Die Handlung von "Titanfall" spielt in einer ebenso fernen wie düsteren Zukunft, in der sich der Bergbaukonzern IMC Scharmützel mit Kolonisten liefert, auf deren Land reiche Bodenschätze vermutet werden. Die Kolonisten sollen der Abbaumaschinerie des Konzerns weichen, was ihnen naturgemäß nicht sonderlich gefällt. Das Resultat ist ein Krieg, in dem IMC und die Rebellenmiliz mit flinken Piloten und sieben Meter hohen Kampfrobotern gegeneinander antreten.
Das war's im Grunde auch schon mit der Hintergrundgeschichte zu "Titanfall". Zwar erzählt das Game im Rahmen einer in den Mehrspielermodus eingebauten Kampagne die Geschichte noch detaillierter, allzu viel von der Handlung saugt man in den hektischen Kämpfen allerdings nicht auf. Das hat einen einfachen Grund: Inmitten des Schlachtfelds stirbt jeder Spieler, der sich zu sehr auf die über Funk eingestreuten Erzählungen konzentriert.
Schnelles Gameplay fordert perfekte Reflexe
Der Grund: "Titanfall" fordert zu jedem Zeitpunkt blitzschnelle Reflexe und schnelle Reaktionen. Als Soldat, der nicht durch einen gigantischen Mech geschützt ist, flitzt man mit dem Jetpack durch die Levels, dass es eine wahre Freude ist. An den Wänden entlanglaufen, dank Jetpack-Doppelsprung auf besonders hoch gelegene Plattformen vordringen oder durch ein Fenster im zweiten Stock in ein umkämpftes Haus einsteigen – in "Titanfall" gar kein Problem.
Im Test machte die so erreichte Bewegungsfreiheit in Kombination mit dem schnellen Gameplay großen Spaß, zumal die Steuerung der Jetpack-Soldaten trotz der generell hohen Geschwindigkeit – zumindest am PC - präzise und zuverlässig von der Hand geht. Nur ruhig halten sollte man inmitten der Partien nicht zu lang – auf diese Gelegenheit für einen sicheren Schuss warten die Kontrahenten nur.
Schnelle Action, selbst als Kampfroboter
Selbst, wenn man einen der nach einer gewissen Zeit im Match von jedem Spieler herbeirufbaren Titanen spielt, erlebt man noch rasante Action. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt dem Umstand, dass die Titanen ebenso wie die Soldaten mit einem kleinen Jetpack ausgestattet sind. Damit können sie zwar nicht hüpfen, aber schnelle Manöver zur Seite, nach hinten oder nach vorne vollführen. Mit den behäbigen Mechs aus anderen Games wie "Mechwarrior" haben die Titanen so recht wenig gemein.
Ein weiteres Merkmal der Titanen ist ihre hohe Durchschlagskraft. Während man als normaler Soldat einige Schuss braucht, um einen Gegner zur Strecke zu bringen, gelingt es mit einem Titanen üblicherweise mit einem Treffer. Zumindest bei menschlichen Gegnern, Kämpfe gegen andere Titanen können auch zu längeren taktischen Scharmützeln werden, in denen brachiale Feuerkraft auf Defensiv-Fähigkeiten wie einen praktischen Schild zum Schutz des Titanen trifft. Insgesamt gibt's drei verschiedene Titan-Klassen: den Allrounder Atlas, den schwer bewaffneten Ogre und den flinken Stryder.
Tolle Balance: Titanen nicht zu übermächtig
Zwischendurch gilt es stets, auf der Hut vor flinken Piloten zu sein. Die können durch einen gezielten Sprung aufs Haupt eines Titanen mit ihren Waffen nämlich beträchtlichen Schaden anrichten und für ein jähes Ende eines solchen Blechkolosses sorgen. Auch mit Anti-Titanenwaffen können Bodentruppen den Kampfrobotern einheizen.
Dass das Kräfteverhältnis zwischen Titanen und Piloten nicht zu sehr zugunsten der Roboter ausbalanciert wurde, tut dem Spiel gut. So kann man auch als vermeintlich schwächlicher Pilot etwas auf dem Schlachtfeld bewirken und der Besitz eines Titanen führt nicht automatisch zu einem unfairen Vorteil im Kampf. Die gut getroffene Balance sorgt dafür, dass "Titanfall" beim Spielen stets fair bleibt – eine hohe Kunst und für einen guten Multiplayer-Shooter extrem wichtig.
Matches mit vielen Bots, aber wenigen Spielern
Wo viel Licht ist, gibt es aber auch Schatten. So fanden wir es beim Ausprobieren recht gewöhnungsbedürftig, dass auf den Schlachtfeldern nicht nur von Spielern gesteuerte Figuren herumwuseln, sondern auch massenhaft KI-Kämpfer. Das soll die Schlachten, an denen bis zu zwölf menschliche Spieler teilnehmen können, epischer erscheinen lassen.
