Am späten Sonntagvormittag gab es in Tirol den ersten Lawinenalarm des Tages: Im Skigebiet Axamer Lizum ging ein Schneebrett im freien Gelände ab, zum Glück befand sich niemand darunter. Kurz nach 12 Uhr gab es am Hintertuxer Gletscher schon den nächsten Alarm – zwei Verschüttete wurden geborgen. Am Nachmittag liefen weitere Einsätze an.
Das Unglück am Hintertuxer Gletscher im Zillertal ereignete sich laut Stefan Pichlsberger, Ortsstellenleiter der Bergrettung Tux/Lanersbach, im Bereich der sogenannten „Lärmstange“. Zwei Personen waren von der Lawine betroffen, eine davon erlitt wohl eine Beinverletzung und wurde ins Krankenhaus geflogen. Das zweite Opfer war unverletzt, kam zur Abklärung jedoch ebenfalls ins Krankenhaus.
Vater und Sohn unter Lawine
Ersten Informationen zufolge handelt es sich um Vater und Sohn aus Schweden. „Sie waren zum Glück nur teilverschüttet, konnten sich selbst befreien und Alarm schlagen“, schildert Pichlsberger.
Nachsuche notwendig
Die Bergrettung suchte allerdings zunächst weiter, um mögliche andere Verschüttete ausschließen zu können. Die Suche konnte beendet werden – keine weiteren Opfer. 16 Mann der Bergrettung Tux, drei Alpinpolizisten, drei Hundeführer sowie drei Hubschrauber nahmen an der Rettungsaktion teil.
Glück in der Axamer Lizum
Zum Lawinenabgang in der Axamer Lizum soll es laut „Krone“-Informationen schon um kurz nach 11 Uhr gekommen sein. Im freien Gelände im Bereich „Hoadl“ hatten sich demnach Schneemassen gelöst. Die Crew des Notarzthubschraubers Christophorus 1 führte eine Suche mittels LVS-Gerät durch. Gefunden wurde niemand. Der Lawinenabgang dürfte also glimpflich ausgegangen sein.
Lawine auf Piste im Paznauntal
Am Nachmittag ging es dann Schlag auf Schlag: Es liefen bzw. laufen Sucheinsätze in See im Paznauntal (Bezirk Landeck), in Obergurgl im hinteren Ötztal sowie in Seefeld (Bezirk Innsbruck-Land).
Schneebrett auf Skiweg
„Um 13:30 Uhr wurde gemeldet, dass sich an einem Skiweg im Skigebiet See ein Schneebrett gelöst hat. Die Rettungskette wurde umgehend aktiviert. Einsatzkräfte, Skilehrer, Bergretter sowie ein Notarzthubschrauber standen innerhalb kürzester Zeit im Einsatz“, heißt es seitens des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl. Der betroffene Bereich sei sofort gesperrt und systematisch sondiert worden. „Es wurden keine Personen verletzt oder verschüttet.“
Unklare Lage in Obergurgl
In Obergurgl hat ein Variantenfahrer in der Nähe des Ausstiegs der Steinmannbahn eine Lawine ausgelöst, ohne selbst verschüttet worden zu sein. Weil er nicht sicher war, ob jemand in den Schneemassen sei, sondierte die Bergrettung Obergurgl die Lawine ab. Laut Bergretter Michael Scheiber konnte die Suche inzwischen beendet werden. Es gab keine Opfer. Insgesamt standen 35 Personen im Einsatz, dazu zwei Hubschrauber.
Rote Zone – Bergretter kommen nicht zum Lawinenkegel
Und in Reith bei Seefeld löste sich laut Bergrettung Seefeld eine Lawine in der Rinne nördlich unterhalb des Härmelekopfs. „Das ist rote Zone, wir können aus Sicherheisgründen nicht hinein“, schildert der Einsatzleiter der Bergrettung, Peter Hilkenmeier. Eine LVS-Suche mit dem Heli ergab keinen Fund, derzeit wird niemand als abgängig gemeldet. Noch ist der Einsatz nicht abgebrochen.
Fünf Lawinentote seit Freitag in Tirol
Seit Freitag sind allein in Tirol fünf Menschen bei Lawinenabgängen gestorben. In St. Anton am Arlberg konnten am Freitagnachmittag zwei Wintersportler – ein US-Amerikaner und ein Pole – nur noch tot aus einer Lawine geborgen werden. Ein junger Einheimischer (21) wurde an der Unglücksstelle reanimiert und in die Innsbrucker Klinik geflogen, wo er kurze Zeit später verstarb. In Nauders (ebenfalls im Bezirk Landeck) kam am Freitag für einen 42-jährigen Deutschen jede Hilfe zu spät.
Die Serie an tödlichen Lawinenabgängen setzte sich in Tirol am Samstag fort. In Serfaus (Bezirk Landeck) ist ein 41-jähriger Einheimischer von einem Schneebrett erfasst und verschüttet worden. Er verstarb letztlich in der Klinik.
In ganz Tirol wurde am Samstag wegen der großen Lawinengefahr sogar AT-Alert ausgelöst. Am Sonntag folgte in Tirol ein weiterer, so wie auch in Vorarlberg.
Auch am Sonntag verbreitet Warnstufe 4
Die Lawinensituation auf Tirols Bergen bleibt auch am Sonntag extrem angespannt. Verbreitet herrscht Warnstufe 4 von 5. „Der Neuschnee der vergangenen Tage und die mit dem starken bis stürmischen Wind entstandenen Triebschneeansammlungen sind an allen Expositionen sehr störanfällig. Wintersportler können sehr leicht Lawinen auslösen. Die Gefahrenstellen sind zahlreich. Sie liegen in allen Höhenlagen, besonders im Bereich der Waldgrenze sowie oberhalb der Waldgrenze“, warnt der Lawinenwarndienst in seinem Lagebericht.
Auch Straßen können gefährdet sein
Mit dem intensiven Schneefall seien weiterhin spontane Lawinen möglich. Diese könnten teilweise in tiefe Schichten durchreißen und groß werden. Exponierte Verkehrswege könnten stark gefährdet sein, heißt es weiter.
Zudem seien einzelne Nass- und Gleitschneelawinen möglich. „Dies besonders an Böschungen und Grashängen unterhalb von rund 1800 Meter.“ „Die Verhältnisse für Wintersport abseits gesicherter Pisten bleiben allgemein sehr gefährlich“, betonen die Experten.
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