Sarajevo-Stück

Sara Ostertag: „Wenn die Normalität zerbricht“

Oberösterreich
11.03.2026 15:00

Eine Stadt, von Scharfschützen eingekesselt, abgeschnitten von Wasser, Strom und Hoffnung. Nein, nicht Kiew und auch nicht Teheran, sondern Sarajevo im Jahr 1992. Ab 20. März ist das Stück „Radio Sarajevo“ in den Linzer Kammerspielen zu sehen, Sara Ostertag hat dafür den gleichnamigen Roman von Tijan Sila adaptiert: „Alles ist sehr gegenwärtig“, sagt Ostertag im „Krone“-Talk.

Ein zehnjähriger Junge muss in einer Stadt überleben, die plötzlich von Scharfschützen eingekesselt ist, abgeschnitten von Wasser, Strom und Hoffnung. Insgesamt 1425 Tage war Sarajevo im Bosnienkrieg eingeschlossen – die längste Belagerung einer Hauptstadt im 20. Jahrhundert.

Bachmann-Preisträger Tijan Sila beschreibt in seinem Roman „Radio Sarajevo“ eine Welt, in der es keine Sicherheit mehr gibt. Regisseurin Sara Ostertag (41), die vor kurzem den Nestroy-Preis für ihre Linzer Inszenierung von „The Broken Circle“ bekommen hat, stellt die Dramatisierung des Romans auf die Bühne: „Radio Sarajevo“ hat am Freitag, 20. März, in den Kammerspielen die österreichische Erstaufführung. Im „Krone“-Talk verrät sie erste Details.

Sarajevo im August 1993: Zwei Frauen in einer vereinbarten Feuerpause auf der „Sniper ...
Sarajevo im August 1993: Zwei Frauen in einer vereinbarten Feuerpause auf der „Sniper Alley/Scharfschützen Allee“ im belagerten Sarajevo.(Bild: GABRIEL BOUYS)

„Krone“: Sie inszenieren „Radio Sarajevo“, ein Stück über den Bosnienkrieg. Was gab Ihnen dazu den Anstoß?
Sara Ostertag: Das Friedensabkommen von Dayton liegt 30 Jahre zurück. Der Balkankrieg war für das heutige Österreich definierend, denn vor allem in meiner Generation sind viele als Kinder zu uns gekommen und sie haben diese Biographie und Geschichte, die wir am Theater zeigen. Außerdem hat der Stoff für mich eine große Gegenwärtigkeit.

Verraten Sie uns die Story?
Es geht um die Zeit der Belagerung von 1992 bis 1996, ein Kind erzählt, wie es den Krieg erlebt. Das ist auch für Erwachsene eine interessante Perspektive, weil alles sozusagen simplifiziert wird auf eine komische Art, aber man spürt die krasse Komplexität in den Dingen. Es geht darum, wie man überlebt, bis die Familie dann das Land verlässt. Wir haben den Text in großen Teilen ins Bosnische zurückübersetzt, es wird auf der Bühne deutsch, aber auch bosnisch gesprochen, es gibt Übertitel.

Was bewegt Sie an dem Stoff?
Es ist für mich abstrus, den Text über Sarajevo zu lesen und dann aktuelle Texte über die Ukraine oder über Teheran. Ob Drohnenangriff oder Scharfschützen-Angriff: Wie die Menschen das plötzlich erleben und beschreiben, ist sehr ähnlich. Auch ihre Fragen sind gleich: Gib es Wasser, Strom, Medikamente? Wie kommt man rein und raus aus den Städten?

Was ist Ihre ganz persönliche Botschaft, die Sie den Theaterbesuchern mitgeben wollen?
Wir leben in dem kollektiven Bewusstsein in Europa, dass es bei uns keinen Krieg geben wird, auch keinen geben darf. Dabei ist der Flächenbrand sehr nah. In vielen Texten über Sarajevo kommt das auch vor: Zuerst das Gefühl von „Das kann hier nicht sein“. Aber auf einmal ist es da! Auf einmal zerbricht die Normalität und man muss mit dieser komplett abstrusen Lebenssituation umgehen. Das finde ich schon sehr bedrückend in der momentanen Lage.

Belagerung von Sarajevo

Die Belagerung von Sarajevo (April 1992 bis Februar 1996) durch bosnisch-serbische Truppen war eines der grausamsten Ereignisse des Bosnienkriegs. Der Beschuss lag bei 300 Granaten pro Tag; mindestens 11.000 Tote, darunter 1600 Kinder. Das Friedensabkommen von Dayton wurde am 14. Dezember 1995 unterzeichnet.

Sie haben die Leitung des oberösterreichischen Theaterfestivals Schäxpir zurückgelegt.
Ja, ich habe das Festival sehr gerne gemacht, aber jetzt zurückgelegt, weil es zu viel gewesen wäre. Mittlerweile ist das Team so gewachsen, und es gibt so viel Vernetzung – es funktioniert gut.

Sie haben ja in Wien das „TEATA in der Gumpendorferstraße“ übernommen.
Ja, wir kooperieren sogar bei „Radio Sarajevo“, die Produktion ist zuerst am Landestheater Linz und ab Anfang Oktober in Wien zu sehen. Das Ensemble bleibt gleich.

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