und nicht Brian und als Leo könnte ich diese oder jene Rolle nicht bekleiden. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Als Leo Wyatt bin ich durch „Charmed“ zu einem Teil der Popkultur geworden und werde zu Comic Cons und Conventions eingeladen. Dieses Glück haben viele andere nicht, weil sie nicht das Glück hatten, eine so markante Rolle zu spielen. Sie haben vielleicht Auszeichnungen zu Hause stehen, aber die Erfolge sind irgendwann verpufft. Meine Mutter sagte mir schon immer, die Fans wären alles. Sie sind für mein Leben verantwortlich und ich kann mit ihnen interagieren. Ich war übrigens auf einer Comic Con an dem Tag, an dem sie verstarb.
Nicht dein Ernst?
Ich fragte mich natürlich, wie ich schnellstmöglich nach Hause kommen könnte, aber mein Vater rief mich damals an und meinte, ich könne ohnehin nichts machen. Das Begräbnis wäre nächste Woche, ich soll dann einfach vorbeikommen. Ich habe mich kurz verzogen, geweint und mir dann den Grundsatz meiner Mutter vorgepredigt, dass die Fans alles seien. So habe ich an dem Tag meine ganze Energie in die Convention gelegt und das hat mir geholfen. Ich weiß auch umgekehrt, wie vielen Menschen „Charmed“ in deren Leben geholfen hat – das beeindruckt mich.
Es gibt nicht so viele Darsteller da draußen, die so stark mit einer Rolle verknüpft sind. Dieses Vermächtnis hat auch den Vorteil, über Generationen hinweg präsent zu sein.
Faszinierend oder, denn als die Serie vor 20 Jahren abgesetzt wurde, hätten wir niemals ahnen können, das der Kult darum solche Züge annehmen würde. Wir haben 1998 das erste Mal gedreht und fast 30 Jahre später schauen sich die Menschen die Serie noch immer gerne an. Wie viele Serien werden immer wieder im Fernsehen ausgestrahlt und neu aufgelegt? Als Shannen Doherty vor ein paar Jahren viel zu früh verstarb, standen wir alle unter Schock. Sie liebte Conventions und die Interaktion mit den Fans. Sie übernahm die Führung und wir sind ihr nur zu gerne gefolgt.
28 Jahre seit Drehbeginn sind eine verdammt lange Zeit. Fragst du dich manchmal auch, wo all die Jahre hin sind?
Das Leben ist verdammt kurz, das bläue ich auch meinem 29-jährigem Sohn immer wieder ein. Und auch jungen Fans, denen ich begegne. Mach was du liebst und was dir guttut. Natürlich muss jeder einen Job annehmen, um die Rechnungen zu bezahlen, aber lass niemals zu, dass du Jahrzehnte später dein Leben bilanzierst und draufkommst, du hättest es vollkommen vergeudet. Du musst es immer probieren. Bewirbt dich für den Traumjob. Frag die Frau, auf die du stehst, ob sie mit dir ausgehen will. Kauf dir diese Schuhe, auch wenn es unvernünftig klingt. Ich wollte schon als Kind nur in die Schauspielerei und hatte so einen naiven Glauben daran, es schaffen zu können. Man muss es aber wollen. Ich sehe heute viele junge Darsteller, die geben sich mal ein Jahr und schauen, wie es dann weitergeht. Nein, du musst dein Leben schon vollkommen in den Dienst der Sache stellen. Anders geht es nicht. Ob du Schauspieler, Sportler oder Journalist bist, ist völlig egal – ohne Leidenschaft und Hingabe wird es keinen Erfolg geben.
Als Schauspieler entscheidet man sich automatisch für den Weg der Unsicherheit. Man weiß nie was kommt, hat kein Netz und keinen doppelten Boden. Allein deshalb muss die Passion schon sehr groß sein.
Klar, aber ich wusste eben immer, was ich wollte. Egal, ob im Film, Fernsehen oder auf einer Bühne – Hauptsache Schauspiel. Bin ich auf einer Theaterbühne glücklicher als vor einer TV-Kamera? Ich weiß es nicht, aber ich habe es probiert und es war für mich besser als andere Jobs. Ich verfolge den Traum weiter, weil das Leben zu kurz ist, um Kompromisse einzugehen, die unglücklich machen.
Wärst du auch so entspannt in diesen Aussagen, wenn sich dein Sohn denselben unsicheren Weg so fix in den Kopf gesetzt hätte?
Das ist schwierig. (lacht) Ich will, dass er es leichter hat, aber er hat dafür den falschen Weg gewählt. Er wollte immer Musiker werden und Musiker haben es wesentlich härter als Schauspieler. Man muss seine Musik besitzen und sie verbreiten, um überhaupt Geld zu verdienen. Er hatte aber auch keine Wahl, weil er, so wie ich auch, seiner Leidenschaft und seinen Instinkten folgt. Ob er vor Millionen Fans in den größten Stadien der Welt oder der kleinen Bar ums Eck spielt, macht für mich keinen Unterschied – ich würde ihn sowieso immer unterstützen. Ob du vermögend bist oder nicht, wenn du, so wie ich, einmal Mitte 50 bist, wirst du automatisch glücklicher mit deinem Leben. Manchmal passt auch der Weg nicht. Ich war mit einem guten Freund in der Schauspielschule, der dort keinen Fuß fasste. Heute ist er angesehener Anwalt mit zwei eigenen Büros und er schrieb auch schon ein Buch.
