Camus‘ „Die Gerechten“

Gibt es den gerechten Mord? Brachiales Moral-Drama

Tirol
17.03.2026 16:00

Brachial und brutal wird auf der Bühne der Kammerspiele der Frage nachgegangen, welche Mittel im Kampf für eine bessere Welt eingesetzt werden dürfen. Ist man bereit, zu töten?

Kann es einen guten Grund geben, jemanden umzubringen? Gibt es gerechtfertigte Gewalt? Diese Frage scheidet die Geister – man sieht es alleine daran, dass in manchen Ländern die Todesstrafe existiert, in anderen nicht. Dieser schwierigen Frage geht Albert Camus in seinem Drama „Die Gerechten“ (Uraufführung 1949) nach, welches am Samstag in den Innsbrucker Kammerspielen Premiere feierte.

Stefan Riedl, Daniela Bjelobradić, Tommy Fischnaller- Wachtler und Patrick Ljuboja als ...
Stefan Riedl, Daniela Bjelobradić, Tommy Fischnaller- Wachtler und Patrick Ljuboja als terroristische Gruppe.(Bild: CORDULA TREML)

Das Theaterstück basiert auf wahren Begebenheiten: 1905 verüben Sozialrevolutionäre einen Anschlag auf den russischen Großfürsten Sergei. Doch Zweifel an dem geplanten Bombenwurf kommen auf, als in der Kutsche des Großfürsten Kinder sitzen. Für die Revolution zu sterben ist das eine, doch für sie zu töten? Es muss sein, ist man sich einig. Doch Kinder ermorden für ein Ideal? Ein durchaus emotionales Streitgespräch bricht in einem immer beklemmender werdenden Bühnenbild über das Publikum herein.

Trist und schlicht sind die Requisiten, keine großen Effekte, wenig Musik-Einsatz. Die Schauspieler arbeiten vor allem mit dem, was sie selbst mitbringen: Stimme und Körper. Und das gekonnt. Trotz des Fokus auf den Dialog über ein hoch-philosophisches Thema überträgt sich die Emotion auf das Publikum, schnürt ihm die Tragik der Ausverhandlung über das, was richtig und was falsch ist, die Luft ab. Die einen handeln aus Liebe, die anderen aus Hass – der ja bekanntlich nicht das Gegenteil von Liebe ist, denn das wäre Gleichgültigkeit. Und gleichgültig ist keine der Figuren.

(Bild: CORDULA TREML)

Eine Vibration der Betroffenheit, die in Zeiten der Politikverdrossenheit unter die Haut geht. Mit ausgeworfenem Anker in die Gegenwart, so ist auch der Fall Luigi Mangione, der in New York auf seinen Prozess wegen des Mordverdachts in der Causa Brian Thompson wartet, Thema.

Ein gelungenes Stück in der Regie von Anne Mulleners unter großartigem schauspielerischen Talent. Tommy Fischnaller-Wachtler, Daniela Bjelobradić, Christoph Kail, Patrick Ljuboja, Stefan Riedl, Petra Alexandra Pippan und Lukas Bamesreiter sind ein tolles Ensemble und überzeugen eindrucksvoll.

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