Was passiert, wenn das Paradies nicht genug ist? Dem geht nun die Oper „Adam und Eva“ in der BlackBox des Linzer Musiktheaters nach. Mike Svoboda und Librettistin Anne-May Krüger verwandeln Peter Hacks’ Komödie in ein packendes Musiktheater voller Ironie und Tiefgang.
Das Linzer Landestheater erarbeitete für die Schwetzinger SWR Festspiele, eines der renommiertesten Festivals für zeitgenössische Kammeropern, die Oper „Adam und Eva“ von Mike Svoboda. Nach der Uraufführung in Schwetzingen ist das Bühnenwerk nun auch in der BlackBox des Linzer Musiktheaters zu sehen.
Vorweg: Gelungen ist eine kluge und witzige Auseinandersetzung mit dem Urmythos. Vorlage ist eine Komödie von Peter Hacks, die 1973 in der DDR für Aufsehen sorgte, vielleicht auch schon an der Mauer kratzte...
DDR-Kritik und Urmythos
Die Sache mit dem Apfel steht plakativ im Mittelpunkt; daraus leiten sich Gedanken zum Erkenntnisgewinn ab, es geht um den Durchbruch des freien Willens, um Freiheit überhaupt. Aber auch die Abwendung von Gott, weil Sex einfach besser ist, um „eins“ zu werden, ist ein Thema. Oder dass Frauen mutiger sind als Männer – vieles wird da mit Augenzwinkern aus der Genesis abgeleitet.
Musikalisch mit modernen Elementen
Die spannende Komposition von Mike Svoboda wird hervorragend umgesetzt vom Bruckner Orchester unter der Leitung von Daniel Stahilevitz. Großartig sind die Sängerinnen und Sänger, u. a. Morgane Heyse (Gabriel), Manuela Leonhartsberger (Satanael), Tina Josephine und Alexander York sind als Eva und Adam zu erleben. Weiter gibt es klugscheißende Einhörner (Beatriz López Da Silca, Felix Lodel). Die stimmgewaltige Sprechrolle Gottes wird von Sebastian Hufschmidt wunderbar umgesetzt.
Interessant ist das technische Beiwerk, denn es gibt nicht nur Lichttechnik, sondern auch Videozuspielungen, Verfremdungen, Spielereien mit einer Sprach-App, Musik-Elektronik – was das Geschehen enorm verdichtet, vielleicht sogar überlädt. Der Extrachor (Elena Pierini) und das Vokalensemble SWR in Zuspielung sowie dessen Experimentalstudio leisten wichtige Beiträge.
Sehr herausfordernd für die Akteure ist das paradiesische Bühnenbild von Heike Vollmer, das zwischen Felsenlandschaft und Müllhalde changiert.
Fazit: Eine zu Diskussionen anregende Deutung. Mit der Vertreibung aus dem Paradies beginnt ja die Selbstbefreiung des Menschen, aber auch die Uhr – und damit eine Lebenszeit, die mit dem Tod endet – beginnt zu ticken! Eine spannende, nicht ganz jugendfreie Geschichte … frenetischer Applaus für die Darsteller und die Musiker. Es gibt nur noch fünf Termine bis 27. Dezember.
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