Vor Stichwahl
Slowakei: Angst vor Scientologe als Präsident
Der Sozialdemokrat Fico und der parteilose Kiska werden am 29. März in einer Stichwahl aufeinandertreffen. Kiska habe sein Buch "Der Erlöser der Seelen" 2013 in einem Scientology-nahen Verlag herausgegeben, er habe wiederholt auch an Konferenzen und weiteren Aktivitäten in Regie der Sekte teilgenommen, erklärte Fico bei einer speziell zum Thema organisierten Pressekonferenz. Anschließend habe der Geschäftsmann "die ganze Slowakei vor laufenden Kameras belogen" und alles bestritten. Aus öffentlich zugänglichen Quellen sei aber eindeutig klar, dass Kiska "Menschen aus der Sekte kennt, sich mit ihnen trifft und zusammenarbeitet", so der Premier.
Scientologen hätten vor allem "Machtambitionen", im Ausland würden sie als direktes Sicherheitsrisiko gesehen. "Wie kann jemand mit solchen direkten Verbindungen zur Sekte Präsident der Slowakei werden, der Zugang zu streng geheimen Dokumenten hat und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist?" fragte Fico. Die Scientologen sind in der Slowakei nicht registriert, wirken aber sichtlich im Land. Unter anderem gibt es im ostslowakischen Kosice eine Management-Schule, die nach dem Sektengründer L. Ron Hubbard benannt ist.
Kiska: "Ich bin kein Scientologe, weiß nicht was das ist"
Der erfolgreiche Geschäftsmann Kiska wies die Beschuldigungen entschieden zurück. "Ich bin kein Scientologe," erklärte er vor Journalisten in Bratislava. Die Attacke sei nur ein typisches Spiel von Fico, der eine Niederlage befürchte. "Ein Sicherheitsrisiko ist der Premier selbst, da er nicht fähig ist, die Probleme der Menschen zu lösen," so der Präsidentschaftskandidat. Er werde jetzt eine weitere Strafanzeige gegen Fico überlegen. Auf direkte Anfrage, ob er Scientologen nicht auch für ein Sicherheitsrisiko halte, antwortete Kiska aber ausweichend. Er wisse gar nicht, was die Scientology-Sekte sei, erklärte er. Er habe sich nie dafür interessiert.
Im ersten Wahldurchgang der Präsidentenwahl am Samstag hatte der amtierende Regierungschef der Slowakei Fico mit 28 Prozent der Stimmen mit unerwartet geringem Vorsprung gewonnen, während der Geschäftsmann Kiska mit 24 Prozent ein sehr gutes Ergebnis erzielen konnte. Die Stichwahl wird somit keinen eindeutigen Favoriten haben.
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