Schon 24 Tote

Obama nach Erdrutsch: "Hoffe auf das Beste"

Ausland
26.03.2014 07:12
Nach dem gigantischen Erdrutsch im US-Bundesstaat Washington kommt das Ausmaß der Naturkatastrophe nach und nach ans Licht, während die Hoffnungen auf Überlebende schwinden. Mittlerweile ist die Zahl der Toten auf 24 angestiegen, außerdem ist von nicht weniger als 176 Vermissten die Rede. Präsident Barack Obama äußerte sich tief besorgt. "Wir hoffen auf das Beste, aber wir müssen erkennen, dass dies eine harte Situation ist", sagte er in Den Haag mit Blick auf schwindende Hoffnungen, Überlebende zu finden.

Die Rettungskräfte haben in der riesigen Schlammwüste so groß wie 360 Fußballfelder schon seit vielen Stunden keine Anzeichen auf Überlebende mehr gefunden. Mit Spürhunden, Hubschraubern und elektronischen Geräten wird die Suche nach Vermissten fortgesetzt. Das Notfallmanagement dämpfte am Dienstagabend allerdings die Aussichten, noch Überlebende in den Schutt- und Schlammmassen zu finden - der Einsatz gehe nun in eine Bergungsaktion über, so die Behörden.

Anrufe und SMS blieben unbeantwortet
Nicole Webb Rivera glaubt nicht mehr daran, ihre Eltern, ihre Tochter und deren Verlobten lebend zu finden. Sie habe immer wieder verzweifelt angerufen und SMS geschickt, sagte die Amerikanerin dem Sender CNN. Doch sie wartete vergeblich auf Rückmeldung. Ihre Eltern lebten in dem Dorf, die 20-jährige Tochter war an dem Unglückstag nur zu Besuch.

Cory Kuntz hat seine Tante verloren, doch er dankte am Montag Nachbarn und Freunden, die seinen Onkel vor einem schrecklichen Tod in den Schlamm bewahren konnten. "Sie hörten, wie er an das Dach klopfte", sagte Kuntz dem Sender King5News. Dann gruben sie den Mann aus dem verschütteten Haus aus. Sein Onkel habe in einer kleinen Luftblase überlebt, doch für dessen Frau sei jede Hilfe zu spät gekommen.

Die größte Hoffnung der Einsatzkräfte ist derzeit, dass sich einige der offiziell als vermisst geführten Menschen zur Unglückszeit nicht im betroffenen Gebiet aufgehalten haben bzw. Personen doppelt geführt sein könnten. Die Zahl der Vermissten sei weiterhin "vage", so die Notfallkoordinatoren.

Gouverneur: "Retter bis zu den Achseln im Schlamm"
Die Einsatzteams müssten "enorme Herausforderungen" bewältigen, sagte der Feuerwehrchef. Die Helfer kämen bei den Sucharbeiten in dem zähen Schlamm mit Geröll und Trümmern nur langsam voran. Teilweise hätte sich der Schlamm "wie Beton" verfestigt, an anderen Stellen sei er wie Treibsand. "Einige Retter steckten buchstäblich bis zu den Achseln im Schlamm", sagte Gouverneur Jay Inslee. Sie hätten selbst per Hubschrauber gerettet werden müssen.

Angehörige suchen Vermisste auf eigene Faust
Teilweise machten sich Angehörige von Vermissten auf eigene Faust auf die Suche. "Ich kann nicht daheimbleiben und nichts tun", sagte ein Mann, dessen Schwester vermutlich unter der Schlammlawine liegt.

Das Geröll- und Schlammfeld in der Gemeinde Oso rund 100 Kilometer nördlich der Westküstenmetropole Seattle ist laut einem Geologen mehr als 450 Meter lang und bis zu zehn Meter tief. Es sei einer der größten Erdrutsche, den er je gesehen habe, sagte der Wissenschaftler. Schwere Regenfälle hatten die gewaltige Schlammlawine am vergangenen Samstag ausgelöst, mindestens 30 Häuser wurden zerstört.

Angst vor weiteren Erdrutschen, Warnungen seit Jahren
Die Gefahr, dass sich noch mehr Erde löst, ist noch nicht gebannt. Deshalb wurden am Montag Rettungstrupps sicherheitshalber von einigen Stellen abgezogen.

Die Behörden betonen immer wieder, die Katastrophe sei völlig unabsehbar gewesen. Doch der amerikanische Geologe Daniel Miller hatte bereits vor Jahren Alarm geschlagen. Wie die Zeitung "The Seattle Times" berichtet, warnte Miller bereits 1999 in einem Bericht vor "einem potenziellen, großen und katastrophalen Zusammenbruch" des Steilhangs. Dagegen sprechen die Behörden von einem "völlig unvorhersehbaren" Ereignis.

Spätestens seitdem sich am gleichen Ort bereits 2006 ein kleinerer Erdrutsch ereignet habe, hätten aber Experten gewusst, dass es zu einer Tragödie kommen könne, sagte Miller weiter. Daher sei er auch schockiert gewesen, dass es weitere Baugenehmigungen gegeben habe.

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