Weiter große Gefahr

Gewaltige Staublawine „verschlingt“ Schutzhütte

Tirol
22.02.2026 07:59

Fünf Tote, zahlreiche Verletzte, Dutzende Einsätze: Das ist die traurige Lawinenbilanz nur von Freitag und Samstag – und nur für Tirol! Die Gefahr ist nach wie vor nicht gebannt, wie ein dramatischer Lawinenabgang im Bereich der Franz-Senn-Hütte in den Stubaier Alpen (siehe Video oben) eindrucksvoll zeigt. Zu Schaden kam niemand – auch weil der Wirt seine Hausgäste bereits vor Tagen sicherheitshalber ins Tal geschickt hatte.

Am späten Samstagnachmittag, exakt um 16.25 Uhr, donnerte die riesige Staublawine aus rund 2500 Meter Höhe nordwestlich der Franz-Senn-Hütte (2149 m) in den Stubaier Alpen bei Neustift vom Bereich des Rinnensees in Richtung der Hütte hinunter. Das Naturspektakel wurde auf Videos festgehalten. Die eindrucksvollen Aufnahmen stammen zum einen von der Kamera des Kraftwerks für die Hütte etwas unterhalb des Schutzhauses und zum anderen von den Webcams direkt bei der Hütte.

Die Hütte im roten Kreis. Das Ausmaß der Lawine im schraffiertem Bereich.
Die Hütte im roten Kreis. Das Ausmaß der Lawine im schraffiertem Bereich.(Bild: Franz-Senn-Hütte, Krone KREATIV)

Die Lawine brach etwa 500 Höhenmeter in großer Breite (siehe Bild mit schraffiertem Bereich) ab und stoppte bei etwa 2000 Metern östlich unterhalb der Hütte. Sie ging über den Zustieg zur Senn-Hütte.

Binnen Sekunden verschwand die Hütte im „Schneestaub“.
Binnen Sekunden verschwand die Hütte im „Schneestaub“.(Bild: Franz-Senn-Hütte)

Gäste vor Tagen ins Tal geschickt
Hüttenwirt Thomas Fankhauser hatte bereits vor einigen Tagen die Hausgäste aus Sicherheitsgründen ins Tal geschickt und angemeldeten Gästen nahegelegt, nicht zu kommen. Sonst hätte es wohl Tote gegeben.

Zitat Icon

Wir kennen diese Lawine bereits, für die Hütte selbst bestand keine Gefahr.

Hüttenwirt Thomas Fankhauser

Fankhauser ließ die Gäste kostenlos stornieren, derzeit befindet er sich mit dem Personal allein in dem Schutzhaus. „Wir kennen diese Lawine bereits, für die Hütte selbst bestand keine Gefahr“, schildert er. Das Kraftwerk fiel aus, weil weiter hinten wohl andere Lawinen den Alpeiner Bach verlegten.

Tödliche Lawinenserie in Tirol
Die Serie an tödlichen Lawinenabgängen hatte sich in Tirol am Samstag fortgesetzt. In Serfaus (Bezirk Landeck) ist ein 41-jähriger Einheimischer von einem Schneebrett erfasst und verschüttet worden. Der Mann konnte von seinem Begleiter und weiteren Ersthelfern mittels LVS-Signal geortet und schließlich aus fast zweieinhalb Metern Tiefe ausgegraben werden.

Direkt unterhalb einer Bahntrasse ging die Lawine in Serfaus ab.
Direkt unterhalb einer Bahntrasse ging die Lawine in Serfaus ab.(Bild: Polizei)

Das Opfer musste reanimiert werden. Der 41-Jährige verstarb später in der Innsbrucker Klinik. Damit sind seit Freitag allein in Tirol fünf Menschen bei Lawinenabgängen gestorben. Landesweit wurde am Samstag wegen der großen Lawinengefahr sogar AT-Alert ausgelöst.

Auch am Sonntag verbreitet Warnstufe 4
Die Lawinensituation auf Tirols Bergen bleibt auch am Sonntag extrem angespannt. Verbreitet herrscht Warnstufe 4 von 5. „Der Neuschnee der vergangenen Tage und die mit dem starken bis stürmischen Wind entstandenen Triebschneeansammlungen sind an allen Expositionen sehr störanfällig. Wintersportler können sehr leicht Lawinen auslösen. Die Gefahrenstellen sind zahlreich. Sie liegen in allen Höhenlagen, besonders im Bereich der Waldgrenze sowie oberhalb der Waldgrenze“, warnt der Lawinenwarndienst in seinem Lagebericht.

Auch Straßen können gefährdet sein
Mit dem intensiven Schneefall seien weiterhin spontane Lawinen möglich. Diese könnten teilweise in tiefe Schichten durchreißen und groß werden. Exponierte Verkehrswege könnten stark gefährdet sein, heißt es weiter. 

Zudem seien einzelne Nass- und Gleitschneelawinen möglich. „Dies besonders an Böschungen und Grashängen unterhalb von rund 1800 Meter.“ „Die Verhältnisse für Wintersport abseits gesicherter Pisten bleiben allgemein sehr gefährlich“, betonen die Experten.

„Negativlawinen unbedingt melden“
Um unnötige Sucheinsätze zu vermeiden, sei es wichtig, auch Negativlawinen zu melden, appellierte indes das Land Tirol. „Wer Negativlawinen – also einen Lawinenabgang bei dem niemand zu Schaden kommt – beobachtet, sollte diese unbedingt unverzüglich der Leitstelle Tirol melden.“ Die Meldung von Negativlawinen sei telefonisch über den Notruf 144, den Alpinnotruf 140 oder über die SOS-EU-Alp-App möglich.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt