Ende einer Tradition?

Kulturerbe-Status von Singvogelfang wird geprüft

Tierecke
11.03.2026 17:30
Porträt von Katharina Lattermann
Porträt von Tierecke
Von Katharina Lattermann und Tierecke

Der jahrhundertealte Singvogelfang im Salzkammergut sorgt aktuell wieder für Diskussionen: Tierschützer kritisieren das Festhalten an der Tradition als unnötige Quälerei, während rund 500 Vogelfänger auf dieses Recht pochen. Jetzt lässt die UNESCO prüfen, ob diese einzigartige Praxis weiterhin als immaterielles Kulturerbe anerkannt bleiben soll.

Nachdem der „Österreichische Tierschutzverein“ in einem eindringlichen offenen Brief den Fang von Singvögeln als veraltetes Relikt kritisierte, reagierte nun die österreichische UNESCO-Kommission: Der Status als immaterielles Kulturerbe soll noch heuer vom ihrem Fachbeirat neu bewertet werden. 

In dem Schreiben an UNESCO-Präsidentin Sabine Haag heißt es deutlich: Die Entscheidung von 2010, den Singvogelfang als immaterielles Kulturerbe zu erklären, sei „bei allem Respekt ein schwerwiegendes Missverständnis.“ Denn der Brauch, so der Tierschutzverein, schütze eine Praxis, die in Österreich aus gutem Grund verboten ist und unzähligen Singvögeln unnötiges Leid zufüge.

Bei der Verbandsausstellung zum Ende der Fangsaison werden die prächtigsten Vögel der Region in ...
Bei der Verbandsausstellung zum Ende der Fangsaison werden die prächtigsten Vögel der Region in Käfigen gezeigt und prämiert. Wildtiere, die Wochen zuvor in der Natur gefangen wurden und nun den Winter im Käfig verbracht haben.(Bild: VGT)

Gefangen im Netz der Tradition
Die Debatte um die Jagd auf Singvögel wie Stieglitze, Gimpel, Erlenzeisige und Fichtenkreuzschnäbel schwelt seit vielen Jahren. Rund 500 Vogelfänger aus etwa 25 Vereinen im Salzkammergut pflegen das Brauchtum, bei dem diese Tiere im Herbst gefangen, über den Winter in Käfigen gehalten und bei Ausstellungen präsentiert werden.

Die Tradition verursache dabei erhebliches Leid, mahnen auch die Tierschützer vom „Verein gegen Tierfabriken“: Die Vögel verlieren ihre Freiheit und leben oft lebenslang hinter Gittern, natürliche Verhaltensweisen wie Fliegen, Revierverhalten, Nisten und Fortpflanzung sind nicht möglich, und Fangmethoden verletzen immer wieder Tiere.

Beschäftigt die Gerichte
Ende letzten Jahres bestätigte auch das Landesverwaltungsgericht Oberösterreich rund 30 Beschwerden gegen Bescheide zum Singvogelfang im Salzkammergut. Die Entscheidung sei ein deutliches Stoppsignal gegen rechtswidrige Fangpraktiken, jubelten die Tierschützer damals unisono. 

Der österreichische UNESCO-Generalsekretär Martin Fritz gibt sich im Gespräch mit der „Krone“ zurückhaltend. Das bevorstehende Monitoring sei ergebnisoffen und könne sich über einen längeren Zeitraum ziehen. Man würde das Thema aus allen Richtungen erörtern und auch die rechtlichen Aspekte abwägen. 

Bewegung setzt ein
Die Zeit wird zeigen, ob den „Sängern des Waldes“ irgendwann nicht mehr ihre Freiheit genommen wird. Es gibt nun zumindest die Chance, dass die Jagd auf sie wenigstens aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gestrichen wird. Moderne Forschung an Vögeln ist nämlich auch ohne Käfighaltung möglich, wie zahlreiche andere Initiativen zur Vogelbeobachtung zeigen. 

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