Barbara Frischmuth

Ihre Literatur blüht weiter wie eine wilde Blume

Steiermark
29.03.2026 10:00

Vor einem Jahr hat Österreich mit Barbara Frischmuth eine prägende Künstlerin des 20. Jahrhunderts verloren. In Graz wird ihr Nachlass aufgearbeitet, viele Texte drehen sich um ihren Garten in Altaussee, der mittlerweile verkauft wurde.

Am 30. März jährt sich der Todestag von Barbara Frischmuth, der Grand Dame der heimischen Nachkriegsliteratur, zum ersten Mal. Doch in der Steiermark ist ihr Erbe sehr lebendig: Beim Grazer Literaturhaus wurde ein Park nach ihr benannt, das Stieglerhaus hat einen Literaturpreis nach ihr benannt, das Bookolino-Festival wird heuer ihren Kinder- und Jugendbüchern einen Schwerpunkt widmen und in der aktuellen Ausstellung im Grazer Kunsthaus, ist Frischmuths Gartenschere zu bewundern.

Bis zuletzt hatte sie diese fast täglich in Gebrauch, hat ihr sogar einen Essay gewidmet. „Es ist eigentlich fast poetisch“, sagt Daniela Bartens, die am Franz-Nabl-Institut in Graz den Nachlass von Frischmuth verwaltet. In einem ihrer Gartenbücher – „Der unwiderstehliche Garten“ – hat Frischmuth einst darüber nachgedacht, wie es sein wird, wenn der geliebte Garten in ihrem Haus in Altaussee nach ihrem Tod verwildert. „Und genau so ist es passiert, die Natur hat ihren Lauf genommen“, sagt Bartens.

Eine Pionierin des „Nature Writing“
Denn das Haus in Altaussee wurde mittlerweile verkauft, Frischmuths Garten wird mit den neuen Besitzern wohl auch eine neue Form annehmen. Aber es bleiben all die Bücher, die Frischmuth über diesen Garten und die Natur geschrieben hat. „Sie war in den 1970er-Jahren mit ihren Texten, die etwa aus der Perspektive von Tieren und Pflanzen auf die Welt schauen, eine Pionierin dessen, was heute als Nature Writing voll im Trend liegt und sogar ein eigenes Genre bildet“, sagt Bartens. Über Natur zu schreiben, kam für Frischmuth dabei natürlich: „Ihre Tante hat ihr als Kind schon Blumenmärchen erzählt, die für sie auch ein erster Impuls waren, selber zu schreiben.“

Barbara Frischmuths Gartenschere ist aktuell in der Ausstellung „30% Löwenzahn“ im Grazer ...
Barbara Frischmuths Gartenschere ist aktuell in der Ausstellung „30% Löwenzahn“ im Grazer Kunsthaus zu sehen.(Bild: Kunsthaus Graz/J.J. Kucek)

Ohnehin sei bei Frischmuth schon in jungen Jahren ein „Nukleus an Themen vorhanden gewesen, mit denen sie sich ein Leben lang immer wieder beschäftigt hat“, sagt Bartens. Neben der Natur war das etwa die Überschreitung von Grenzen zu anderen Ländern und Kulturen – etwa in ihren Türkei-Büchern. Aber auch die Überschreitung der Grenzen zwischen der realen und mythischen Welten hat sie zeitlebens beschäftigt: „In ihrem Nachlass sind viele Sachbücher und auch philosophische Werke zu diesem Thema mit Unmengen an persönlichen Randnotizen“, sagt Bartens.

Eine starke Frau, die sich nie als Feministin sah
Und natürlich hat sie sich auch immer wieder mit der Rolle der Frau und mit ihrer eigenen Geschichte beschäftigt – mit „Die Klosterschule“ feierte sie 1968 ihr fulminantes Debüt, zuletzt wurde „Verschüttete Milch“ 2019 zu einem Bestseller. „Interessant ist, dass Frischmuth eine eigene Form der Weiblichkeit gelebt hat. Sie hat immer ihr Ding durchgezogen, war aber keine klassische Feministin, hat sich etwa bewusst auf Pressebildern als Gärtnerin inszeniert – also auch mit Bildern typischer Weiblichkeit gespielt.“

Mit diesem ihr eigenen Blick auf die Welt und die Literatur hat Frischmuth ein Lebenswerk geschaffen, das weit über ihren Tod hinaus Relevanz haben wird. „Das Interesse an ihr ist immer noch groß“, sagt auch Bartens, die immer wieder Forschenden Zugang zu Frischmuths Nachlass ermöglich. Ist dort noch viel Unbekanntes zu finden? „Es gibt einen unveröffentlichten Roman, den sie selbst nicht publiziert haben wollte“, sagt Bartens. Zudem noch einige unveröffentlichte Geschichten und zahlreiche Tagebücher aus den 1950er und 60er-Jahren, die etwa ihren Blick auf die Entstehung des Forum Stadtpark zeigen. „Außerdem gibt es kistenweise Fotografien – viele davon von ihrem Garten und von Blumen.“

Und immer wieder findet sich in diesen Fotografien und auch in vielen ihrer Texte ein Motiv, das ihren Blick auf die Natur und die Literatur auf den Punkt bringt: Mitten auf einem Komposthaufen blüht wild eine Blume auf.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Steiermark
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt