Im September soll es so weit sein: Die Synagoge in der Wiener Seitenstettengasse öffnet, gründlich saniert und restauriert, ihre Pforten für Gläubige und Besucher. Die „Krone“ warf einen Blick in die Großbaustelle – und sprach mit den beiden Architekten über überraschende Funde und Herausforderungen.
Nur die wenigsten, die hier zwischen Bars und Restaurants vorbeispazieren, vermuten hinter der Altbaufassade in der Seitenstettengasse 4, dass sich hier seit 200 Jahren der „spirituelle Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde“ befindet, wie der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oskar Deutsch sagt.
Die prächtige, 1826 eröffnete und einst von Architekt Joseph Kornhäusel entworfene Synagoge hat sogar die NS-Zeit weitgehend unbeschadet überstanden – nun nagt aber der Zahn der Zeit an ihr.
Spenden werden noch für die Sanierung benötigt
10,5 Millionen kostet die Sanierung, die bereits im Herbst abgeschlossen sein soll. Finanziert wird der Umbau zu je einem Drittel von der Republik Österreich und von der Stadt Wien – der Rest sind Spenden, von denen bisher rund 81 Prozent aufgestellt worden sind. Man benötige dennoch noch kräftige Unterstützung von privater Seite, betont Deutsch. Auf der Homepage des Stadttempels kann jeder, der möchte und kann, ein paar Euro spenden. Auch einer der goldenen Sterne an der prächtigen, himmelblauen Kuppel der Synagoge kann, für etwas mehr Geld, gewidmet werden.
Der Stadttempel ist nicht nur eine Visitenkarte für die jüdische Gemeinde, sondern auch eine für Österreich und für die Stadt Wien.

IKG-Präsident Oskar Deutsch
Bild: APA/GEORG HOCHMUTH
Bausubstanz erhalten, aber auf modernem Stand der Dinge
Brandschutz, Barrierefreiheit, Energieeffizienz, Sicherheit – und all das, ohne die historisch gewachsene Substanz zu zerstören, ist die Mammutaufgabe der beiden Architekten Natalie Neubauer und Eric Tschaikner. Die trotz der fordernden Arbeit betonen, bestens mit dem Bundesdenkmalamt zusammenzuarbeiten. Alte Steinböden wurden entdeckt, historische Pläne gewälzt. Oft geht es um die Frage, inwiefern ein Erhalt entdeckter alter Bausubstanz mit den Auflagen und Notwendigkeiten des 21. Jahrhunderts in Einklang zu bringen sei.
Eigene Briefmarke mit Sonderpostamt
Auch um die Bänke im „Kirchenschiff“ der Synagoge wurde diskutiert. Von der ursprünglichen Bestuhlung von vor 200 Jahren gab es nämlich keinerlei Fotomaterial. Im September soll dann mit einem Festakt, zu dem auch Österreichs politische Spitze geladen ist, mit einem Konzert, einer eigens gestalteten Briefmarke mit Sonderpostamt sowie einer Festschrift eröffnet werden. Laut Deutsch sollte sich das im Gegensatz zu anderen Großbaustellen, „mit etwas von Gottes Hilfe“, auch ausgehen.
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