Das Vertrauen junger Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in die Politik bleibt auf niedrigem Niveau. Immer weniger fühlen sich mit ihren Anliegen politisch vertreten. Groß sind das politische Interesse und die demokratische Teilhabe. Weiterhin eine hohe Zustimmung erfährt die Demokratie selbst.
Unterschiede zeigen sich laut einer am Dienstag im Parlament präsentierten Zusatzbefragung zum „Demokratie Monitor 2025“ des Forschungsinstituts Foresight je nach Einkommen, Bildung und Geschlecht.
Immer weniger vertrauen der Politik
Mit 44 Prozent stellte wie schon 2024 auch 2025 nicht einmal die Hälfte der befragten jungen Menschen dem politischen System ein positives Zeugnis aus. Bei der erstmaligen Erhebung im Jahr 2018 lag dieser Wert noch bei 69 Prozent. Allerdings waren die über 1000 jungen Menschen bei der Befragung im Herbst 2025 von der Funktionsfähigkeit des politischen Systems überzeugter als ältere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer. Von den Befragten im Alter von 27 Jahren und darüber befand nur ein Drittel, dass das politische System zumindest gut funktioniert.
Auf hohem Niveau stabilisiert hat sich die Zustimmung zur Demokratie als Staatsform mit 89 Prozent und entspricht damit der Stimmung in der Gesamtbevölkerung. Auch vertrauten junge Menschen in ähnlichem Ausmaß wie die durchschnittliche Bevölkerung politischen Institutionen. Beim Vertrauen zeigte sich auch unter den Jungen ein deutlicher Unterschied zwischen jenen Institutionen, die politische Regeln festlegen, und jenen, die diese durchsetzen. Am meisten Vertrauen erfuhren Polizei und Gerichte mit jeweils 68 Prozent, laut Studienautorin Martina Zandonella ein stabiler Wert.
Rückläufig sei hingegen das Vertrauen in politische Vertretungsorgane. Zwei Drittel vertrauten ihren Bürgermeisterinnen oder Bürgermeistern, über die Hälfte immerhin dem Bundespräsidenten. Mit dem geringsten Vertrauen musste sich die Bundesregierung mit 37 Prozent begnügen. Auch das Parlament mit 41 Prozent und die Landtage mit 44 Prozent erfuhren nur mäßiges Vertrauen. Etwas besser schnitten die EU-Institutionen ab.
Leistbarkeit und Repräsentationslücke
Zandonella begründete die niedrigen Werte mit Krisen wie der Pandemie oder Konflikten, die sich auf Lebenshaltungskosten auswirkten. Auch leistbares Wohnen und Themen rund um Schule, Bildung und Arbeit beschäftigten die junge Generation der Befragung zufolge am meisten.
Auch die Repräsentationslücke im Parlament spiele eine Rolle. Nur noch ein knappes Drittel fühlte sich mit seinen Anliegen im Parlament vertreten. Im Vergleich zur ersten Erhebung 2018 hat sich dieser Wert halbiert. Finanziell abgesicherte junge Menschen, höher Gebildete und Männer fühlten sich allesamt deutlich besser vertreten als Junge aus finanziell benachteiligten Verhältnissen, niedriger Gebildete und Frauen. Die Unterschiede bewegten sich in den Vergleichsgruppen jeweils zwischen 12 und 13 Prozentpunkten. Nur fünf der 180 Nationalratsabgeordneten sind unter 30 Jahre alt, davon eine Frau.
Keine Spur von Politikverdrossenheit
Positiv sticht das politische Interesse unter jungen Menschen hervor. Innerhalb eines Jahres waren neun von zehn Befragten zumindest einmal politisch aktiv und nahmen etwa an Wahlen oder Demonstrationen teil oder arbeiteten in Parteien oder Interessensvertretungen mit. Fast gleich viele gaben an, sich zumindest einmal pro Woche über politische Themen zu informieren.
Mit 69 Prozent bezog die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen Informationen über soziale Medien, insbesondere von Instagram – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2018. Als das politische Verhalten erstmals vom „Demokratie Monitor“ erhoben wurde, informierte sich nur knapp ein Drittel der 16- bis 26-Jährigen über soziale Medien. Doch auch herkömmliche Medien konnten sich als Informationsquelle halten. Erstmals wurde erhoben, dass 27 Prozent KI-Chatbots, zum Beispiel ChatGPT, zum politischen Geschehen befragten.
Abgeordnete größtenteils einig
Bei einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Präsentation der Ergebnisse waren sich die fünf anwesenden Abgeordneten aller Parlamentsparteien einig – man müsse vermehrt Angebote schaffen, die Jugendlichen politische Teilhabe und Zugang zu demokratischen Institutionen und Informationen ermöglichen. Weniger Einigkeit herrschte bei einer Frage zur derzeit im Raum stehenden Altersbeschränkung für soziale Medien, wo sich nur die FPÖ dagegen aussprach. Deren Vertreter, Sebastian Schwaighofer, sah in den Studienergebnissen einen weiteren Grund für die ablehnende Haltung seiner Partei.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.