Viele Wege können zum Glück führen. Man muss allerdings wissen, welcher Weg der richtige für einen ist …
Vor ein paar Monaten habe ich etwas Zeit mit ihm verbracht und er verriet mir, er würde immer noch gerne schauspielern, auch wenn er mit seinem Leben total glücklich ist. Er hat alles Geld der Welt, aber der Wunsch nach diesem Gefühl, eine Rolle zu bekleiden, der ging nie weg. Wenn er in ein paar Jahren in die verdiente Pension gleitet, wird er es sicher wieder versuchen. Ich habe alles erlebt. Ich war pleite, hatte große Probleme und wusste oft nicht weiter, aber ich kann durch meinen Job die ganze Welt bereisen, neue Kulturen und unzählige Menschen kennenlernen. Auch wenn ich finanziell kein Milliardär bin - ich bin es, durch die Leidenschaften in meinem Leben. Für kein Geld der Welt hätte ich den Zugang zur Schauspielerei gekappt.
Am Todesbett wirst du dich kaum danach fragen, wie viel Geld du früher verdient hast.
Exakt. Dein Besitz ist unwichtig. Aber da kommen die meisten zu spät drauf.
Hast du im Leben immer die richtigen Abzweigungen genommen oder bereust du rückblickend auch einige Dinge?
Das Wort Reue ist hart. Ich war eine Zeit lang schwerer Trinker und durch meine Depressionen gerieten die Dinge außer Kontrolle. Ich bereue aber auch das nicht, weil es mir half, meinen Weg zu meinem heutigen Selbst zu finden. Wünschte ich, ich hätte das Problem im Keim erstickt oder früher erkannt? Natürlich, mein Leben wäre heute aber auch sicher anders. Ich habe gelernt, dass auch Rückschläge zum Leben dazugehören. Sie haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin.
In der Zeit meiner Sauferei hatte ich nicht meine besten Rollen und viele habe ich deshalb nicht bekommen. Ich habe meinen Traum aber weiterverfolgt und mich nicht dazu entschieden, stattdessen kellnern zu gehen. In depressiven Phasen trifft man nicht die besten Entscheidungen, das gilt auch für Beziehungen. Ich hätte sicher ein besserer Freund und Vater sein können, aber durch all die negativen Erfahrungen kann ich offen und ehrlich mit meinem Sohn darüber reden. Ihm zeigen, welche Konsequenzen hinter Taten stecken. Das ist ein viel besserer Weg, als mit dem Zeigefinger zu wedeln und zu verbieten. Ich gebe ihm keine Anweisungen, berichte aber, was ich erlebt oder verbockt habe.
Jedes Kind wird genau das Gegenteil von dem machen, was man ihm sagt, dass es nicht tun soll …
Natürlich, deshalb ist der Zugang eines Gesprächs durch meine negativen Erfahrungen in dem Sinn gar nicht so schlecht. Er hört mir auch zu und nimmt das ernsthaft auf, weil er weiß, dass es ein echtes Problem war.
Stärkt diese offene und ehrliche Form der Kommunikation eure Beziehung zueinander?
Ja, aber ich habe ihm schon immer erlaubt, die eigenen Entscheidungen zu treffen und daraus die Konsequenzen zu tragen. Mit 29 hat er längst selbst viel gelernt und will keine weisen Ratschläge mehr hören, aber wir haben eine tolle Beziehung und alles sehr gut hingekriegt.
Was wird man von dir in Zukunft alles hören und sehen?
Auf jeden Fall geht es mit dem wöchentlichen Podcast weiter, dann gab es unlängst einen Weihnachtsfilm namens „Slay Ride“ und dann war ich für „Die Hart“ mit Kevin Hart vor der Kamera. Ich spiele eine sehr kleine, aber feine Rolle. Ansonsten bin ich viel auf Comic Cons und Conventions unterwegs und versuche so viel gute Zeit wie möglich mit meinem Sohn zu verbringen.
Gibt es eine bestimmte Rolle in der Filmhistorie, die du aus bestimmten Gründen furchtbar gerne gespielt hättest?
Es gab einige Rollen, für die ich vorsprach und die ich dann nicht bekommen habe. Dieser verdammte Matt Damon hat mir bei „Der Soldat James Ryan“ und die „Die Legende von Bagger Vance“ gleich zwei Rollen in kurzer Zeit vor der Nase weggeschnappt. (lacht) Er ist natürlich großartig und hat das verdient, aber ich bin kein schlechter Golfer und hatte in „Bagger Vance“ tatsächlich große Hoffnungen gesetzt. Man muss aber auch ehrlich zu sich selbst sein und Matt spielt in einer anderen Liga. Das ist wie beim Sport. Nicht jeder kann Lionel Messi sein, es muss auch Fußballer in schwächeren Ligen geben. Ich habe mit dieser Rolle keine Probleme.
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