„Dort nicht unüblich“

Im Vollrausch Nachtschwärmer mit Axt verfolgt

Oberösterreich
11.03.2026 16:30

Mit einer Axt, genauer gesagt einem Tomahawk, verfolgte ein 36-jähriger Linzer einen Nachtschwärmer nach einer Weihnachtsfeier bei der Turmstraße. Glücklicherweise wurde das Opfer nur leicht verletzt. Trotzdem musste sich der Angreifer wegen schwerer absichtlicher Körperverletzung verantworten.

Spätabends am 18. Dezember des vergangenen Jahres hatten sich in Linz Szenen ereignet – wie aus einem Horrorfilm, oder zumindest aus der Parodie eines solchen, je nachdem, welchem Zeugen man zuhört. „Ich bin zur Straßenbahn gegangen, da ist mir ein Mann aufgefallen, der zwei Frauen an der Haltestelle komisch angesprochen hat. Plötzlich und ohne jede Vorwarnung hat er sich umgedreht und ist auf mich zugerannt, erst da ist mir die Axt in seiner Hand aufgefallen“, schildert das Opfer, ein Elektriker (54). 

Drei, Zwei, Eins, ich schlag‘ dich
Nach diesen Worten des 36-Jährigen nahm das Opfer, das ebenfalls am Heimweg von einer Weihnachtsfeier und nicht ganz nüchtern war, entsetzt die Beine in die Hand. Von der Turmstraße floh er in Richtung Wifi, wo der Verfolger ihn einholte und beide zu Boden gingen. „Ich habe mir nur gedacht, jetzt geht es um Leben und Tod. Ich hab' mich gewehrt, ihm einige geschmiert, ihm die Axt abnehmen und wegwerfen können“, so der Elektriker in breitem Dialekt. 

„Für Gegend nicht unüblich“
Einen Zeugen auf der anderen Straßenseite der Wienerstraße ließ die Situation hingegen eher kalt. „Für mich wirkte das nicht wirklich bedrohlich, eher ,Pack schlägt sich, Pack verträgt sich‘. Ich habe gesehen, dass der hintere stark betrunken war, und hätte nicht geglaubt, dass der überhaupt etwas trifft mit dem Gegenstand, den er da in der Hand hatte“, so der Techniker, der die Situation für eine harmlose Szene-Streiterei hielt. Überhaupt seien solche übertriebenen Drohgebärden in dieser Gegend keine Seltenheit – den 54-Jährigen hingegen hatte die pure Todesangst gepackt – nur einen Tag vor seinem Geburtstag. 

Woher kam die Axt?
„Ich bin kein aggressiver Mensch. Ich habe ein Suchtproblem, aber kein Aggressionsproblem“, schätzt sich der 36-Jährige mit den vier Vorstrafen wegen Aggressionsdelikten selbst ein. Er könne sich an den Vorfall nicht mehr erinnern, wisse nicht einmal, woher er die Axt überhaupt gehabt habe. Ich bin mir aber sicher, dass ich niemanden schwer verletzen wollte, das könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren“, ist der Österreicher überzeugt. 

Opfer blutverschmiert
Im Zuge der Rangelei hatte das Opfer dem Verfolger die Axt aus der Hand reißen und wegwerfen können, doch der 36-Jährige hatte immer wieder danach gegriffen, sodass schließlich der blutverschmierte Elektriker beim Eintreffen der Beamten die Waffe in der Hand hielt. Blutverschmiert, weil er zwei Schnittwunden an der Hand und durch den Sturz einen Cut am Kopf erlitten hatte, weshalb er im Unfallkrankenhaus behandelt wurde.

Zwei Jahre Haft
Nach einer halben Stunde Beratung waren sich die beiden Schöffen und der Richter einig: Zwei Jahre Haft wegen versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung müssen angesichts der vielen Vorstrafen sein. Von einem Widerruf einer bedingten Strafe von neun Monaten wurde aber abgesehen: rechtskräftig. Eines ist ebenfalls sicher: „Seit dem Vorfall war ich nicht mehr in der Nacht in Linz unterwegs, davon habe ich genug“, so das 54-jährige Opfer. Seinen Geburtstag feierte er jedenfalls nicht in der Landeshauptstadt.

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