Was als Theaterprojekt junger Rebellen begann, ist mittlerweile ein Grundpfeiler der Kulturarbeit in der Südweststeiermark. Heuer feiert die Kulturinitiative Kürbis Wies ihren 50. Geburtstag – mit einem bunten Programm und einem verjüngten Team.
Als „revolutionär“ und „aufrührerisch“ bezeichnet Karl Posch jene Gruppe an Jugendlichen, die ab 1971 in und um Wies das Theater für sich entdeckte. „Gespielt wurde in Spelunken und auf der Straße. Wir haben Nestroy zerhäckselt und am Marktplatz zu Ostern und zu Weihnachten für Aufsehen gesorgt – das war unreif, aber dieser Akt der Revolution erschien uns damals notwendig“, erinnert sich Posch.
Das Ziel: „Wir wollten eine Alternative zu den üblichen Volkstheaterstücken bieten, die überall gespielt wurden.“ Und so wurden die zeitgenössische Dramatik und eigens für Wies geschriebene Texte zu den ersten Steckenpferden der Gruppe, die sich 1976 auch als Verein organisierte – zuerst unter dem Namen „Kalendarium Wies“ und ab 1991 als „Kulturinitiative Kürbis Wies“.
Kunst aus der Region und für die Region
Dabei verfolgte man stets die Prämisse der Regionalität: „Wir wollten nicht einfach Produktionen aus der Stadt einkaufen, sondern Kunst aus der Region heraus produzieren – mit den Menschen hier und für die Menschen hier“, sagt Posch. Ähnlich war es auch mit den Spielstätten: „Unser Zugang war immer, dass wir Leerständen im Ort mit Kultur neues Leben einhauchen.“ So wurde etwa eine ehemalige Schlosstenne und das Dachgeschoss der Feuerwehr zu Spielorten. 2012 dann verwandelte man das ehemalige Schwimmbad der Schule in ein Atelier, 2019 eröffnete man eine Galerie im Pfarrzentrum. „Immer mit Unterstützung der Gemeinde“, betont Posch. „Zum Glück hatten wir immer Bürgermeister, die kunstsinnig waren.“
Diese Philosophie bleib auch erhalten, als man Ende der 1980er-Jahre das Angebot in andere Sparten erweiterte: 1989 wurde der Buchverlag „Edition Kürbis“ gegründet, 1998 dann auch das Plattenlabel „pumpkin records“ – beides über weite Strecken getragen von Autor und Musiker Wolfgang Pollanz. Über Residency-Programme etwa holte er immer wieder Autorinnen und Autoren in die Region – diese Aufenthaltsstipendien sind auch ein wichtiger Teil der Sparte Bildende Kunst, die auch im Portfolio des Kürbis zu finden ist: Im Frühjahr etwa arbeitet die junge Künstlerin Lara Adam in Wies.
Generationenwechsel an der Kürbis-Spitze
Und dieses Konzept hat auch Zukunft: Das Plattenlabel hat Pollanz bereits an Gabriel Schmid übergeben, beim Verlag steht demnächst die Übergabe an Andrea Stift-Laube bevor. Und auch in den Sparten Bildende Kunst (Katharina Sieghartsleitner) und Theater (Melina Schuster) ist bereits eine junge Generation am Ruder. Dennoch blickt Posch nicht nur optimistisch in die Zukunft: „Es läuft gut und wir wollen wirklich nicht jammern“, sagt er, stellt aber auch fest: „Mit den Förderungen, die seit Jahren nicht mehr erhöht wurden, kommen wir wegen der Teuerung gerade so durch. Und auch Freiwillige zu finden, die den Betrieb mit Leidenschaft mittragen, wird immer schwieriger.“
Das ändert jedoch nichts am Elan, mit dem man in das heurige Jubiläumsjahr geht: Drei neue Theaterproduktionen, vier Ausstellungen, unzählige Lesungen und Konzerte sowie natürlich auch eine große Geburtstagssause stehen auf dem Plan. Der Kürbis wird also weiter gedeihen.
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