09.06.2014 14:43 |

Beispieloser Fall

Flug MH370: Fast 100 Tage vergebliche Spurensuche

Ein Flugzeug mit 239 Menschen an Bord verschwindet am 8. März kurz nach Mitternacht. Spurlos. Eine beispiellose Suche unter weltweiter Beteiligung nach Flug MH370 beginnt. Doch nach fast 100 Tagen gibt es weiter keine Spur der Boeing 777 der Malaysia Airlines. Verschwörungstheorien sprießen. Der Fall ist beispiellos in der jüngeren Luftfahrtgeschichte.
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Angehörige von Insassen wollen mittlerweile die Sache selbst in die Hand nehmen und umgerechnet 3,7 Millionen Euro für Insider-Hinweise zum Verbleib der Maschine ausloben (siehe Story in der Infobox). Im Folgenden ein Abriss der letzten drei Monate seit dem Verschwinden von Flug MH370:

Wann gab es den letzten Kontakt?
Es ist der 8. März, kurz nach Mitternacht Ortszeit in Malaysia. Flug MH370 der Malaysia Airlines hebt in Kuala Lumpur ab. Die beiden Piloten und zehn Flugbegleiter haben alle Hände voll zu tun, während die 227 Passagiere an Bord sich für den Nachtflug nach Peking einrichten. "Gute Nacht, Malaysian drei sieben null", meldet sich jemand aus dem Cockpit ordnungsgemäß kurz vor Eintritt in den vietnamesischen Luftraum ab. Danach herrscht Funkstile.

Was fördern die Ermittlungen zutage?
Zunächst vor allem Chaos. Wann der letzte Kontakt war, was das Cockpit meldete - die malaysischen Ermittler sind konfus und korrigieren ihre Angaben ständig. Dutzende Schiffe und Flugzeuge werden im Südchinesischen Meer zwischen Malaysia und Vietnam auf Wracksuche geschickt. Nach einer Woche eine Wende: Regierungschef Najib Razak sagt, die Kommunikationssysteme an Bord seien "mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich" abgeschaltet worden. Satelliten hätten noch fast sieben Stunden Signale der Maschine aufgefangen. Die mögliche Flugroute ging entweder über Nordthailand bis Turkmenistan oder an Indonesien vorbei auf den Indischen Ozean hinaus.

Was passiert mit den Angehörigen?
Zwei Drittel der Passagiere an Bord waren Chinesen. Malaysia Airlines betreut Angehörige in Hotels in Peking und Kuala Lumpur, auch mit Psychologen. Die chinesischen Angehörigen und die Behörden erheben schwere Vorwürfe gegen Malaysia Airlines. Sie fühlen sich schlecht informiert. Die Schließung der Hotelzentren nach einigen Wochen bringt weitere Kritik. US-Anwälte suchen in Peking und Kuala Lumpur nach Mitstreitern für eine Sammelklage. Die Allianz-Versicherung führt ein Konsortium an, das die Flotte von Malaysia Airlines versichert und beginnt drei Wochen nach dem Verschwinden mit der Auszahlung.

Welche Theorien verfolgen die Ermittler?
Nach Razaks Enthüllung werden die Passagiere unter die Lupe genommen. Die Polizei prüft, ob jemand kurz zuvor eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, ob jemand selbstmordgefährdet war. Zwei Iraner mit falschen Pässen werden schnell als harmlose Studenten entlarvt, die illegal nach Europa wollten. Keiner der Passagiere ist auffällig. Die Piloten geraten ins Visier: Chefpilot Zaharie Ahmad Shah (52) hat einen Flugsimulator zu Hause, Kopilot Fariq Abdul Hamid (27) hat auf einem früheren Flug schon mal illegalerweise Touristinnen ins Cockpit gelassen. Bei beiden gibt es aber keine Anzeichen für böse Absichten.

Was für Spekulationen gibt es?
Im Internet kursieren jede Menge Theorien. Eine versuchte Entführung, eine Selbstmordmission eines Insassen, ein technischer Defekt mit Explosion im Cockpit, der die Piloten außer Gefecht gesetzt hat, ein Brand mit giftigen Gasen an Bord, der alle bewusstlos machte. In anderen Spekulationen hieß es, die Boeing könne auf den Andamanischen Inseln nördlich von Indonesien gelandet sein, auf dem Atoll Diego Garcia im Indischen Ozean, oder womöglich in Nordkorea. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die Maschine sei vom Militär absichtlich oder versehentlich abgeschossen worden und das werde nun verschleiert.

Wie laufen die Ermittlungen weiter?
Nachdem eine weitere Auswertung der Satellitensignale die südliche Flugroute bestätigt und den Kurs besser definiert, koordiniert Australien die schwierige Wracksuche in einem mehr als 300.000 Quadratkilometer großen Gebiet rund 2.000 Kilometer westlich von Perth. Dutzende Schiffe und Flugzeuge sind beteiligt, ebenso das unbemannte U-Boot bluefin-21. Ein Schiff registriert Funksignale, die womöglich von der Blackbox stammen. Doch wird in den nächsten zweieinhalb Monaten keine Spur des Wracks entdeckt. Die Signale werden später infrage gestellt. Australien stellt sich auf eine monatelange Suche ein und sucht einen privaten Generalunternehmer dafür.

Treten die Angehörigen gemeinsam in Erscheinung?
Einige Angehörige halten untereinander Kontakt, aber eine organisierte Angehörigen-Gruppe gibt es nicht. Am Pfingstwochenende taucht auf einer Webseite der Aufruf auf, fünf Millionen Dollar zu sammeln, um anonyme Tippgeber zu animieren und Privatdetektive anzuheuern. Auf der Website tauchen in einem Video einige Angehörige auf, darunter die Freundin des amerikanischen Passagiers Philip Wood, Sarah Bajc. Angehörige in Malaysia sagen, sie hätten von der Aktion "Reward MH370" gehört, aber keine näheren Informationen.

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