Kontakt mit Mutter

Heimkinder fühlen sich unter Druck gesetzt

Österreich
07.04.2026 12:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

Kinder und Jugendliche, die von der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) betreut werden, fühlen sich oft unter Druck gesetzt, Kontakt zu ihren leiblichen Eltern zu halten. Das ist eines der Ergebnisse einer Befragung der Universität Klagenfurt. Dabei geht es vor allem um die Mutter.

Grundsätzlich seien die leiblichen Eltern der Kinder und Jugendlichen zwar oft präsent, allerdings würden sie im sozialen Netzwerk neben anderen Personen wie Betreuungspersonal und Geschwistern meist eine untergeordnete Rolle spielen, heißt es. Gesellschaftliche Erwartungen daran, wer in einer Familie welche Rolle übernimmt, wirken sich auch auf die Kinder- und Jugendhilfe aus. Mütter werden laut dem Forschungsteam eher dazu angehalten, den Kontakt aufrechtzuerhalten – selbst wenn die Beziehung von Konflikten geprägt ist. Befragte gaben an, sich gesellschaftlich und innerlich unter Druck gesetzt gefühlt zu haben, die teils schädliche Beziehung zu ihrer Mutter zu pflegen.

Für die Studie sprach das Team um den Sozialpädagogen Stephan Sting mit 41 sogenannten „Care Leavers“ im Alter von 18 bis 27 Jahren, die in Betreuungseinrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oder in Pflegefamilien aufgewachsen sind. Demnach werden die leiblichen Väter im Betreuungssystem eher ignoriert, unabhängig ihrer Rolle. „In manchen Fällen wurde der Kontakt zum Vater deutlich positiver wahrgenommen, die Mutter hat es aber geschafft, sich im Betreuungssystem in den Vordergrund zu setzen und den Vater abzuwerten“, sagte Sting. 

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In manchen Fällen wurde der Kontakt zum Vater deutlich positiver wahrgenommen, die Mutter hat es aber geschafft, sich in den Vordergrund zu setzen.

Sozialpdagoge und Studienleiter Stephan Sting

Geschwister und Großeltern relevant
Hochrelevante Bezugspersonen seien für die Kinder und Jugendlichen zum Zeitpunkt der Unterbringung Geschwister und Großeltern gewesen. Sie seien aber oft getrennt von Geschwistern untergebracht worden, sagte Sting. Großeltern würden meist nicht in die Arbeit im System eingebunden. „Unser Anliegen ist, dass hier viel intensiver mit den Jugendlichen selbst geschaut wird, wer für sie wichtige familiäre Bezüge sind. Dann sollte man versuchen, zusammen den Kontakt mit diesen Menschen zu pflegen“, sagte der Sozialpädagoge.

Fehlende Angebote für über 18-Jährige
Würden Bezugspersonen stärker in die Arbeit der Fachkräfte einbezogen, könne das auch helfen, die Jugendlichen besser auf ihre Eigenständigkeit vorzubereiten. Untersucht wurde auch der Übergang von der Betreuung durch die KJH beziehungsweise Pflegefamilien in ein selbstständiges Leben. Jährlich müssen etwa 3000 junge Menschen die Einrichtungen mit Erreichen der Volljährigkeit verlassen. Andere Unterstützungsangebote seien dann Mangelware, heißt es in der Studie aus Klagenfurt. „Die jungen Menschen entwickeln sich in der Regel gut, sind hoch motiviert, und dann lässt man sie von heute auf morgen fallen“, sagte Sting. Herausforderungen seien etwa die Wohnungssuche, der Arbeitsantritt oder die Wahl der Ausbildung.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Children and Youth Services Review“ veröffentlicht.

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