Der frühere deutsche CDU-Politiker Christian Schwarz-Schilling (†95) ist am Ostermontag gestorben. Das bestätigte die hessische CDU laut „Bild“-Zeitung dem Hessischen Rundfunk. Seine politische Blütezeit hatte Schwarz-Schilling als Postminister von 1982 bis 1992 im Kabinett des verstorbenen Bundeskanzlers Helmut Kohl.
Er gilt als der Mann, der den Ausbau des Kabelfernsehens vorantrieb, den Weg für das Privatfernsehen ebnete und die damalige Bundespost mit Reformen in ein neues Zeitalter der Privatisierung führte. Damit war er weit mehr als nur ein „Postminister“. In einer Zeit des Umbruchs wurde er zum politischen Gestalter, dessen Entscheidungen Deutschland bis heute prägen. Auch die Einführung des Mobilfunkstandards GSM fällt in seine Amtszeit.
Der CDU-Politiker leitete im Jahr 1982/82 die Enquete-Kommission „Neue Informations- und Kommunikationstechniken“. Sein übergeordnetes Ziel war laut der „Kohl-Stiftung“ sich als Postminister „selbst überflüssig zu machen“, da er die veraltete Staatsbehörde in ein modernes Wettbewerbsmodell überführen wollte.
Rücktritt aus Protest im Bosnien-Krieg
Schwarz-Schilling trat 1960 in die CDU ein und gehörte von 1966 bis 1987 dem hessischen Landtag an. Von 1976 bis 2002 war er Abgeordneter im Deutschen Bundestag. 1992 wagte er einen bemerkenswerten Schritt und trat als Bundesminister aus Protest gegen die aus seiner Sicht zu zögerliche Haltung der Bundesregierung im Bosnien-Krieg zurück.
Danach engagierte er sich stark als Vermittler im Balkan. Später war er von 2006 bis 2007 Hoher Repräsentant und EU-Sonderbeauftragter für Bosnien-Herzegowina und blieb dem Land auch danach eng verbunden, unter anderem durch Lehrtätigkeit in Sarajevo und in Friedensprojekten. 2003 gründete er die Schwarz-Schilling-Stiftung für Völkerverständigung. Für sein Engagement erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter die Wilhelm-Leuschner-Medaille und den Hessischen Friedenspreis sowie die Ehrenbürgerwürde von Sarajevo.
In Innsbruck geboren
Schwarz-Schilling wurde am 19. November 1930 in Innsbruck geboren und wuchs in Deutschland auf. Er studierte Geschichte sowie ostasiatische Kultur- und Sprachwissenschaften und promovierte 1956 über chinesische Diplomatie im 11. Jahrhundert. Vor seiner politischen Karriere war er Unternehmer und Geschäftsführer der Accumulatorenfabrik Sonnenschein in Büdingen.
Christian Schwarz-Schilling war mit der Unternehmerin und Autorin Marie-Luise Schwarz-Schilling (†92) verheiratet. Sein Vater Reinhard Schwarz-Schilling war Komponist, seine Mutter Dusza von Hakrid Pianistin. Seine Mutter war jüdischer Herkunft, ihre Identität wurde in der NS-Zeit verschleiert, wie er erst später erfuhr.
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