Auch am Sonntag gab es in Salzburg wieder zahlreiche Lawinenabgänge – allesamt mit glimpflichem Ausgang. Niemand wurde verschüttet oder verletzt. Experten warnen: Die Lawinengefahr im Bundesland bleibt weiterhin sehr hoch ...
Bereits am frühen Sonntagvormittag kam es zu den ersten Lawinenabgängen: In Sportgastein wurde bei der gesperrten, beliebten Ski Route „Nordabfahrt“ ein Lawinenabgang gemeldet. „Der Mann gab an, dass er Variantenfahrer im Lawinenbereich beobachtet hätte“, sagt Pongaus Bezirksleiter Gerhard Kremser. Bergrettungshundeführerteams wurden durch das Rettungshubschrauberteam Martin 1 vor Ort gebracht und durchsuchten den Kegel. „Es konnten dort keine Verschütteten gefunden werden. Doch während dieser Zeit gingen in der Nähe gleich weitere Meldungen zu Lawinenabgängen ein.“ 15 Bergretter aus Bad Gastein, Alpinpolizei (Hubschrauberteam Libelle) waren rund zwei Stunden in Sportgastein im Einsatz, es wurden keine Verschütteten gefunden.
Variantenfahrer lösten Schneebrett aus
In Flachau und Flachauwinkel gab es gleich vier Meldungen von Lawinenabgängen: Abseits der Pisten beim Grießenkareck fuhren Variantenfahrer trotz eines großen und sichtbaren Lawinenabgangs gleich neben dem Abgang ein und lösten ein weiteres, großes Schneebrett aus. Die Anrisshöhe war teilweise hoch (1,5 m).
Der Mann gab an, dass er Variantenfahrer im Lawinenbereich beobachtet hätte. Es konnten dort keine Verschütteten gefunden werden.
Gerhard Kremser, Bezirksleiter Pongau
Weiters kam es zu gemeldeten Lawinenabgängen – ohne Verschüttete – in Altenmarkt, Kleinarl und Großarl (Loosbühelalm). Auch im Bereich des Spirzingers (Obertauern) wurde ein Abgang gemeldet. Im Lungau gab es bereits in der Früh einen Lawinenabgang im „Großkessel“ (Zederhaus, Riedlingtal), wo eine Lawine bis ganz herunter zum ursprünglichen Forstweg abging. Am Speiereck wurden bei der „Halterhütte“ gleich zwei Lawinen in einem Südhang ausgelöst, auch hier hatten die Betroffenen viel Glück.
Lawine abseits der Piste
Gegen 16 Uhr kam es zu einer Einsatz-Alarmierung in Rauris: Abseits der Pisten – im Bereich des Reichrachkopfes (2210m) – war ein größerer Lawinenabgang abgegangen. „Es war nicht klar, ob es von Variantenfahrern ausgelöst oder ein Spontanabgang war“, sagt Wolfgang Rohrmoser, Einsatz- und Ortsstellenleiter von Rauris. Zwei Rauriser Bergretter, die vor Ort bei den Hochalmbahnen im Pistendienst waren, fuhren zum Lawinengelände ab und suchten sofort mittels LVS-Geräten nach möglichen Verschütteten. Der Lawinenkegel war 80 Meter breit und 300 Meter lang.
Im Raurisertal gab es heute mehrere Lawinenabgänge. Die Situation bleibt angespannt. Wir raten wirklich zu defensiver Tourenwahl.
Wolfgang Rohrmoser, Einsatzleiter Rauris
Rettungshubschrauberteam Martin 6, Libelle Salzburg, Alpinpolizei, 25 Bergretter aus Rauris und zwei Hundeführerteams der Bergrettung wurden zum Einsatz abseits der Pisten alarmiert. Der Kegel wurde mittels LVS-Suche, Recco-Gerät, Hunden und Sondierketten durchsucht. „Die Bergbahnen unterstützten uns durch Mitarbeiter.“ Erst nach 19 Uhr wurde der Einsatz beendet, es gab keine Verschütteten. „Im Raurisertal gab es heute mehrere Lawinenabgänge“, so Rohrmoser, die Situation bleibt angespannt, „wir raten wirklich zu defensiver Tourenwahl, es herrscht immerhin die zweithöchste Lawinenstufe.“
„Die heutigen Lawinenabgänge im Pongau haben gezeigt, dass die Situation derzeit wirklich sehr heikel ist. Trotzdem sind immer noch viele Variantenfahrer abseits der Pisten, aber auch Skitourengeher im freien Gelände unterwegs“, so Gerhard Kremser. „Oberflächlich ausgelöste Lawinen reißen derzeit bis in tiefe Schichten durch. Am Graukogel wurde bei einem Lawinenabgang sogar ein Weg bis zu zwei Meter tief verschüttet.“ Auch im Lungau, wo derzeit relativ wenig Schnee liegt, sind die Abgänge von einem großen Ausmaß gewesen, schilderte der Ortsstellenleiter von Zederhaus, Peter Gruber: „Wir haben sogar Selbstauslöser beobachtet und bei sogenannten Geländefallen kann es sogar vermeintlich sichere Anstiege treffen.“
Lawinenlagebericht für Montag
„Einzelne spontane Lawinen sind weiterhin möglich und an vielen Stellen können mittlere, mitunter auch große Schneebrettlawinen leicht (auch aus der Entfernung) von einzelnen Personen ausgelöst werden. Betroffen sind alle Expositionen, vermehrt jedoch nördlich und östlich ausgerichtetes Steilgelände. Gefahrenbereiche sind nicht überall leicht zu erkennen, weshalb weiterhin zur Zurückhaltung und zu einer sehr defensiven Routenwahl geraten wird. In tiefen und mittleren Lagen sind spontan nasse Lockerschneelawinen und Gleitschneelawinen möglich.“
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