Falscher Krebsbefund

Wenn plötzlich die Fakten massiv verdreht werden

Oberösterreich
11.03.2026 18:00

Das Kepler Uniklinikum (KUK) in Linz verwirrt mit seinen Stellungnahmen zum Fall der kürzlich verwechselten Patientenakte. Die „Krone“-Recherchen basierten auf schriftlichen Erklärungen von Betroffenen und des Spitals.

Die Krisenkommunikation des Kepler Universitätsklinikums (KUK) Linz lässt Außenstehende manchmal ziemlich staunen. So wie auch nun wieder im Fall einer verwechselten Krankenakte.

Wie berichtet, soll ein Oberarzt des Brustkompetenzzentrums am 4. Februar einer 54-jährigen Mühlviertlerin mitgeteilt haben, dass laut Röntgenbildern drei große Knoten in ihrer rechten Brust zu sehen seien – eine Nachricht, die bei der Patientin laut ihrem Ehemann einen massiven Schock auslöste. Die Frau selbst konnte mit der „Krone“ über den Fall nicht sprechen, da sie sich emotional nicht dazu in der Lage sah.

Laut schriftlicher Darstellung des Mannes habe erst seine Frau den Arzt auf Unstimmigkeiten während der Befundbesprechung aufmerksam gemacht. Zunächst sei ein falsch geschriebener Vorname als Tippfehler abgetan worden. Erst als auch das Geburtsdatum nicht übereinstimmte, sei die Verwechslung erkannt worden. Bereits am 18. Februar wandte sich der Ehemann mit einer Beschwerde an die Klinik – zunächst erhielt er nur eine Empfangsbestätigung.

Entschuldigung von Ärztechefs
Erst nachdem die „Krone“ am 6. März beim KUK um eine Stellungnahme gebeten hatte, reagierte das Spital. In einer schriftlichen Antwort bedauerte das Krankenhaus den Vorfall und bot der Patientin psychologische Unterstützung an. Wenige Tage später wurde schließlich auch ein persönlicher Gesprächstermin mit der Spitalsleitung organisiert. Dabei entschuldigten sich der Ärztliche Direktor sowie der Chef der Zentralen Radiologie bei den Betroffenen für die Verwechslung.

Zwei Text-ausschnitte aus dem E-Mail des Ehegatten der Mühlviertlerin an die Beschwerdestelle ...
Zwei Text-ausschnitte aus dem E-Mail des Ehegatten der Mühlviertlerin an die Beschwerdestelle des Kepler Klinikums sowie die Stellungnahme des Spitals (rechts unten) an die „OÖ-Krone“.(Bild: Screenshot)

Änderung der Darstellung
Parallel dazu änderte das Klinikum jedoch seine Darstellung des Geschehens. Während zunächst von einem bedauerlichen Vorfall rund um eine falsche Akte die Rede war, erklärte das KUK später, es habe nie eine falsche Diagnose gegeben. Dem Arzt sei angeblich sofort aufgefallen, dass die Röntgenbilder nicht zur Patientin gehörten. Die nachträgliche Darstellung steht allerdings im deutlichen Widerspruch zu den Schilderungen der Betroffenen, die der „Krone“ bereits zuvor schriftlich übermittelt wurden – und wirft erneut Fragen zur Kommunikation des Spitals auf. Die Causa zeigt damit nicht nur eine Aktenverwechslung, sondern auch, wie unterschiedlich ein und derselbe Vorfall dargestellt werden kann.

Klar ist: Ohne die gewissenhafte Recherche der „Krone“ wäre der Fall wohl kaum aufgearbeitet worden – hatte man das Ehepaar ja schon fast ein Monat lang warten lassen ...

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