Brisanter Bericht

Missbrauchsfälle: Akten verschwanden im Vatikan

Ausland
19.03.2026 08:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Medienbericht sieht Hinweise auf eine mögliche Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche durch den Vatikan. Joseph Ratzinger, der spätere deutsche Papst Benedikt XVI., soll darin prominent verstrickt gewesen sein.

Die Rechercheplattform „Correctiv“ stützt sich in dem Bericht auf 20 gesammelte Briefwechsel zwischen Bischöfen aus aller Welt an den Vatikan, in denen Missbrauchsfälle gemeldet wurden. Meldungen über sexuellen Missbrauch in den Bistümern gab es insbesondere 2001, als eine Meldepflicht dafür eingeführt wurde.

„Organisiertes Verbrechen“
Die Akten wurden dann von der zuständigen vatikanischen Behörde, der Glaubenskongregation, systematisch aufbewahrt und mit Protokollnummern erfasst – aber offenbar streng unter Verschluss gehalten. Demnach handelte der Vatikan bei solchen Fällen erst spät, hob Strafen sogar wieder auf und wahrte stets absolute Geheimhaltung. Correctiv spricht von einem „organisierten Verbrechen im Vatikan“.

Die Glaubenskongregation ist eine der mächtigsten Behörden des Vatikan und heißt heute Dikasterium für die Glaubenslehre. Behördenchef war von 1981 bis 2005 Joseph Ratzinger. Er wurde 2005 zum Papst gewählt und trat 2013 überraschend zurück. Am 31. Dezember 2022 starb der emeritierte Papst im vatikanischen Kloster „Mater Ecclesiae“.

Missbrauchsfälle in aller Welt wurden an den Vatikan gemeldet. Dort sollten die Fallakten aber ...
Missbrauchsfälle in aller Welt wurden an den Vatikan gemeldet. Dort sollten die Fallakten aber offenbar im bürokratischen System verschwinden.(Bild: AFP/Tiziana FABI)

Hinterließ „große, weiße Kiste“
Seit Längerem wird davon ausgegangen, dass es in den Archiven des Vatikan im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch bestimmte Dokumente gibt, die nicht veröffentlicht werden dürfen. Auch Benedikts Nachfolger Papst Franziskus erwähnte in seiner wenige Monate vor seinem Tod 2025 veröffentlichten Autobiografie eine „große, weiße Kiste“ mit Dokumenten über verschiedene Skandale der römisch-katholischen Kirche, die ihm sein Vorgänger überreicht habe.

Die von „Correctiv“ durchgesehenen Dokumente sollen dem Bericht zufolge belegen, dass Missbrauchsfälle in den Archiven des Vatikan geheim gehalten und in einem „bürokratischen System verschwinden“ gelassen wurden. Auf Anfragen der Rechercheplattform bei verschiedenen Stellen im Vatikan gab es keine Antwort. 

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