Es hat jedoch in der Hitze des Gefechts oft den Nebeneffekt, dass man nicht zwischen Bots und Spielern unterscheiden kann und auf nahezu harmlose KI-Gegner schießt, während daneben ein menschlicher Gegner in aller Ruhe einen Kopfschuss vorbereitet. Da hätten uns Massenschlachten mit echten Menschen à la "Battlefield" besser gefallen.
Auch in puncto Abwechslung wäre wohl etwas mehr drin gewesen. Auf insgesamt 15 weitläufigen Maps kämpfen die Spieler in fünf Spielmodi gegeneinander. Während die Karten dabei durchaus für optische Abwechslung gut sind und durch verschiedene Landschaften – mal kämpft man sich durch enge Ruinen, mal durch eine weitläufige Wüste – für Abwechslung sorgen, bieten die Spielmodi weitgehend Bewährtes.
Bewährte Modi, Probleme mit privaten Spielen
Mit "Attrition" steht ein klassisches Team-Deathmatch zur Verfügung, bei "Hardpoint Domination" müssen verschiedene strategisch wichtige Punkte gehalten werden. Ein "Capture the Flag"-Modus steht ebenfalls bereit. Etwas einfallsreicher sind die Modi "Pilot Hunter" und "Last Titan Standing". Bei Ersterem geht es darum, alle gegnerischen Mechpiloten auszulöschen – für abgeschossene KI-Kämpfer gibt's dabei keine Punkte. Und bei "Last Titan Standing" startet jeder Spieler mit einem Titanen in die Schlacht. Das Team mit dem letzten intakten Kampfroboter gewinnt.
Zwar bringen die Spielmodi keine wirklich bahnbrechenden Neuheiten, durch die sehr gute Balance, das hohe Tempo und die einfache Zugänglichkeit unterhält "Titanfall" aber auch so prächtig. Zumindest, wenn man sich mit den öffentlichen Servern zufriedengibt, auf denen man sich nach kurzen Wartezeiten mit anderen Spielern messen darf. Private Partien sind in "Titanfall" nämlich noch nicht möglich – das macht es schwer, sich mit Freunden zum Spielen zu verabreden.
Hübsch und dennoch nicht übertrieben leistungshungrig gibt sich die Optik von "Titanfall". Sowohl Landschaften als auch Charaktere sind detailliert und mit hochauflösenden Texturen versehen. In der getesteten PC-Version hatten wir trotzdem selbst auf einem älteren System stets flüssige Bildwiederholraten. Die Möglichkeit, in den Grafikoptionen die Auflösung zu verändern, war jedoch gesperrt – das erschwert es PC-Spielern, die für ihre Hardware optimalen Einstellungen selbst zu treffen.
Mittendrin-Sound und präzise Steuerung
Nichts zu meckern gibt's am Sound von "Titanfall". Die Geräuschkulisse auf den Schlachtfeldern mit schreienden Soldaten, umherpfeifenden Projektilen und dem dumpfen Klang voranschreitender Titanen lässt Mittendrin-Gefühl aufkommen. Der Soundtrack hält sich dabei dezent im Hintergrund – gut so, kann man sich so doch besser auf die rasanten Kämpfe konzentrieren.
Die Steuerung am PC ist für Shooter-Veteranen kein Problem und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase verinnerlicht. Gefallen hat uns im Test die hohe Präzision, mit der man mit der klassischen Maus-Tastatur-Kombination durch die Levels flitzen kann. Nach kurzer Zeit wird man als Spieler zum reinsten Parcours-Läufer und hüpft flink von Dach zu Dach. Und auch die Titanen steuern sich direkt und präzise.
Fazit: Toller Multiplayer-Shooter mit wenigen Schwächen
"Titanfall" ist tatsächlich ein ausgesprochen spaßiges Multiplayer-Spiel geworden und dürfte Shooter-Fans mit einer Vorliebe für schnelles Gameplay viel Freude bereiten. Die hübsche und trotzdem vergleichsweise anspruchslose Grafik, der fesselnde Sound und das generell äußerst unterhaltsame Spielprinzip mit wieselflinken Jetpack-Soldaten und den nicht übertrieben mächtigen Kampfrobotern wussten im Test bestens zu unterhalten.
Einzig die vielen Bots in den Matches, die mit der Zeit wohl etwas dürftige Abwechslung und – emerhin: Private Partien sollen per Patch nachgereicht werden, zusätzliche Inhalte als Download-Content kommen.
EA hat in diesem Zusammenhang einen Season Pass angekündigt, mit dem Spieler für 25 Euro alle kommenden Zusatzinhalte für das Vollpreis-Spiel (50 Euro für PC, 70 Euro für Xbox One) herunterladen können. Xbox-One-Spieler brauchen für den Multiplayer-Modus übrigens auch einen kostenpflichtigen Xbox-Gold-Zugang (rund 50 Euro im Jahr).
Plattform: PC (getestet), Xbox One, Xbox 360 (Ende März)
Publisher: EA
krone.at-Wertung: 8/10
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