Unterstützung erfährt sie dabei zunächst nur in Gestalt eines Glühwürmchens, das jedoch weit mehr zu leisten imstande ist, als man aufgrund seiner Größe vermuten würde. Das auf Wunsch von einem zweiten Spieler jederzeit steuerbare Kerlchen leuchtet in dunklen Verliesen nicht nur den Weg, sondern hilft auch beim Einsammeln diverser Objekte und dem Lösen von Logikrätseln. Wirklich verdient macht es sich aber im Kampf, wenn es Verletzungen heilt oder Gegner mit seinem Licht blendet und damit ausbremst.
Einfach zu beherrschen, schwer zu meistern: Die Kämpfe
Denn das richtige Timing ist in den rundenbasierten Kämpfen ausschlaggebend für den Erfolg: Angriffe müssen durch geschickte Vorbereitung und Verteidigung so platziert werden, dass sie nicht von den gegnerischen Angriffen unterbrochen werden. Tränke und Zauber können das eigene Handeln zu diesem Zweck beschleunigen oder den Feind in seinen Vorbereitungen auf den Angriff um kostbare Sekunden zurückwerfen.
Crafting-System
Zusätzlichen strategischen Tiefgang erhalten die Kämpfe durch bestimmte Resistenzen der Gegner, die es von Aurora und ihren sich im Spielverlauf ihrer Sache anschließenden Weggefährten zu erkennen gilt. Essentiell sind dabei die sogenannten Occuli. Diese überall im Spiel versteckten Edelsteine unterschiedlicher Qualitätsgüte lassen sich zu wertvolleren Juwelen miteinander kombinieren, um etwa Angriffen zusätzlichen Feuerschaden hinzuzufügen oder sich vor Wasserzaubern besser zu schützen.
Individualisierung durch freischaltbare Fertigkeiten
Weitere Vorteile verschaffen sich Aurora und ihre tapferen Recken durch aktive und passive Fertigkeiten, die mit steigender Erfahrungsstufe freigeschalten werden. Da allerdings stets nur zwei Mitglieder der Gruppe gleichzeitig kämpfen können, sollten Gamer genau um die Schwächen und Stärken ihrer Charaktere wissen oder diese im Kampf rechtzeitig gegen einen fähigeren Kompagnon austauschen. Eine weitergehende Individualisierung durch spezielle Waffen oder Rüstungen ist leider nicht möglich, da es mit Ausnahme einiger Tränke und missionsabhängiger Gegenstände praktisch keine Items gibt.
"Reim dich oder ich fress dich"
Das ist insofern schade, da "Child of Light" dadurch bald in einen Trott verfällt, den zu unterbrechen auch der Story kaum gelingt. Schuld daran tragen vor allem die auf Biegen und Brechen in Reimform gepressten und somit teils erzwungen wirkenden Dialoge. Sie verschleiern, sicherlich auch bedingt durch die Übersetzung ins Deutsche, was Aurora letztlich antreibt und motiviert. Die eigentliche Dramatik geht durch die teils unfreiwillig komischen Reime jedenfalls verloren. Die Folge: Anstatt sie aufmerksam zu verfolgen und zu lesen, werden die Textzeilen einfach übersprungen und damit viel Potenzial verschenkt.
Fazit: "Child of Light" besticht durch eine Optik, die definitiv ihresgleichen sucht. Auf Anhieb erliegt man dem Charme, der von den im wahrsten Sinne des Wortes malerisch in Szene gesetzten Bildern ausgeht. All das vermag jedoch nicht darüber hinweg zu täuschen, dass es dem Rollenspiel an einer für das Genre so wichtigen Sache fehlt, nämlich Empathie für seine Protagonisten. So schlägt man sich alsbald von einem Kampf zum nächsten, angetrieben einzig und allein vom Wunsch, die eigene Party aufzuleveln. Wie es mit dieser weitergeht und warum eigentlich, gerät aber in den Hintergrund. Das Verlangen nach etwas mehr als bloßer grafischer Pracht und strategisch fordernden Kämpfen bleibt somit leider ungestillt.
Plattform: Xbox One (getestet), Xbox 360, PS4, PS3, WiiU, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10
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