Die SPÖ hat massiv an Stimmen verloren. Für Max Lercher, steirischer SPÖ-Landeschef, liegt der Grund klar auf der Hand: „Wir haben Probleme geleugnet, die die Leute längst spürten. Jetzt kommt der harte Weg zurück zur Glaubwürdigkeit.“ Die Partei müsse sich den Sorgen der Menschen stellen, nur so lässt sich Vertrauen zurückgewinnen.
„Das war Überheblichkeit“, so der steirische SPÖ-Landeschef Max Lercher. Er spreche damit offen an, was viele in der Partei schon länger spüren: eine wachsende Entfremdung zwischen Politik und Wählern, die in den letzten Jahren zu massiven Stimmenverlusten führte. „Irgendwann haben sie uns nicht mehr zugehört“, so Lercher. Die Sozialdemokratie habe sich zu oft von den Menschen entfernt und überheblich agiert. Die Folge: Viele Wählerinnen und Wähler kehrten der Partei den Rücken.
Jetzt müsse die SPÖ den harten Weg zurück gehen, betont Lercher. Die Partei müsse die Probleme ernst nehmen, die die Menschen tatsächlich spüren – egal ob bei Migration, Arbeitsmarkt oder Alltagssorgen. Nur wer zuhört und reagiert, kann verlorenes Vertrauen wieder aufbauen und die Verbindung zu den Wählerinnen und Wählern erneuern.
Kein Rückenwind
Auf die Frage, ob die Bundes-SPÖ der Steiermark genügend Rückhalt biete, antwortet Lercher ehrlich: „Das ist eine gefinkelte Frage. Rückenwind verspüren wir nicht.“ Europaweit und auch in Österreich sei gerade eine schwierige Zeit, die das politische Handeln erschwere.
Wir haben Probleme geleugnet, die die Leute längst spürten. Jetzt kommt der harte Weg zurück zur Glaubwürdigkeit.
Steirischer SPÖ-Landeschef Max Lercher über den Verlust von Wählerstimmen
Für Diskussionen sorgt aktuell auch der Alleingang von Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker bei der geplanten Volksbefragung zur Heeresreform. Lercher erklärt: „Ich habe gehört, dass es ein Alleingang war. Die Expertinnen- und Expertenkommission hat entschieden, und ich teile deren Vorschläge. Aus Sicht der SPÖ Steiermark kann Politik aber auch selbst abstimmen und entscheiden.“ Gleichzeitig kritisiert er die Inszenierung: „Wenn man etwas Richtung Volksbefragung inszeniert, kann man gleich mehrere drängende Fragen stellen – etwa zum Gesundheitssystem oder zur Finanzierung. Für eine allein ist das schon ein bisschen ein Luxus.“
Lercher fordert daher, dass die Parteitaktik zurücktritt: „Jede und jeder muss über seinen Schatten springen. Es geht weniger um parteipolitische Show, sondern um Lösungen für Land und Leute.“
Gesundheitsversorgung als Zankapfel
Auch bei der Gesundheitsversorgung nimmt Lercher kein Blatt vor den Mund. Er fordert eine verbindliche Gesundheitsgarantie für die Steiermark: „Das ist schon lange ein Zankapfel in der steirischen Politik. Mario Kunasek ist angetreten, um alle Standorte zu erhalten und zu entwickeln. Wir sehen davon jetzt nichts mehr. Bad Aussee wird de facto zugesperrt, Bad Radkersburg wird halbiert. Die Freiheitlichen haben ihr Wort gebrochen.“
Für Lercher geht es in der Steiermark darum, mit Konsequenz und Kraft seinen eigenen Kurs zu verfolgen. Bundespolitische Entwicklungen nimmt er zur Kenntnis, betont aber: „Ich konzentriere mich auf die Steiermark und darauf, unsere Themen hier durchzusetzen. Und ich merke, dass das immer stärker gesehen wird.“
Lercher macht damit klar: Die SPÖ Steiermark will wieder nah bei den Menschen sein und Probleme ernst nehmen. Doch der Weg zurück zur Glaubwürdigkeit wird kein Spaziergang – verlorenes Vertrauen baut sich nicht von selbst wieder auf.
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