Debatte um Lehrlinge

WKÖ stinksauer: Strafsteuer „völlig fehl am Platz“

Wirtschaft
10.02.2026 15:02

Die Gewerkschaft PRO-GE schlägt eine Strafsteuer für Betriebe ohne Lehrlinge vor – doch die Wirtschaftskammer kontert scharf. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger erklärt, warum diese Idee „völlig fehl am Platz“ ist und warum die Betriebe stattdessen mehr Unterstützung brauchen.

„Die Betriebe werden aktuell von Kosten erschlagen. In dieser Situation eine neue Strafsteuer vorzuschlagen, verkennt die betriebliche Realität“, sagt Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), mit klaren Worten. Er reagiert damit auf Überlegungen der Produktionsgewerkschaft PRO-GE, Unternehmen ohne Lehrlinge mit einer Abgabe zu belegen.

Die Vorwürfe, Betriebe würden sich vor ihrer Ausbildungsverantwortung drücken, weist Danninger entschieden zurück.

Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): „Die Betriebe werden ...
Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): „Die Betriebe werden aktuell von Kosten erschlagen. In dieser Situation eine neue Strafsteuer vorzuschlagen, verkennt die betriebliche Realität.“(Bild: Marek Knopp)
Die Gewerkschaft will Betriebe, die keine jungen Leute ausbilden, zur Kasse bitten. Die ...
Die Gewerkschaft will Betriebe, die keine jungen Leute ausbilden, zur Kasse bitten. Die Wirtschaftskammer ist strikt dagegen.(Bild: Uta Rojsek-Wiedergut)

Warum viele Betriebe nicht ausbilden können
Die Gründe, warum ein Betrieb aktuell keine Lehrlinge hat, sind laut WKÖ vielfältig:

    1. Manche Betriebe dürfen aufgrund ihrer Branche oder Gewerbeberechtigung gar nicht ausbilden.
    2. Viele Unternehmen finden schlicht keine ausbildungswilligen Jugendlichen und müssen die Ausbildung zeitweise pausieren.
    3. 99,6 Prozent der österreichischen Betriebe sind Klein- und Mittelunternehmen. Fast die Hälfte (48,1 Prozent) der Ausbildungsbetriebe hat aktuell genau einen Lehrling. Findet sich kein Kandidat, fällt der Betrieb aus der Statistik.

„Es wäre absurd, Betriebe dafür noch zu bestrafen, dass sie keinen Lehrling finden“, so Danninger.

Die Fakten: Wo liegen die wahren Probleme?
Die Wirtschaftskammer kontert der Gewerkschaft mit Zahlen:

    1. Seit 1980 gibt es in Österreich 220.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren. Diese potenziellen Lehrlinge fehlen einfach.
    2. Ende Jänner 2026 gab es 17.564 offene Lehrstellen, aber nur 13.507 Lehrstellensuchende. Das Angebot übersteige die Nachfrage.
    3. Die Lehrlingseinkommen sind stark gestiegen, um die Lehre attraktiver zu machen. Auch der betriebliche Aufwand für Betreuung und Ausbildung wächst. Die staatliche Förderung (280 Mio. Euro) ist jedoch gedeckelt.
    4. 55 Prozent aller Betriebe – und sogar 74 Prozent der aktuell ausbildenden Betriebe – würden mehr Lehrlinge einstellen, wenn sie geeignete Jugendliche fänden.

„Ausbildungsbetriebe verdienen Respekt und Unterstützung“
Danninger betont die gesellschaftliche Leistung der Lehrbetriebe: „Sie bieten jungen Menschen eine Zukunft, fördern Integration und kompensieren Defizite. Dafür gebührt ihnen Anerkennung, nicht eine Strafsteuer.“

Sein Appell: „Wir brauchen Maßnahmen, die Betriebe ermutigen und befähigen, auszubilden – nicht mit der Kostenkeule, sondern durch gezielte Unterstützung und das Erschließen neuer Zielgruppen. Eine Strafsteuer würde keinen einzigen zusätzlichen Lehrling schaffen.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt