Am heutigen Mittwoch beginnt für rund 2 Millionen Muslime in Österreich der Fastenmonat Ramadan. Gleichzeitig startet auch die christliche Fastenzeit. Für 2026 fällt der Beginn des Ramadan laut Mondsichtung auf den 18. Februar um 17.24 Uhr, das Ende wird je nach Sichtung der Mondsichel am Abend des 18. oder 19. März erwartet. In beiden Religionen steht nun ein Zeitraum der Besinnung, des Verzichts und der inneren Einkehr bevor – doch wie wirkt sich das auf das tägliche Leben, die Gastronomie und den Arbeitsalltag aus?
Trotz der kulinarischen Einschränkungen muss die Fastenzeit keinen „Katzenjammer“ für die österreichische Gastronomie bedeuten. „Mit einer entsprechenden Karte kann man immer Gäste ins Gasthaus holen“, sagt Alois Rainer, Gastrospartenobmann der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Für Restaurants biete sich etwa an, vegetarische oder vegane Gerichte zu präsentieren, saisonale Schwerpunkte zu setzen und kreative Speisen anzubieten. Besonders in touristischen Regionen wie dem Zillertal sei die Fastenzeit für die Gastronomie kaum spürbar, da viele Gäste nicht christlich geprägt seien.
Fastenzeit verschiebt Tagesablauf
Bei islamisch geprägten Lokalen, wie Kebaphäusern, verschiebt der Ramadan hingegen den Tagesablauf. Während der Tagesstunden sei es ruhiger, dafür fülle sich das Gasthaus nach Sonnenuntergang. „Für Gäste, die nicht fasten, ergibt sich dadurch ein Zeitfenster, in dem leichter ein Tisch zu haben ist“, erklärt Mehmet Ünal von Közde Döner in Wien.
Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondjahres und eine der fünf Säulen des Islam. Gläubige Muslime verzichten von Morgengrauen bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und sexuelle Aktivitäten. Ausgenommen sind Kinder, chronisch Kranke, ältere Menschen sowie schwangere und stillende Frauen. Das Fasten dient der Reinigung von Sünden, der Nächstenliebe und der inneren Einkehr.
Erstmals seit 1863 gemeinsam mit christlicher Fastenzeit
Das tägliche Fasten wird abends beim sogenannten Iftar gebrochen, häufig in großer Runde mit Familie, Freunden oder Nachbarn. Zum Ende des Ramadan folgt das dreitägige Ramazan Bayrami, bei dem reichhaltig gegessen, gefeiert und Almosen an Bedürftige gegeben werden.
Erstmals seit 1863 fallen der Beginn von christlicher Fastenzeit und Ramadan wieder zeitlich zusammen. Während Muslime einen Monat lang fasten, dauern die 40 Tage der christlichen Fastenzeit ebenfalls von Aschermittwoch an. In Österreich sind beide Fastenzeiten kulturell spürbar, auch wenn sie unterschiedliche Bräuche und kulinarische Traditionen begleiten: Heringsschmaus und fleischlose Gerichte für Christen, Iftar-Mahlzeiten für Muslime.
Rücksicht auf Fastende gefragt
Für Arbeitskollegen gilt: Verständnis zeigen, wenn muslimische Kolleginnen und Kollegen tagsüber nicht essen oder trinken und sich zum Gebet zurückziehen. In Büros und öffentlichen Einrichtungen sollte Rücksicht auf die Fastenden genommen werden. Kinder, die das Fasten ausprobieren, können durch zu langes Fasten gesundheitlich belastet werden; Ärztinnen und Ärzte empfehlen hier Vorsicht.