Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert ein strategisches Umdenken der EU: „Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt.“ Er warnt, dass die Vereinigten Staaten unter Donald Trump nicht mehr als verlässlicher Partner gelten können und Russland als geopolitische Kraft zumindest unberechenbar bleibe. Europa müsse seine Sicherheit und Wirtschaft stärker selbst in die Hand nehmen.
Macron stellt in einem Interview mit mehreren europäischen Tageszeitungen wie „Le Monde“ und „Financial Times“ klar, dass Europa seine Abhängigkeit von außen reduzieren und seine politische und wirtschaftliche Souveränität stärken müsse – auch, wenn das schwieriger sei als einst gedacht.
Zuschauer oder Gestalter?
Europa sei in der Vergangenheit vor allem dann gescheitert, wenn es langsam und zerstritten reagiert habe – und stark gewesen, wenn es in Krisen schnell gemeinsam gehandelt habe, etwa bei Corona und dem großen EU-Konjunkturprogramm.
Nun gäbe es in Bezug auf die USA, Russland und China zu entscheiden, ob Europa „Zuschauer oder Gestalter“ sein wolle. „Wenn wir nichts tun, ist Europa in fünf Jahren weggefegt.“
Weiterhin „Konfliktpotenzial“
In Anspielung auf die Annexionsdrohungen von US-Präsident Trump sprach Macron erneut von einem „Grönland-Moment“. Dieser Moment habe den Europäern zweifellos bewusst gemacht, dass es bedroht ist. Europa leide an einem Trauma, die Menschen zweifelten. Dass Trump die Drohungen in Bezug auf das zu Dänemark gehörende Grönland zurückgenommen habe, sei lediglich eine „kurzlebige Erleichterung“ und bleibe ein „Warnsignal, kein Hinweis auf dauerhafte Entspannung“.
Zerstückelung der EU
Die Trump-Regierung verhalte sich zudem offen antieuropäisch und strebe die Zerstückelung der EU an. Macron erwartet weitere Spannungen und „Konfliktpotenzial“. Der Franzose empfiehlt seinen eigenen Umgang mit Trump: „Ich gehe professionell an die Sache. Ich bin also immer respektvoll, berechenbar, aber nicht schwach.“ Das ist wohl auch ein kleiner Fingerzeig Richtung NATO-Chef Mark Rutte, der Trump unterwürfig „Daddy“ nannte.
Dies müsse man auch im Handelskonflikt mit den USA berücksichtigen.„Jeder muss sich bewusst werden, dass diese Krise, die wir erleben, einen tiefgreifenden geopolitischen Bruch darstellt.“ Es sei Zeit „aufzuwachen“, Zeit für „einen Austritt aus dem Zustand der geopolitischen Minderjährigkeit“.
Weitere Aussagen von Macron in seinem aktuellen Interview:
Außenpolitisch drängt Macron darauf, dass Europa bei möglichen Ukraine-Verhandlungen nicht am Katzentisch sitzt. Russland bleibe geografisch „vor der Haustür“, daher müsse es einen strukturierten europäischen Ansatz für Gespräche geben – ohne Druck auf Kiew.
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